Finanzielle Herausfordungen: Gemeinde Wenden muss „sorgfältig abwägen“

Haushaltsplanentwurf eingebracht


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Bürgermeister Bernd Clemens bei seiner Haushaltsrede im Gemeinderat. von Lorena Klein
Bürgermeister Bernd Clemens bei seiner Haushaltsrede im Gemeinderat. © Lorena Klein

Wenden. Das Problem ist kommunenübergreifend: In der Zukunft wird es auch für die Gemeinde Wenden ins Minus und damit ans Ersparte gehen. Im Wendener Gemeinderat ist am Mittwochabend, 10. Dezember, der Entwurf des Haushaltsplanes für 2026 vorgestellt und eingebracht worden.


Seine Haushaltsrede begann Bürgermeister Bernd Clemens mit einer positiven Nachricht: „Das Haushaltsjahr 2024 schließt mit einem Überschuss von über zwei Millionen Euro ab.“ In den nachfolgenden Jahren wird das jedoch anders aussehen – angefangen mit dem laufenden Haushaltsjahr 2025, für das ein „deutlicher Fehlbetrag“ erwartet werde, so Clemens.

„Die Ursachen kennen wir“, betonte der Bürgermeister, „und sie sind weder hausgemacht noch Wendsche Besonderheiten.“ Personal- und Sachkosten, Abschreibungen für Investitionen und vor allem Sozialausgaben und Umlagezahlungen an den Kreis Olpe klettern immer mehr in die Höhe. „Allein die Kreis- und Jugendamtsumlage wird uns 2026 voraussichtlich über 1,5 Millionen Euro zusätzlich kosten.“

Vorerst keine Steuererhöhungen

Zwar sei die Gemeinde Wenden nicht „im Krisenmodus“ und stehe auch nicht vor der Haushaltssicherung, erklärte Bernd Clemens, aber: „Wir werden sorgfältig abwägen müssen, welche Projekte wir vorziehen und welche wir strecken.“

Steuererhöhungen soll es im kommenden Jahr nicht geben – gerade vor dem Hintergrund steigender Kosten für die Bürger und wirtschaftlicher Unsicherheit. Trotzdem muss die Gemeinde überlegen, wie es langfristig weitergehen kann: „Wenn sich die strukturellen Belastungen fortsetzen, werden wir ab 2027 auch über Steuererhöhungen sprechen müssen“, kündigte Clemens an.

Symbolfoto. von pixabay.com
Symbolfoto. © pixabay.com

Wichtige Investitionen für das Wendener Land sollen nicht aus dem Blick geraten. „Investitionen sind kein Luxus – sie sind die Grundlage unserer Zukunft“, hob der Bürgermeister hervor. Und dank ihrer Rücklagen könne die Gemeinde Wenden diese Investitionen auch eigenständig umsetzen.

Immer mehr Minus, immer weniger Ausgleichsrücklage

Kämmerer Thomas Munschek skizzierte die finanzielle Entwicklung in den kommenden Jahren. Das Haushaltsjahr 2025 schließt voraussichtlich mit einem Defizit von 3,6 Mio. Euro ab, für das Haushaltsjahr 2026 wird ein Minus von 6,3 Mio. Euro erwartet.

Bis zum Haushaltsjahr 2028 – dort rechnet man derzeit mit einem Defizit von 11,6 Mio. Euro – kann der Haushalt dank der Ausgleichsrücklage jeweils fiktiv ausgeglichen werden. Doch dann sei diese abgeschmolzen, sodass in 2029 (-12,4 Mio. Euro) erstmals auf die allgemeine Rücklage zurückgegriffen werden müsse, so Munschek. Die Ersparnisse der Gemeinde Wenden schwinden also Jahr für Jahr.

Das Rathaus der Gemeinde Wenden. von Nils Dinkel
Das Rathaus der Gemeinde Wenden. © Nils Dinkel

Auch der Kämmerer verdeutlichte die enorme Belastung durch die Kreisumlage, die voraussichtlich weiterhin massiv ansteigen werde – ein „unlösbares Problem“, so Thomas Munschek. Auf die Investitionen ging er in seiner Rede noch einmal näher ein. Insgesamt ist ein Investitionsvolumen von 19,4 Mio. Euro für unterschiedliche Vorhaben eingeplant. Die fünf kostenintensivsten Projekte sind 2026:

  • der Neubau des Hallenbades: 5,8 Mio. Euro
  • der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Hünsborn: 2 Mio. Euro
  • der Umbau der Grundschule Rothemühle: 1 Mio. Euro
  • der Breitbandausbau: 780.000 Euro
  • der Bau von Asylbewerberunterkünften: 600.000 Euro

Der Haushaltsplanentwurf wird im Februar vom Haupt- und Finanzausschuss vorberaten und soll in der darauf folgenden Ratssitzung verabschiedet werden.

Kurz und knapp aus dem Gemeinderat:

Alle Infos zum Haushalt: Der komplette Haushaltsplanentwurf 2026 ist ab sofort auf der Website der Gemeinde Wenden bzw. im Ratsinformationssystem einsehbar.

Steigende Abfallgebühren: Die Gebühren für den Restabfall werden im kommenden Jahr um 3 Cent auf 1,21 Euro je Liter steigen. Beim Biomüll sind es künftig 6 Cent mehr und somit 1,14 Euro je Liter.

Weiterhin monatliche Aufwandsentschädigung: Ausschussvorsitzende in der Gemeinde Wenden erhalten weiterhin eine zusätzliche monatliche Aufwandsentschädigung. CDU-Fraktion, Bürgermeister und Grüne (23 Ratsmitglieder) stimmten für ein neues Konzept, das eine Aufwandsentschädigung pro Sitzung vorgesehen hätte. UWG und SPD enthielten sich. Somit scheiterte der Beschlussvorschlag um eine Stimme an der notwendigen Zweidrittelmehrheit.

Wie teuer wird das Gesamtschul-Projekt? Diese Frage beschäftigte den Gemeinderat im Rahmen der aktuellen Investitionsstrategie. Zwar sind Sanierung und Umbau erst ab 2030 geplant (Planung ab 2028), jedoch geht der Rat davon aus, dass die ursprünglich erwarteten Kosten von 32 Mio. Euro mittlerweile deutlich höher liegen. Deswegen soll zeitnah eine Kostenaktualisierung für das Riesenprojekt vorgestellt werden.

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