Den Doktor online treffen: Die Video-Sprechstunde macht´s möglich
Hausarzt Stefan Spieren berät über die Webcam
- Wenden, 03.09.2017
- Von Christine Schmidt
Hünsborn. Überfüllte Wartezimmer beim Hausarzt, kaum freie Termine und lange Wartezeiten: ein Bild, das viele kennen. Entspannter wäre es da doch, einfach den Laptop aufzuklappen und den Doktor online zu treffen. Und das ist auch möglich: Stefan Spieren, Hausarzt in Hünsborn, bietet seit 1. April eine digitale Sprechstunde für seine Patienten an. Grund genug für LP-Volontärin Christine Schmidt, den Arzt in seiner Online-Sprechstunde für ein Interview zu treffen.

Eins vorweg: „Ersetzen soll die Online-Sprechstunde die reale Unterhaltung nicht“, betont Stefan Spieren. Und wer jetzt denkt, dass Patienten vom Sofa aus ihr Leid klagen, liegt falsch. In den Voraussetzungen für Videosprechstunden haben Krankenkassen festgelegt, für welche Anlässe diese gelten. Hauptsächlich sind das Kontrollen von (Operations-)Wunden oder Bewegungsabläufen. Therapeutische Probleme fallen bei der Sprechstunde über Webcam weg.

Die Praxis Spieren arbeitet mit dem Altenheim in Rothemühle zusammen, und dort kommt das Projekt laut Stefan Spieren gut an. In einem Extraraum wird den Bewohnern die Technik zur Verfügung gestellt. „Das ist eine super Sache, und auch die Bewohner nehmen das gerne an“, erzählt der 39-Jährige. Berührungs- bzw. Äußerungsangst gebe es dort kaum. Teilweise hätten ältere Leute sogar weniger Bedenken als jüngere Patienten Gruppen, so Spieren.




Zwischendurch muss Stefan Spieren mal wiederholen, was er gesagt hat, da der Ton gelegentlich weg bleibt - was wohl an der mäßigen Internetverbindung liegt. Ansonsten klappt das Online-Gespräch ohne Zwischenfälle: Auf dem Bildschirm ist der Hünsborner Arzt einwandfrei zu sehen. Genauso gut ist die Qualität der Kamera: Exemplarisch hält der Arzt seinen Arm davor; dank hoher Bildauflösung ist alles detailliert zu erkennen. So könne er problemlos auch Wunden und Verletzungen online in Augenschein nehmen, sagt der „Internet-Doktor".

Dass manch einer in seiner Praxis immer noch vor einem PC-Röhrenbildschirm sitze, sei nicht zeitgemäß. „Die Videosprechstunde ist nur eine andere Art der Kommunikation“, so der Hünsborner Arzt. Ein Weg der Kommunikation, der für den Patienten anfangs ungewöhnlich ist, wenn man nicht an ein Videchat-Programm wie „Skype“ zum Beispiel gewöhnt ist.
Seit April bietet die Praxis die Online-Sprechstunde an. Mehr als fünf- bis maximal zehnmal pro Woche will Stefan Spieren den digitalen Arztbesuch nicht anbieten, obwohl der Service bereits gut genutzt werde. Vor einigen Wochen hätten nun auch die Krankenkassen das System abgesegnet. Stephan Spieren nutzt den Dienst „Patientus“, in dem die volle Sicherheit der Daten und damit auch die Vertraulichkeit zwischen Arzt und Patient gewährleistet sei.
