Hochwasserschutz in Wenden: Wie Wassermassen gebändigt werden könnten
Klimafolgenanpassung
- Wenden, 21.12.2025
- Politik , Verschiedenes
- Von Lorena Klein
Wenden. 2007: Hochwasser in Schönau. 2021 und 2024: Überschwemmungen in Ottfingen, viele Bewohner trifft es gleich doppelt. Dazu: zahlreiche Einsätze in weiteren Ortschaften. Wie schnell starke Regenfälle gefährlich und die Wassermassen unkontrollierbar werden können, haben auch Dörfer im Wendener Land schon mehrmals erfahren müssen. Wie die Gemeinde Wenden sich vorbereiten und schützen möchte.

„Bis auf die Bigge haben wir im Gemeindegebiet keine Risikogewässer“, erklärt Alexandra Preuß-Ochel von der Gemeinde Wenden. „Allerdings hatten wir bei bestimmten Gewässern Starkregen-Ereignisse, die sehr lokal aufgetreten sind.“ Zwar werden Starkregen-Ereignisse wegen des Klimawandels in Zukunft öfter vorkommen, so Preuß-Ochel, aber wann genau und wo – das sei ein Blick in die Glaskugel. Alle Gewässer müssen ganzheitlich betrachtet werden.
Alexandra Preuß-Ochel ist für den Fachdienst Bauverwaltung tätig und wirkt als Klimafolgenanpassungs-Managerin an einigen Schritten in Richtung Überflutungsschutz mit. So hat auch das Klimafolgenanpassungs-Konzept für die Gemeinde, das sich noch in der Entwicklung befindet, unter anderem den Schwerpunkt Starkregen- und Hochwasser-Management.

Ein wichtiger Punkt: kritische Objekte und Bereiche, die es vor solchen Ereignissen zu schützen gilt. Dazu zählen öffentliche Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Arztpraxen, zählt Alexandra Preuß-Ochel auf. Aber auch Bereiche wie Straßen, Zufahrten oder Unterführungen werden im Hinblick auf ihre Gefährdung betrachtet.
„Zur Anschauung wurden den Mitgliedern des Umweltausschusses in der vergangenen Sitzung erste mögliche Maßnahmen am Feuerwehrgerätehaus in Wenden genannt, das schonmal bei einem Starkregen-Ereignis betroffen war“, so die Gemeinde-Mitarbeiterin. Hier seien beispielsweise Retentionsflächen – also Flächen, die das Wasser zurückhalten, indem es sich dort ausbreiten kann – oder optimierte Durchlässe, durch die das Wasser abfließen kann, denkbar.
An anderen Stellen wiederum könnte die Fließlänge eines Gewässers durch zusätzliche Kurven ausgedehnt werden – auf diese Weise fließt das Wasser langsamer. Oder das Wasser wird zurückgehalten bzw. gedrosselt, etwa durch Dämme oder Schieber, nennt Alexandra Preuß-Ochel weitere Möglichkeiten.

Alles muss genau durchdacht werden. Wie hoch ist die Gefährdungslage an welchem Ort? Was kann hier helfen, was wäre umsetzbar? Und wie sieht das Kosten-Nutzen-Verhältnis aus? „Wir befinden uns da aktuell in der Evaluierung der unterschiedlichen Maßnahmen“, erklärt Alexandra Preuß-Ochel. „Wir sind sensibilisiert und auch verwaltungsintern werden Abläufe optimiert und hinterfragt.“ Interkommunal wird ebenfalls zusammengearbeitet – wie mit der Stadt Olpe, wenn es um die Bigge geht.
Für das Konzept sei es außerdem wichtig, im Rahmen der Gewässerunterhaltung vor Ort an den Gewässern zu sein. „Diese Aufgabe wird ab 2026 der Ruhrverband übernehmen“, so Preuß-Ochel.

Den Draht zu den Bürgern und Anliegen der einzelnen Ortschaften hat der Arbeitskreis Starkregen, dem Mitglieder des Umweltausschusses, Bürger und Verwaltungsangestellte angehören. „Im Arbeitskreis geht es darum, Projekte zu priorisieren und voranzubringen, für die Öffentlichkeit ansprechbar zu sein und nachzuhören. Und auch darum, die Verwaltung zu unterstützen, denn es handelt sich um ein sehr umfassendes Aufgabengebiet“, weiß Alexandra Preuß-Ochel.
Auch die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Wenden hat sich den Herausforderungen durch Starkregen angepasst und mit Unterstützung der Gemeinde kürzlich ein modernes Hochwasserschutz-System angeschafft.

Die kommunale Starkregen-Prävention zielt in erster Linie auf den Schutz von öffentlichen Einrichtungen. Nach Wasserhaushaltsgesetz seien aber auch Bürger dazu angehalten, selbst Vorsorge zu unternehmen, erklärt Preuß-Ochel.
Mit dem Hochwasser-Frühwarnsystem für Ottfingen, dessen Abschlussbericht jetzt im Umweltausschuss vorgestellt worden ist, liefert die Universität Siegen ein anschauliches Beispiel, wie Bürger mithilfe von Pegel-Sensoren im Ernstfall frühzeitig gewarnt werden können. „Dabei steht vor allem der Schutz des privaten Eigentums im Vordergrund“, so Alexandra Preuß-Ochel. „Durch den frühzeitigen Alarm kann man zum Beispiel sein Auto auf Seite fahren oder einen Flutschutz aufstellen.“
Das Projekt wird mit in das Klimafolgenanpassungs-Konzept aufgenommen. Dabei wird derzeit auch überlegt, ob das Sensoren-System über die Ortschaft Ottfingen hinaus ausgebaut werden könnte.
