Engagement stark von Corona geprägt – Bildungsarbeit ist gefährdet

Schönauer Indien-Initiative Leonidis besorgt


In Indien unterstützt die Schönauer Initiative Leonidis die Ärmsten der Armen. von privat
In Indien unterstützt die Schönauer Initiative Leonidis die Ärmsten der Armen. © privat

Schönau. Während die Medien in Deutschland voll sind von Berichten darüber, ob 2G oder 3G das bessere Instrument im Kampf gegen Corona ist und ob die Booster-Kampagne Erfolg haben kann, stehen die Menschen in Indien vielfach vor ganz anderen Problemen. „Dort haben Menschen schlicht keine Arbeit mehr – und dementsprechend auch kein Geld, um sich und ihre Familien zu ernähren“, berichtet Irmgard Grebe-Quast, Sprecherin der Schönauer Indien-Initiative Leonidis.


Die 18-monatigen Schulschließungen in Indien haben für viele junge Menschen die Chance auf Bildung stark gefährdet. „Wir reden darüber, dass dort in den Familien das Geld für eine Schüssel Reis fehlt. An ein Handy oder einen Online-Zugang für ein „Lernen auf Distanz“ ist da überhaupt nicht zu denken“, so Grebe-Quast.

Leonidis-Sprecherin Irmgard Grebe-Quast mit der Generaloberin der Dernbacher Schwestern und indischen Ordensschwestern. von privat
Leonidis-Sprecherin Irmgard Grebe-Quast mit der Generaloberin der Dernbacher Schwestern und indischen Ordensschwestern. © privat

Unter größten Anstrengungen machten die Ordensschwestern sowie die Lehrerinnen und Lehrer Unterricht dennoch möglich. Wenn auch nur teilweise. „Als die Schwestern dann in die Orte gingen, um im Freien zu unterrichten, konnten viele Jungen und Mädchen nicht kommen, weil sie gezwungen waren, jede noch so schwere, schlecht bezahlte Aushilfstätigkeiten anzunehmen, um wenigstens ein klein wenig Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen.“

Im Ergebnis führte Corona dazu, dass die über viele Jahre aufgebaute und von der Initiative Leonidis geförderte Bildungsarbeit zum Erliegen zu kommen drohte. „Wir sind deshalb irgendwann dazu übergegangen, den Schülern täglich eine warme Mahlzeit anzubieten, wenn sie zum Unterricht kommen. Das hat geholfen und gab zudem die Möglichkeit, Grundregeln in Hygiene zu vermitteln und so ein wenig dazu beizutragen, dass sich das Virus nicht ganz so schnell ausbreitet.“

In Indien sorgt die Schönauer Initiative Leonidis auch für medizinische Hilfe. von privat
In Indien sorgt die Schönauer Initiative Leonidis auch für medizinische Hilfe. © privat

Besonders stark betroffen waren in den zurückliegenden Monaten neben den Ernährungsprojekten auch die Gesundheitsprojekte, die Leonidis bislang gefördert hatte. Wo Corona zu Arbeitslosigkeit führte, waren selbst einfache Behandlungen für die meisten Menschen nicht mehr bezahlbar. Leonidis hat deshalb verschiedene Krankenhäuser bei der medizinischen Versorgung von Patienten finanziell unterstützt.

Grebe-Quast erzählt in diesem Zusammenhang von einem besonders tragischen Unglücksfall: Ein 15-jähriges Mädchen war beim Lernen im Schein einer Öllampe eingeschlafen, hatte dabei die Lampe umgeworfen und schwere Verbrennungen erlitten. Die Krankenhäuser vor Ort wiesen sie ab, weil die Eltern die Behandlungskosten nicht aufbringen konnten.

„Ein Anruf genügte und nach kurzer Beratung konnten wir in diesem Fall schnell und unbürokratisch helfen – mit 500 Euro“, berichtet die Leonidis-Sprecherin. Nach vierwöchigem Aufenthalt hat die Schülerin inzwischen das Krankenhaus geheilt entlassen.

In Indien unterstützt die Schönauer Initiative Leonidis die Ärmsten der Armen. von privat
In Indien unterstützt die Schönauer Initiative Leonidis die Ärmsten der Armen. © privat

Irmgard Grebe-Quast ist aber auch klar: So richtig und wichtig solche lebensrettenden Einmal-Aktionen sind – die große Herausforderung wird darin bestehen, perspektivisch wieder in „reguläres Fahrwasser“ zu kommen. „Wir werden mit jedem weiteren Schritt Richtung Normalität wieder deutlich machen müssen, wie wichtig Bildung ist – und dass Bildung der Schlüssel ist, um ohne Existenznot bestehen zu können“, schaut Grebe-Quast nach vorne.

Hintergrund

Leonidis ist eine Hilfsinitiative, die den Namen der 2009 verstorbenen Ordensschwester Leonidis aus Schönau trägt. Sie hat während ihrer Missionstätigkeit in Indien zahlreiche Bildungs- und Gesundheitsprojekte insbesondere für Mädchen angestoßen.

Als das von ihr aufgebaute Netzwerk von Unterstützen mit ihrem Tod zu verwaisen drohte, haben sich einige Familienangehörige und Freunde entschlossen, die Arbeit der Ordensfrau fortzuführen. Mittlerweile ist Leonidis die größte kirchliche Hilfsinitiative in Wenden. Weitere Infos unter www.leonidis.org

Spendenkonto: Generalat der Armen Dienstmägde Jesu Christi – LEONIDIS – Pax Bank Trier, IBAN DE66 3706 0193 3012 0980 30.



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