„Drohbriefe gegen mich und meine Familie"

CDU-Ratsherr Christoph Schürholz legt Mandat nieder und tritt von allen politischen Funktionen zurück


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Christoph Schürholz.
Christoph Schürholz.

Nächster Paukenschlag in der Wendener Kommunalpolitik: Nachdem der Antrag auf die Ehrenbürgerschaft für den scheidenden Bürgermeister Peter Brüser im Gemeinderat am Donnerstag gescheitert war (siehe Infokasten), hat CDU-Ratsherr Christoph Schürholz am Freitag sein Mandat niedergelegt und seinen Rücktritt von allen politischen Ämtern erklärt. Diesen Schritt begründet er in einem Schreiben, das LokalPlus vorliegt, mit Unterstellungen gegen seine Person und Drohbriefen, die gegen ihn und seine Familie gerichtet worden seien. Schürholz´ Schreiben im Wortlaut:


„Heute bin ich von allen politischen Ämtern der CDU zurückgetreten und habe das Ratsmandat abgegeben. Die Ereignisse nach der letzten Ratssitzung im Nicht-Öffentlichen Teil der Sitzung haben sich derart entwickelt, wie es nach einer einfachen geheimen Abstimmung nie hätte vorhersehbar sein können. Nach der Berichterstattung in der Siegener Zeitung am Donnerstag mit den zahlreichen Unterstellungen und unbelegten Vermutungen hagelte es im Internet und in der Öffentlichkeit Proteste. Alleine die völlig unbegründeten Unterstellungen offener Rechnungen mit Peter Brüser, in allen Zeitungen haben sicherlich zu der öffentlichen Reaktion zum großen Teil mit beigetragen.
Antrag wurde interfraktionell unterschrieben
Auch das ich interfraktionell versucht habe Mehrheiten zu finden ist nicht akzeptiert worden, obwohl der Antrag zur Ehrenbürgerschaft auch interfraktionell, ohne Meinungsaustauschmöglichkeit der Fraktionsmitglieder, von den Fraktionsvorsitzenden unterschrieben wurde. Lediglich ein E-Mail-Monolog fand statt. Mir und weiteren Ratsmitgliedern war bei der Wahl eines Ehrenbürgers immer wichtig, dass Verdienste eines Bürgers nicht aus dem Amt heraus gewürdigt werden, sondern aus dem Ehrenamt. Eine Ehrenbürgermeisterverleihung wäre bei Peter Brüser sicherlich einstimmig verlaufen und er hätte sie verdient, ohne Zweifel.
Legitimes Mittel der Abstimmung
Das legitime Mittel der geheimen Abstimmung mit mir als Antragsteller hingegen wurde öffentlich als Attacke gegen Bürgermeister Peter Brüser gewertet, was für mich völlig unverständlich ist, oder stimmen Ratsmitglieder je nach Wahlvorgang per Akklamation anders als schriftlich ab? All das ist keinen Rücktritt wert und kann öffentlich sicher geklärt werden. Aber als ich dann am Freitag die ersten Drohbriefe, die auch gegen meine Familie gerichtet wurden, erhalten habe, musste ich überlegen, ob es mir und meiner Familie Wert ist, diese Ehrenämter in Partei und Fraktion wirklich weiter wahrnehmen zu wollen.
Drohungen gegen weiteres CDU-Mitglied
Da inzwischen ein weiteres Fraktionsmitglied der CDU anonym bedroht wird, halte ich meinen Rücktritt für richtig und wünsche den Fraktionen und Parteien in unserer Gemeinde Wenden für die Zukunft mehr Gespräche und gutes Gelingen.“
Hintergrund
Im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung am Donnerstag sollten die Fraktionsmitglieder über Brüsers Ernennung zum Ehrenbürger abstimmen. Schürholz beantragte vorab, die Wahl geheim stattfinden zu lassen. Überraschend reichte es hierbei nicht zur nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit, womit Brüser nach 21 Jahren als Bürgermeister die höchste Auszeichnung der Gemeinde verwehrt blieb. (pri)
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