Pfarrheime veräußern? Erste Ideen für Zukunft kirchlicher Räume in Wenden

Immobilienstrategie im Pastoralen Raum Wendener Land


  • Wenden, 01.10.2026
  • Glaube & Religion
  • Von Lorena Klein
    Profilfoto Lorena Klein

    Lorena Klein

    Redaktion


    E-Mail schreiben
Topnews
Die Pfarrkirche in Wenden. von Nils Dinkel
Die Pfarrkirche in Wenden. © Nils Dinkel

Wenden/Altenhof. 30 Prozent weniger Fläche – dieses Ziel hat das Erzbistum Paderborn den Pastoralen Räumen gesteckt. Im Rahmen des Immobilienstrategie-Prozesses möchte sich die katholische Kirche für die Zukunft aufstellen – und alle müssen mitziehen. Als erster Pastoraler Raum im Kreis Olpe hat die Projektgruppe für das Wendener Land am Mittwochabend, 30. September, die Öffentlichkeit in ihre ersten Ideen eingeweiht.


Worum geht es bei der Immobilienstrategie? Welche Gebäude stehen dabei im Fokus? Und welche davon könnte die Kirche perspektivisch abgeben? Bei der Infoveranstaltung in der Bürgerbegegnungsstätte Altenhof sollten alle interessierten Wendschen dazu ins Boot geholt werden. Zahlreiche nahmen dieses Angebot an: Rund 100 Besucher zeugten davon, wie sehr das Thema bewegt.

Pfarrer Christian Elbracht verdeutlichte die konstruktive Zusammenarbeit zwischen der heimischen Projektgruppe und dem Team aus Paderborn. Es habe gute und faire Diskussionen gegeben. „Dabei gibt es sicherlich schönere Aufgaben für Ehrenamtliche, als zu entscheiden, welche 30 Prozent der Immobilien wir einsparen können“, so Elbracht.

Frühzeitig mitwirken

Doch es sei wichtig, diese Aufgabe jetzt anzugehen. Denn wenn in Zukunft aus allen sechs Pastoralen Räumen ein großer Seelsorgeraum Kreis Olpe wird, könnten die Wendschen womöglich nicht mehr selbst über ihre kirchlichen Gebäude entscheiden.

Aber warum überhaupt all das? Architekt Andreas Borgmann vom Team Immobilienberatung des Erzbistums Paderborn veranschaulichte, vor welchen Herausforderungen die Kirche steht. Das sind zum einen immer weniger Kirchenmitglieder und immer weniger Mittel bei höheren Ausgaben. Gleichzeitig lastet mehr Verantwortung auf weniger ehrenamtlichen Schultern.

Bildergalerie starten
Bei der gut besuchten Infoveranstaltung in Altenhof wurden erstmals alle interessierten Wendschen ins Boot geholt. Die Mitglieder der Projektgruppe stellten sich den Besuchern vor.

Konkrete Zahlen hatte Borgmann auch: Während es im Jahr 2014 noch 13.602 Gemeindemitglieder im Wendener Land gab, waren es 2024 nur noch 11.942. Und von 2.950 Gottesdienst-Besuchern (2014) sank die Anzahl auf 959 (2024). Der Architekt appellierte, die anstehende Neustrukturierung als Chance zu sehen.

Wie auch seine Vorredner stellte Alexander Sieler von der Projektgruppe klar, dass es sich bei den bisher erarbeiteten Ideen ausdrücklich nur um erste Tendenzen handele. Auch das Votum von Kindern und Jugendlichen – so ist es die Vorgabe des Erzbistums – sei im Rahmen der Zirkuswoche in Wenden eingeholt worden. Sieler ermutigte die Besucher, ihre Ideen nun ebenfalls in den Prozess einzubringen.

Grundidee: Fast alle Pfarrheime in neue Hände übergeben

Mit Florian Freundt, Verwaltungsleiter im Pastoralen Raum Wendener Land, kamen die konkreten Überlegungen der Projektgruppe auf den Tisch. Der Hauptpunkt: Alle Pfarrheime, bis auf das Pfarrheim in Wenden, sollen perspektivisch veräußert werden – und zwar an örtliche Vereine, Institutionen und öffentliche Träger.

