Sportlicher Ehrgeiz mit Parkinson: Weltmeister Andreas Koch bleibt am Ball
Altenhofer holt Tischtennis-Titel
- Wenden, 04.04.2025
- Verschiedenes , Sport
- Von Lorena Klein
Altenhof. Wenn der eigene Körper nicht gehorcht, einfache Bewegungen nicht mehr funktionieren, wird Alltägliches zur Herausforderung. Vor fast zwölf Jahren erhält Andreas Koch aus Altenhof die Diagnose Parkinson – und beweist seither viel Durchhaltevermögen. Eine Kraftquelle und emotionale Stütze ist für den 54-Jährigen Tischtennis: Im „PingPongParkinson“ startet er voll durch und holt vergangenen Herbst sogar den Weltmeister-Titel.

Sport spielte für Andreas Koch schon immer eine große Rolle. Lange war er Fußballspieler beim VSV Wenden und auch für den FC Altenhof und die Hünsborner Altliga stand er auf dem Feld. Fußballspielen ist für den 54-Jährigen heute nicht mehr so einfach möglich. Die Symptome der Parkinson-Krankheit verschlechtern sich im Laufe des Lebens.
Mit der Diagnose im Jahr 2013 waren für Andreas Koch zunächst viele Fragezeichen verbunden. „Ich kannte die Krankheit wie die meisten Menschen nur aus dem Fernsehen und aus der Presse. Wie sie sich letztendlich äußert, war mir nicht bekannt“, erzählt Andreas Koch.





Im Wesentlichen, erklärt er, zeichne sich Parkinson durch drei Symptome aus. Das Zittern (Tremor) war bei ihm das erste Anzeichen der Krankheit. Hinzu kommen Muskelsteifheit (Rigor) – „ein Gefühl wie im Taucheranzug“ – und das sogenannte „Freezing“ – „Der Kopf will, aber du kannst dich nicht bewegen“, veranschaulicht Andreas Koch.
Diese Hauptsymptome betreffen vor allem die Extremitäten. Dazu hätten Parkinson-Erkrankte häufig mit Schlaf-, Verdauungs- und Gleichgewichtsproblemen zu kämpfen, ergänzt Koch.
Trotz alledem meistert der dreifache Familienvater seinen Alltag, arbeitet Vollzeit bei Siemens, treibt Sport. Dass er noch immer Fahrrad fahren kann, sei keine Selbstverständlichkeit. Er sei medikamentös gut eingestellt und auch die Tiefe Hirnstimulation (THS) über zwei Sonden in seinem Kopf zeige Erfolge.

Einen besonderen Platz nimmt für Andreas Koch seit einigen Jahren Tischtennis ein. „Tischtennis wirkt gegen die Parkinson-Symptome und kann den Prozess verlangsamen“, erklärt er. Gleichgewicht, Handkoordination und schnelle Kopfbewegungen stehen hier im Fokus. Im Herbst 2022 steigt der Altenhofer in den Sport ein und gründet in Zusammenarbeit mit dem TTC Wenden einen Stützpunkt des Netzwerks „PingPongParkinson“.
Irgendwann packt Andreas Koch auch das Wettkampf-Fieber – das ihm im Mai 2024 zum Deutschen Meistertitel verhilft. In Nordhorn gewinnt er mit seiner Spielpartnerin Andrea Müllner aus Wunsiedel das Finale in der Kategorie Mixed Gruppe 3 mit 3:0.

Je nach Ausprägung der Symptome und Grad des Könnens gebe es unterschiedliche Klassifizierungen, erklärt Andreas Koch. „Es gibt auch welche, die kommen mit Rollator an die Platte – und spielen trotzdem Tischtennis.“ Im vergangenen Herbst setzt der Altenhofer noch einen drauf und ergattert bei der Weltmeisterschaft in Slowenien Gold im Herren-Doppel Gruppe 3.
Doch sportlicher Erfolg ist für den Weltmeister nicht alles: „Es herrscht eine tolle Stimmung und ist wie eine riesengroße Familie.“ Neben dem Sport könne er sich mit seinen Mitstreitern über gesundheitliche Themen austauschen. „Ich will möglichst lange an Turnieren teilnehmen, solange es gesundheitlich möglich ist“, betont Andreas Koch. Von seiner Familie erhält er dabei volle Unterstützung.
„Mittlerweile gibt es rund 250 Stützpunkte in Deutschland – als ich angefangen habe, waren es 140“, berichtet Koch über das Wachstum des Netzwerks PingPongParkinson. Auch einige neue Mitspieler konnte der Stützpunkt in Wenden, der sich immer montags um 20 Uhr trifft, seither gewinnen.
Lange trainierte Andreas Koch allein mit seinem Doppelpartner Thorsten Wottrich aus dem oberbergischen Wipperfürth, heute sind insgesamt neun Parkinson-Betroffene aus der Region dabei. „Manche trainieren für Wettkämpfe, manche spielen einfach Ping Pong“, so Andreas Koch. Trainiert wird auch mit den anderen Spielern des Vereins. „Der TTC Wenden hat uns sehr herzlich aufgenommen.“
Am Welt-Parkinson-Tag am Freitag, 11. April, veranstaltet Andreas Koch eine besondere Aktion in Zusammenarbeit mit der Volksbank in Wenden. Unter dem Motto „Parkinson mit Tischtennis in Schach halten“ fordert der Altenhofer in den Räumlichkeiten der Volksbank zu einer Partie Schach heraus. Alle Gewinner kommen in einen Lostopf und haben die Chance auf Preise.
Tischtennis kann ebenfalls gespielt werden – entweder an der Platte oder virtuell über eine VR-Brille. „Ich werde Rede und Antwort stehen für Menschen, die Fragen zu Parkinson haben“, lädt Andreas Koch ein. Mit Ulrike Keiper und Thorsten Wottrich sind zwei weitere Betroffene zu Gast. Die Aktion findet von 10 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 16.30 Uhr statt. Neben vielseitigem Infomaterial werden auch Waffeln und Kaffee angeboten.
