"Kein Karneval aus der Konserve"

KV Schönau-Altenwenden: Interview vor der Session


Der Karnevalsverein Schönau-Altenwenden geht in großen Schritten auf die Jubiläumssession 2015/2016 zu. von Archivs: KV Schönau-Altenwenden/ Katja Fünfsinn
Der Karnevalsverein Schönau-Altenwenden geht in großen Schritten auf die Jubiläumssession 2015/2016 zu. © Archivs: KV Schönau-Altenwenden/ Katja Fünfsinn

Die Karnevalisten können es vermutlich kaum noch erwarten: Der 11.11. steht wieder vor der Tür. Für den Karnevalsverein Schönau-Altenwenden bedeutet das eine Menge Arbeit. Vor allem, weil in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen gefeiert werden können. Aber wann beginnen eigentlich die Vorbereitungen für eine Session? Wie viele Leute sind daran beteiligt und worauf muss bei der Programmplanung geachtet werden? LokalPlus-Mitarbeiterin Katja Fünfsinn hat sich mit dem Vorsitzenden Thomas Dröscher und Geschäftsführer Christian Halbe zu einem Interview getroffen und genauer nachgefragt.


Wann beginnen denn die Vorbereitungen für eine Session?
Thomas Dröscher (TD): Es gibt ja diesen Satz „ Nach Karneval ist vor Karneval“. Und es ist tatsächlich so, dass die Acts für die Sitzung schon mindestens zwei Jahre im Voraus gebucht werden. Christian Halbe (CH): Ich habe jetzt schon einen Strich unter die Session 2017/2018 gemacht. Der letzte Künstler ist bereits gebucht. TD: Karneval ist bei uns ein echter Fulltime-Job.
Bei Ihnen tanzen 100 Leute in vier Garden – die Konfettis, die Tanzsterne und die Roten und Blauen Funken. Zusammen mit dem Vorstand und den Leuten aus dem Dorf kommen Sie auf rund 300 Beteiligte. Wie viel Zeit benötigen Sie denn, um die Session zu planen?
TD: Ab September läuft die heiße Phase an. Dann sitzen wir täglich an irgendetwas. CH: Für die Programmplanung brauche ich über ein viertel Jahr. Dann muss ich vor allem viel mit Künstlern und Agenturen telefonieren.
TD: Wenn das Programm steht, macht der Christian drei Kreuze und ich bin auch froh, weil ich weiß, wen ich auf der Bühne präsentiere.
Worauf muss man denn bei der Programmplanung achten?
TD: Man könnte natürlich alles Mögliche auf die Bühne stellen, aber wir wollen das Brauchtum „Karneval“ pflegen. CH: Das ist keine Schublade, die man in jedem Jahr wieder aufmacht. Man fängt immer wieder von vorne an TD: Wir machen keinen Karneval aus der Konserve.
Wie werden Sie denn auf die Künstler aufmerksam?
TD: Manchmal sieht man bei anderen Vereinen jemanden, den man gerne hätte. Aber ein Künstler, der in der Halle gut ankommt, muss nicht zwangsläufig im Zelt funktionieren. Und wir sind ja einer der wenigen Vereinen, die im Zelt feiern.
Zu dem Zelt in diesem Jahr kommen wir ja später nochmal zurück. Mich interessiert auch der Programmablauf.
TD: Ja, der ist ganz wichtig. Man muss schon ganz genau gucken, wie man den Abend gestaltet.
Bei fünfmal Tanz hintereinander gehen die Zuschauer raus und das ist ja nicht schön für die Künstler. Wenn man das Publikum halten will, muss man immer wieder was Neues anbieten. Unser Ziel ist es, dass die Leute immer wieder zu uns kommen wollen.
Dafür muss man sein Publikum doch bestimmt gut kennen oder?