Kirchliche Gruppen könnten sich wiederum in die ehemaligen Pfarrheime einmieten oder würden andere Nutzungsalternativen erhalten. In manchen Fällen wären dafür Umbauarbeiten notwendig. „Das bedeutet, dass nicht die Gruppen ihren Ort verlieren, sondern Räume neu organisiert werden“, erläuterte Freundt.

Das erste Bild für die Zukunft der Pfarrheime. von Pastoralverbund Wendener Land
Das erste Bild für die Zukunft der Pfarrheime. © Pastoralverbund Wendener Land

Die Auswertung habe gezeigt, dass Pfarrheime nur zu einem geringen Teil kirchlich genutzt werden – mit Ausnahme vom Wendener Pfarrheim. Dieses solle auf jeden Fall im Besitz der Kirche bleiben, betonte Freundt. In den meisten anderen Fällen werden die Räumlichkeiten jedoch mehr von anderen Vereinen genutzt oder sind teilweise kaum belegt.

Und die Kirchen?

Auch für manche Kirchenräume gibt es Pläne. In Altenhof, der größten Kirche im Pastoralverbund, könnte sich die Projektgruppe eine Verkleinerung des Kirchenraums vorstellen. Für Hillmicke besteht die Idee, einen Teil der Kirche zu einem Gemeinschaftsraum umzubauen. Die Aale Kapäll in Ottfingen könnte zukünftig verpachtet werden.

Das Pfarrheim in Wenden soll nach dem Vorschlag der Projektgruppe fest im Besitz der Kirche bleiben. Das Foto zeigt die Lichtblick-Andacht, die – wie viele andere kirchliche Angebote – regelmäßig dort stattfindet. von privat
Das Pfarrheim in Wenden soll nach dem Vorschlag der Projektgruppe fest im Besitz der Kirche bleiben. Das Foto zeigt die Lichtblick-Andacht, die – wie viele andere kirchliche Angebote – regelmäßig dort stattfindet. © privat

Pfarrer Christian Elbracht schloss: „Die Kirche im Dorf lassen – das ist, was uns geleitet hat.“ Denn Gottesdienste, Engagement, Seelsorge und Gruppenleben sollen weiterhin einen festen Bestandteil im Dorfleben haben. Nur künftig räumlich anders organisiert.

Und dass die Wendschen dabei mitreden möchten, zeigte sich nicht zuletzt an den vielen bunten Zetteln, die rasch die Feedback-Stellwände füllten – mit ganz unterschiedlichen Gedanken, Anregungen, Fragen, Lob und Kritik. Diese Rückmeldungen sollen nun in die Weiterarbeit und ein zweites Bild einfließen.

Überblick über anrechenbare Räumlichkeiten im Wendener Land:
  • St. Severinus Wenden: Kirche, Pfarrheim (mit K.o.T. und Bücherei)
  • Wahlfahrtskapelle Dörnschlade
  • St. Marien Altenhof: Kirche
  • St. Elisabeth Schönau: Kirche, Jugendheim im unteren Bereich
  • St. Helena Elben: Kirche, Pfarrheim
  • St. Antonius Einsiedler Gerlingen: Kirche, Pfarrheim
  • St. Kunibertus Hünsborn: Kirche, Pfarrheim (mit Bücherei)
  • St. Hubertus Ottfingen: Kirche, Pfarrheim (mit Bücherei), Aale Kapäll
  • St. Antonius von Padua Hillmicke: Kirche, Pfarrheim (teilweise Kita-Räumlichkeiten)
  • St. Antonius Heid: Kirche
  • St. Matthias Brün: Kirche, Jugendheim im unteren Bereich
  • St. Marien Römershagen: Kirche, Pfarrheim (bereits teilweise veräußert)


Artikel teilen: