Den Doktor online treffen: Die Video-Sprechstunde macht´s möglich

Hausarzt Stefan Spieren berät über die Webcam


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 von Christine Schmidt
© Christine Schmidt

Hünsborn. Überfüllte Wartezimmer beim Hausarzt, kaum freie Termine und lange Wartezeiten: ein Bild, das viele kennen. Entspannter wäre es da doch, einfach den Laptop aufzuklappen und den Doktor online zu treffen. Und das ist auch möglich: Stefan Spieren, Hausarzt in Hünsborn, bietet seit 1. April eine digitale Sprechstunde für seine Patienten an. Grund genug für LP-Volontärin Christine Schmidt, den Arzt in seiner Online-Sprechstunde für ein Interview zu treffen.


Ein Countdown zählt die Sekunden runter. Drei, zwei, eins – und schon erscheint Stefan Spieren auf dem Bildschirm des Laptops. Im ersten Moment ist es seltsam, mit dem PC zu kommunizieren, aber eigentlich ist es dasselbe Bild, das einem in der Praxis geboten wird – nur dass der Arzt dem Patienten eben digital gegenübersitzt. „Wenn man es zwei-, dreimal gemacht hat, gewöhnt man sich dran“, so der Mediziner.

Eins vorweg: „Ersetzen soll die Online-Sprechstunde die reale Unterhaltung nicht“, betont Stefan Spieren. Und wer jetzt denkt, dass Patienten vom Sofa aus ihr Leid klagen, liegt falsch. In den Voraussetzungen für Videosprechstunden haben Krankenkassen festgelegt, für welche Anlässe diese gelten. Hauptsächlich sind das Kontrollen von (Operations-)Wunden oder Bewegungsabläufen. Therapeutische Probleme fallen bei der Sprechstunde über Webcam weg.
Neue Möglichkeit schafft doppelte Entlastung
Apropos Webcam: Die Kamera zeigt Stefan Spieren im Porträt. Er sitzt in seinem Sprechzimmer am Schreibtisch. Die Arme locker auf den Tisch gestützt, lehnt er sich in Richtung Computer. Etwas verzerrt klingt seine Stimme durch den Lautsprecher, als er erklärt, dass er besonders für Menschen da sein möchte, die bettlägerig sind, einen Krankentransport benötigen oder einen weiten Weg zur Praxis haben. „Es geht darum, beide Seiten zu entlasten. Die älteren Menschen sind wirklich froh über diese neue Möglichkeit.“

Die Praxis Spieren arbeitet mit dem Altenheim in Rothemühle zusammen, und dort kommt das Projekt laut Stefan Spieren gut an. In einem Extraraum wird den Bewohnern die Technik zur Verfügung gestellt. „Das ist eine super Sache, und auch die Bewohner nehmen das gerne an“, erzählt der 39-Jährige. Berührungs- bzw. Äußerungsangst gebe es dort kaum. Teilweise hätten ältere Leute sogar weniger Bedenken als jüngere Patienten Gruppen, so Spieren.
„Omas können auch WhatsApp"
„Die reden einfach drauf los, wackeln am Monitor und freuen sich, dass es klappt“, sagt der Hausarzt lachend. Die Patienten vertrauten ihrem Arzt und glaubten ihm, wenn er ihnen die Sprechstunde über den Computer anbietet. Außerdem ist der 39-Jährige davon überzeugt, dass auch die ältere Generation immer mehr mit der modernen Technik in Verbindung kommen will. „Man kann nicht einfach immer sagen, die Älteren machen das nicht. Omas können auch WhatsApp“, schmunzelt Spieren. Es sei alles eine Übungssache, „die neuen Methoden müssen wir anfassen und uns damit beschäftigen.“

Zwischendurch muss Stefan Spieren mal wiederholen, was er gesagt hat, da der Ton gelegentlich weg bleibt - was wohl an der mäßigen Internetverbindung liegt. Ansonsten klappt das Online-Gespräch ohne Zwischenfälle: Auf dem Bildschirm ist der Hünsborner Arzt einwandfrei zu sehen. Genauso gut ist die Qualität der Kamera: Exemplarisch hält der Arzt seinen Arm davor; dank hoher Bildauflösung ist alles detailliert zu erkennen. So könne er problemlos auch Wunden und Verletzungen online in Augenschein nehmen, sagt der „Internet-Doktor".
Skepsis unter vielen Kollegen
Stefan Spieren ist von der Online-Sprechstunde überzeugt. Allerdings sähen nicht alle seine Kollegen in einer solchen Art von Sprechstunde einen Vorteil. „Für viele ist es unnötig, und sie halten nichts davon“, so Spieren. Nur einige wenige seiner jüngeren Kollegen planen, diese Sprechstunden in Zukunft einzuführen. Nachvollziehen kann Spieren die Sicht der Online-Sprechstunden-„Gegner“ nicht, denn: Es sei doch „kein moderner Kram, sondern einfach nur der Stand der heutigen Technik und zeitgemäß“.

Dass manch einer in seiner Praxis immer noch vor einem PC-Röhrenbildschirm sitze, sei nicht zeitgemäß. „Die Videosprechstunde ist nur eine andere Art der Kommunikation“, so der Hünsborner Arzt. Ein Weg der Kommunikation, der für den Patienten anfangs ungewöhnlich ist, wenn man nicht an ein Videchat-Programm wie „Skype“ zum Beispiel gewöhnt ist.
Sicherheit ist garantiert
Zwischendurch guckt Stefan Spieren immer in die Kamera, um so den direkten Augenkontakt mit den Patienten zu halten. Außerdem sitzt er, anders als bei einer realen Sprechstunde, nicht zurückgelehnt in seinem Schreibtischstuhl, sondern nah am PC. Sonst wirke das zu abweisend, glaubt der 39-Jährige.

Seit April bietet die Praxis die Online-Sprechstunde an. Mehr als fünf- bis maximal zehnmal pro Woche will Stefan Spieren den digitalen Arztbesuch nicht anbieten, obwohl der Service bereits gut genutzt werde. Vor einigen Wochen hätten nun auch die Krankenkassen das System abgesegnet. Stephan Spieren nutzt den Dienst „Patientus“, in dem die volle Sicherheit der Daten und damit auch die Vertraulichkeit zwischen Arzt und Patient gewährleistet sei.
Schritt für Schritt Erklärung
Feste Zeiten für die digitale Sprechstunde gibt es noch nicht, seien aber in Planung. Noch müssen die Patienten einen Termin am Telefon vereinbaren. Mit einer Nummer wählen sie sich dann in die Sprechstunde ein, die Schritt für Schritt erklärt wird, ehe „Doktor Online“ auf dem Bildschirm auftaucht.
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