TD: Ja, wir stellen uns immer wieder Fragen wie „Was kommt gut bei den Zuschauern gut an? Was hatten wir in der Vergangenheit für Highlights?“. CH: Es gibt auch einen großen Unterschied zwischen der Altweiber- und der Prunksitzung. Altweiber ist viel mehr partygeprägt. Bei der Prunksitzung am Samstag nach Altweiber lädt man andere Künstler ein. Da ist das Publikum viel älter und hat ganz andere Ansprüche.
Wie ist denn die Aufgabenteilung während der Veranstaltung?
TD: Der Christian ist verantwortlich für den Gesamtablauf und ich führe durch das Programm. Und man soll nicht meinen, was alles passieren kann. Da kriegt man 1000 Fragen gestellt, nebenbei müssen die Garden pünktlich auf die Bühne.
Das ist alles live. Da muss man ständig Augenkontakt haben. Teilweise muss man ein paar Minuten überbrücken, wenn eine Gruppe verspätet ist, damit die Stimmung oben bleibt.
Und davon sollte das Publikum am besten nichts mitbekommen?
TD: Genau, der Spaß soll im Vordergrund stehen und dafür sind wir ja da. Halbe: Es dürfen keine Hektik und kein Stress entstehen. Das muss alles routiniert im Hintergrund ablaufen.
Apropos Stress: Wie viele Termine stehen denn in einer Session an?
TD: Das fängt im Oktober mit dem Pizzaessen mit den Konfettis an und geht bis Februar weiter. Wir haben Prinzenfrühshoppen, Prinzessinnenkaffee, Besuche bei der Caritas in Wenden und beim Kindergarten in Schönau, Auswärtstermine in Erndtebrück oder Listernohl, Generalproben für Sitzungen und so weiter. Und die Garden haben ja auch noch ihre ganzen Auswärtstermine. CH: Gerade die caritativen Termine bei der AWo oder so sind uns sehr wichtig. Damit auch die Leute, die es nicht mehr ins Zelt schaffen, Karneval feiern können. Denen wollen wir auch ein paar schöne Stunden bereiten.
Wann ist denn die heftigste Zeit?
TD: Die fängt bei der Generalprobe mittwochs vor Altweiber an. Dann geht’s bis Montag rund. Da kommen wir vor zwei oder drei Uhr nachts nicht ins Bett und müssen am anderen Tag wieder fit sein.
Das heißt, es wird sich Urlaub genommen?
TD: Ja, neben der Freizeit gehen auch Urlaubstage drauf. In diesem Jahr sind es drei Wochen. Da muss man wirklich ein Herz für haben. CH: Und die Familie muss dahinter stehen, sonst würde das nicht funktionieren. Die müssen schon verzichten. Schon während der Vorbereitung ist man oft später zuhause oder einen Abend gar nicht da.
Der Rosenmontagszug ist ja auch bei Ihnen ein Höhepunkt der Session. Worauf müssen Sie als Veranstalter dabei achten?
TD: Wir brauchen ein Sicherheitskonzept beim Zug mit Schildern, wo die Fluchtwege sind. Es gibt Auflagen für die Wagenbauer, welche Höhe die Brüstungen haben müssen.
Da kommen vermutlich auch einige Anrufe bei Behörden dazu?
Halbe: Ja, die wollen auch alle Post haben. Man muss Genehmigungen einholen, und natürlich muss das Sicherheitskonzept auch abgenommen werden. Es müssen ausreichend Sicherheitsdienste gebucht werden. Und auch das Rote Kreuz ist natürlich jedes Jahr mit dabei.
Die Wagen werden in Ihrer Halle gebaut. Um die müssen Sie sich ja auch kümmern?
