Erster Teil der Talbrücke Ottfingen soll diesen Sommer gesprengt werden
Vorbereitungen in vollem Gange
- Wenden, 25.03.2026
- Straße & Verkehr
- Von Lorena Klein
Ottfingen. Wie ein Schleier zieht der Dampf an diesem ungemütlich-kühlen Mittwoch, 23. März, über die erste frisch asphaltierte Baustraße unterhalb der A 45-Talbrücke Ottfingen. Auf der großflächigen Baustelle hat sich ein ganzes Wegenetz gebildet, dazwischen eine Landschaft aus Erde und Schotter. Schon bald wird die erste Hälfte der Brücke dem geplanten Ersatzbau weichen müssen. Die Sprengung des Teilbauwerks, Fahrtrichtung Frankfurt, ist für diesen Sommer geplant.

Was auf der imposanten Baustelle zukünftig alles passieren wird, können die Vertreter der Autobahn Westfalen, Außenstelle Netphen, bei der Pressekonferenz genau erläutern. Mit dabei: Außenstellen-Leiter Samuel Freund, Projektleiterin Jennifer Johannsen und Önder Sahin, Teamleiter Geschäftsbereich Bau und Erhaltung. Zum interessierten Publikum gehören auch drei duale Studenten der Autobahn GmbH, die an der Uni Siegen Bauingenieurwesen studieren.
Deutschland hat ein Brücken-Problem, das ist bekannt. Viele der Autobahnbrücken, die in den 1960er und -70er Jahren gebaut wurden, seien langfristig nicht mehr für die Zukunft ausgelegt, erklärt Samuel Freund. Darunter auch die A 45-Talbrücke Ottfingen – die jedoch, so betont Freund, nicht akut einsturzgefährdet sei.





Der geplante Ersatzneubau in Ottfingen sei für die Außenstelle Netphen der erste im Kreis Olpe, hebt Anke Bruch, Referentin Kommunikation, hervor. Denn seit 2021 übernimmt nicht mehr Straßen.NRW Projekte dieser Art, sondern die im Jahr 2018 gegründete Autobahn GmbH des Bundes.
Die Außenstelle Netphen der Niederlassung Westfalen, zuständig für insgesamt 75 Kilometer Autobahn, ist mit dem sechsspurigen Ausbau der A 45 zwischen Haiger-Burbach und Lüdenscheid-Süd beauftragt. Diese Region ist geprägt durch viele Berge und Täler – somit zählt der Ersatzneubau von 23 Talbrücken zu den Aufgaben. Drei neue Brücken sind bereits fertig (Eisern, Rinsdorf, Rälsbach), zwei befinden sich im Bau (Ottfingen, Landeskroner Weiher). Die Finanzierung läuft über das Sondervermögen des Bundes.
Samuel Freund: „Die A 45 hat uns bereits sehr viel Arbeit gemacht und wird uns noch in den kommenden Jahren sehr viel Arbeit bescheren.“ Die Autobahn-Strecke, die das Ruhrgebiet mit Hessen verbindet, habe eine große Bedeutung: „Sie ist eine wichtige Verbindungsroute für den Güterverkehr“, so Freund. Der Anteil an Schwerverkehr sei hoch, was auch ein Grund für die notwendigen Ersatzneubauten sei.

In Ottfingen soll die Talbrücke aus dem Jahr 1971 durch ein Modell der Bauart „einzelliger Hohlkasten“ ersetzt werden. Heißt: Die neue Brücke wird von innen begehbar sein. Die Länge von 235 Metern sowie die Höhe von etwa 30 Metern bleiben gleich. Allerdings wird die neue Brücke im Rahmen des sechsspurigen Ausbaus 7,5 Meter breiter. Die Gesamtbreite beträgt dann 37,5 Meter.
Das geplante Bauwerk aus Spannbeton soll von 8 Pfeilern getragen werden, während die aktuelle Brücke 24 Stützen hat. „Die neue Brücke bettet sich somit eleganter in die Landschaft ein und es gibt mehr Platz unter dem Bauwerk“, erklärt Jennifer Johannsen. Die genehmigten Kosten für das Gesamtprojekt liegen derzeit bei 65 Millionen Euro.

Das Projekt in Ottfingen profitiert erstmals von der Zeiteinsparung durch das Genehmigungsbeschleunigungsgesetz von 2023. Nachdem das Baufeld 2025 freigeräumt wurde, steht schon bald der erste große Meilenstein im Projekt an. Hier sei wieder die „Lieblings-Abbruchdisziplin“ geplant, so Johannsen: die Sprengung.
Die Brücke besteht aus zwei separaten Bauwerken, die nur eine Lücke von circa zehn Zentimetern trennt. Im Sommer, voraussichtlich an einem Sonntagmorgen in den Ferien, soll der erste Teil (Fahrtrichtung Frankfurt) zu Boden gehen. Dann kann dort der Neubau der ersten neuen Hälfte beginnen. Ist dieser fertig, wird der zweite Teil der alten Brücke (Fahrtrichtung Dortmund) gesprengt und darauf durch einen Neubau ersetzt. Doch das liegt noch in weiterer Zukunft.
„Der Verkehr läuft die ganze Zeit weiter“, betont Jennifer Johannsen. So wird der Verkehr in Kürze komplett auf das Teilbauwerk in Fahrtrichtung Dortmund umgelegt, das derzeit dafür umgebaut wird. Pro Fahrtrichtung wird es dann zwei Spuren geben. „Wenn vier Spuren auf einer Hälfte laufen, sind die Lasten natürlich doppelt so groß“, erklärt Samuel Freund. Doch die Statik der bereits zwischenzeitlich verstärkten Brücke sei darauf ausgelegt.
Wenn zu einem späteren Zeitpunkt die Sprengung des zweiten Brückenteils ansteht, kann der Verkehr schon über das erste neue Teilbauwerk fließen. „Die Herausforderung ist jedes Mal, dass am bestehenden Bauwerk nichts passieren darf“, hebt Önder Sahin hervor. Für die beiden Teilbauwerke werde eine eher geringe Menge an Sprengstoff benötigt.
