Sauerländer Groundhopper Ismael Blum sammelt Spiele rund um den Globus
Fußball als Lebensreise
- Wenden, 09.02.2026
- Sport
- Von Nils Dinkel
Wenden. Für viele bedeutet Fußball der Samstagnachmittag im Stadion oder das Spiel vor dem Fernseher. Für ihn bedeutet Fußball alles – so viel, dass der Sport ihn rund um den Globus geführt hat: Ismael Blum. Sein Hobby: Groundhopping. Der 32-Jährige, gebürtig aus Münster, lebt seit fünf Jahren im Sauerland und wohnt heute in der Gemeinde Wenden – und steht als Schiedsrichter selbst regelmäßig auf dem Spielfeld.

Groundhopping heißt für ihn nicht, Trophäen zu sammeln oder Zahlen zu vergleichen. Es geht um Leidenschaft und Begegnungen. „Fußball ist mein Leben, da dreht sich alles drumherum“, sagt Ismael Blum.
Angefangen hat alles früh: Schon als Kind fuhr Ismeal mit seinem Vater ins Preußenstadion, um die Auswärtsspiele von Preußen Münster zu sehen – so entwickelte er die Leidenschaft für den Fußball. Als Teenager gings dann mit dem Schulticket zu Sportplätzen in der Umgebung und in den Ferien mit dem Ferienticket etwas weiter hinaus.

Was klein begann, wurde mit den Jahren immer größer. Heute ist er fast täglich auf irgendeinem Sportplatz unterwegs. Ein einzelnes „erstes Spiel“ als Auslöser gibt es nicht. Vielmehr war es der Vereinsfußball, das Mitfahren zu Auswärtsspielen, das eigene Spielen und Zuschauen. Irgendwann wurde Ismael Blum unabhängiger, fuhr nach Ahlen, Bochum oder Dortmund – einfach, weil dort Fußball gespielt wurde.
Statistiken, Apps oder Rankings sind für ihn nebensächlich. „Manche Groundhopper führen eine Liste im Kopf oder in einer Excel-Tabelle. Ich mache das für mich. Wichtig ist mir nur: Wenn ich gehe, dann sehe ich mir auch das ganze Spiel an.“ Seine Reisen führten ihn längst weit über Europa hinaus – oft in Länder, die man kaum mit klassischen Urlaubsplänen verbindet. Tadschikistan, Kirgisistan, Belarus, Gambia oder Guam stehen auf seiner persönlichen Fußballkarte.

Gerade dort ticken die Uhren anders: Spielpläne sind unzuverlässig, Termine ändern sich kurzfristig, organisatorische Hürden gehören zum Alltag. „Manchmal weißt du erst einen Tag vorher, ob das Spiel wirklich stattfindet“, erzählt er. Das erfordert Flexibilität und Zeitmanagement.
Unvergesslich bleiben Begegnungen wie in Trinidad und Tobago: „Beim Länderspiel gegen Kuba saßen zwei hellhäutige Zuschauer im Stadion, die sich vorher nicht kannten. Beide aus Deutschland, beide aus Münster, beide mit demselben ‚bekloppten Hobby‘“, erzählt der 32-Jährige.

Später traf man sich wieder – erst im Münsterland, dann irgendwo anders auf der Welt. Solche Geschichten seien es, die den Reiz ausmachen. Viele Kontakte halten über Jahre, man trifft sich wieder auf ein Bier, auf einem anderen Platz, an einem anderen Spieltag.
„Die Atmosphäre ist überall anders!”
Fußball in Afrika oder Asien unterscheidet sich für ihn deutlich von Europa. Weniger Organisation, andere Spielweisen, oft mehr Nähe zum Geschehen. „Man fragt sich zum Stadion durch, sucht den Eingang, kauft Tickets improvisiert. Die Atmosphäre ist überall anders: Musikgruppen auf den Rängen und eigene Fankulturen“, so Ismael Blum.
Mit niedriger Erwartungshaltung reiste er etwa zu einem Drittligaspiel in Marokko, das für ihn zu den besten Erlebnissen im Land gehörte. „Wenn man sich positiv überraschen lässt, kann man nicht enttäuscht werden.“
Kurioses bleibt dabei nicht aus. In Bulgarien etwa dauerte ein Spiel kaum eine Minute: Eine Mannschaft trat nur mit sieben Spielern an, die andere mit elf. Nach einem schnellen Tor stellte sich ein Spieler verletzt – Spielabbruch.
Seine Reisen plant er eher spontan. Er schaut, welche Spiele anstehen, wo er gerne hinmöchte, bucht kurzfristig und bleibt meist nur ein paar Tage. Fußball gibt den Takt vor. Seine Zahlen sind beeindruckend: 4.037 Spiele in 2.377 Stadien, Sportplätzen und Arenen, verteilt auf 114 Länder. In Deutschland hat er alle Stadien der 1. bis 4. Liga mindestens einmal besucht, in den Niederlanden und Belgien fast alle der ersten beiden Ligen.
Als Schiedsrichter kommt er hierzulande unkompliziert und kostenlos in die Stadien. Hier sind Planung und frühes Erscheinen gefragt, denn Schiedsrichterkarten sind rar. Als nächstes reist Ismael Blum nach Ungarn, um Partien vom Spielfeldrand zu verfolgen – und setzt damit seine ganz persönliche Lebensreise fort.