TD: Ja, die Halle muss ja instand gehalten werden, wie ein normales Haus auch. Die steht schon über 20 Jahre hier. Vor ein paar Jahren haben wir ein neues Dach gekriegt. Jetzt planen wir den Anstrich der Außenwände. Das sind alles Dinge, die anstehen. Irgendwo wird immer gearbeitet. CH: Die elektrische Anlage musste auch verbessert werden. Dann haben wir einen neuen Anbau bekommen, wo wir Material lagern können und das Narrenschiff und der Prinzenwagen stehen. Den Wagen haben wir 2006 neu gebaut.
Da haben wir ein Jahr lang jeden Tag dran gearbeitet. Das ist schon viel Arbeit. TD: In der Halle ist permanentes Aufräumen angesagt.
Weil da ja auch die anderen Zugteilnehmer ihre Wagen bauen?
TD: Genau. Zwei Personen aus dem Vorstand sind dafür verantwortlich und kümmern sich darum, wann wer in die Halle kommt usw. Teilweise sind drei bis vier Wagen in der Halle. CH: Nach der Prinzenproklamation ist die Halle frei bis Altweiber, dann brauchen wir die wieder. TD: Denn dann steht die große Prunksitzung im Zelt neben der Halle an. Und da brauchen wir die Halle als Umkleide für die Garden. Da kommt ein Teppich rein, Planen werden drum herum gezogen und rot-weiße Tücher auf gehangen, damit eine richtige Umkleidekabine entsteht.
Wie sieht es mit dem Kostümfundus für die Garden aus, gibt es so etwas?
TD: Die Kostüme für die Garden sind vom Verein. Die Blauen Funken haben in diesem Jahr anlässlich ihres Jubiläums neue Kostüme bekommen. Die alten haben durch das Trainieren gelitten. Die Funken haben mit Aktionen Gelder reingeholt. Denn solche Kostüme kosten richtig was. Da bewegen Sie sich im höheren fünfstelligen Bereich für eine Garde. Und die Roten Funken tanzen nicht nur Garde, sondern auch Show.
Da muss in jedem Jahr zu einem neuen Motto das passende Kostüm angeschafft werden. Bei den Tanzsternen und den Konfettis stecken die Eltern sehr viel Arbeit rein. Das läuft alles ehrenamtlich. Da sind so viele Leute im Hintergrund, die mitarbeiten, sonst würde das gar nicht klappen. Die Eltern, die Trainer, die Leute im Ort. Das ist schon Wahnsinn.
Sie haben es gerade schon angesprochen: Die Blauen Funken feiern in diesem Jahr ihr 33-jähriges Bestehen. Sind Sie zusätzlich auch noch mit den Planungen dafür beschäftigt?
TD: Das organisiert die Garde zum größten Teil selbst. Obwohl wir auch dabei in die Planungen eingebunden sein müssen. Wir haben aber viel mehr mit unserer eigenen großen Feier zu tun.
Damit sprechen Sie die Kreiskarnevalssitzung an, die in diesem Jahr in Wenden stattfindet. In dem Verbund sind die 17 Vereine des Kreises zusammengeschlossen. Was ist denn der Unterschied zwischen einer Session ohne und einer mit Kreiskarnevalssitzung?
TD: Das fängt schon beim Zelt an. Wir brauchen ein Zelt für 1000 Leute. An der Wagenbauhalle, wo das Zelt normalerweise steht, haben wir nur begrenzte Möglichkeiten. Deswegen ist der Christian auf die Idee gekommen, eine Kooperation mit dem VSV Wenden zu machen. CH: Die sind uns sehr entgegengekommen und haben sich sofort bereiterklärt, uns Platz zur Verfügung zu stellen. Und so bauen wir oben am Sportplatz ein größeres Zelt auf.
Das hört sich nach einem deutlich größeren Aufwand an?
TD: Ja, auf jeden Fall. Der Zeltbauer musste sich erstmal den Platz angucken. Da muss ja ein Zelt mit 20 mal 50 Metern hinpassen. Denn die Bühne wird größer, weil 17 Prinzenpaare und Dreigestirne Platz haben müssen. Und dann kommt noch die ganze Infrastruktur wie Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen, der Toilettenwagen und das Raucherzelt dazu. CH: Für diese Session haben wir drei Jahre lang geplant. In dem großen Zelt wird beispielsweise auch eine ganz andere Technik benötigt. Da mussten extra Verträge gemacht werden. Auch ein gutes Beleuchtungskonzept ist wichtig. Das gesamte Zelt wird bei uns mit LED-Strahlern illuminiert. TD: Wir wollen den Leuten ja auch einiges bieten – gerade auch in unserem Jubiläumsjahr. Die Gäste sollen reinkommen und direkt begeistert sein. Bühne klasse, Beleuchtung klasse, Beschallung klasse.
Und wer kümmert sich um die Bestuhlung und die Dekoration?
TD: Um die Bestuhlung kümmern sich Vereinsmitglieder, die Dekoration wird teilweise selber gemacht. Unsere Elferratsfrauen sind da sehr aktiv und kreativ. Die sind meistens donnerstags nach dem Rathaussturm schon im Zelt und dekorieren fleißig.
Wie finanziert sich denn der Verein?
TD: Das läuft über die Auftrittsgelder der Garden, Beiträge der Mitglieder, Eintrittsgelder. So ein Verein ist wirkliche eine große Hausnummer. Bei einer Karnevalsveranstaltung ist man schnell im oberen fünfstelligen Bereich. Und natürlich die Sponsoren, ohne die würde es nicht gehen. Da sind wir wirklich froh, dass wir lokale Unterstützer haben. Wir freuen uns außerdem, dass wir in diesem Jahr mit der Firma Dornseifer einen neuen regionalen Caterer haben. Wir wollen vor allem mit regionalen Anbietern zusammen arbeiten, weil wir ja auch ein Verein für die Region sind.
Sind Sie deswegen auch mit einem Stand bei der Wendener Kirmes dabei?
TD: Ja, da wollen wir die Gelegenheit nutzen, um uns zu präsentieren. Das ist natürlich auch immer eine riesen Geschichte.
Nach dem Karneval ist vor dem Karneval, wie Sie gesagt haben.
CH: Genau, nach dem Rosenmontagszug geht es für uns weiter mit dem Rückbau. TD: Dann wird auch besprochen, wo man etwas besser machen, was in der Session nicht gut gelaufen ist. Und dann steht vier bis sechs Wochen später auch schon die Mitgliederversammlung mit dem Kassenabschluss an. Und der Tag des Tanzes, an dem die vier Garden und das Männerballett bei einem offenen Training ihr Können zeigen. Das ist auch keine kleine Sache. Da können auch Außenstehende reinschnuppern. Denn neue Tänzer und Nachwuchs brauchen wir natürlich immer.
Termine:
11. November, 11.10 Uhr: Eröffnung der Jubiläumssession im Vereinslokal Wurm „Bützers“ in Wenden. 14. November, 19.10 Uhr: Große Prinzenproklamation im Festzelt am Sportplatz in Schönau. 21. November, 19 Uhr: Jubiläumsveranstaltung 33 Jahre Blaue Funken, Festzelt am Sportplatz in Schönau. 28. November, 19.10 Uhr: Große Kreiskarnevalssitzung im Festzelt am Sportplatz in Schönau. 4. Februar, 11.10 Uhr: Rathaussturm in Wenden 4. Februar, 19.19 Uhr: Altweiberparty im Festzelt auf dem Festplatz Schönau. 6. Februar, 19.10 Uhr: Prunksitzung als große Jubiläums-Gala zum 50-jährigen Bestehen, Festzelt am Festplatz in Schönau. 8. Februar, 11.10 Uhr: Rosenmontagszug mit anschließender Party im Festzelt auf dem Festplatz in Schönau. 27. Februar, 10 Uhr: 4. Tag des Tanzes im Schulzentrum Wenden.
Artikel teilen: