Ausfall der „Wendschen Kärmetze“ ein „Stich mitten ins Herz“

Solidaritätsbekundung in Wenden


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Zum eigentlichen Start der Wendener Kirmes ließen die Beteiligten hunderte Luftballone in den Himmel steigen. von s: Sigrid Mynar
Zum eigentlichen Start der Wendener Kirmes ließen die Beteiligten hunderte Luftballone in den Himmel steigen. © s: Sigrid Mynar

Wenden. Als „Stich mitten ins Herz“ hat Bürgermeister Bernd Clemens am Samstagnachmittag, 15. August, die Corona bedingte Absage der Wendener Kirmes bezeichnet. Das empfinde er selbst so, aber auch die Menschen seiner Gemeinde, die tief verwurzelt mit diesem Volksfest sind und sich bisher nicht vorstellen konnten, dass die 268-jährige Tradition von einem Virus unterbrochen würde.


Immerhin rede man über rund 300.000 Besucher, die alljährlich zur „Wendschen Kärmetze“ kämen, so Clemens. Mit der Solidaritätsbekundung am Rathaus wolle Verwaltung und Politik ihre Verbundenheit mit all denen ausdrücken, die wirtschaftlichen Schaden erlitten. Dies wären neben Marktkaufleuten, Schaustellern und Fahrgeschäftebetreibern vor allem auch der heimische Einzelhandel und die Gastronomie.

Aber auch Gemeinschaftsgeist mit den Vereinen, die traditionell Bierwagen und Versorgungsstände betrieben, sei damit gemeint. Ihnen fehle nun das Geld, das das Kirmeswochenende normalerweise für die Vereinsarbeit in ihre Kassen spült. Bernd Clemens nannte seine und die Gefühlslage der Wendener Bevölkerung „Schmerz der Seele“. Wenn Gemeinde- und Dorfbewohner sich bisher ihr „man sieht sich“ zuriefen, war damit immer das Kirmeswochenende gemeint, an dem man sich tatsächlich sah.
 von Sigrid Mynar
© Sigrid Mynar
Auch diejenigen, die inzwischen woanders ihren Lebensmittelpunkt gefunden hatten, zog es seit Generationen an dem Wochenende in die Heimat zurück. Darauf in diesem Jahr verzichten zu müssen, schmerze tatsächlich sehr, so der Bürgermeister.
Wendener Kirmes wird von Emotionen der Menschen getragen
Patrick Arens, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Schausteller und Marktkaufleute, bedankte sich für die moralische Unterstützung, die die Gemeinde Wenden zeige. Die Wendener Kirmes kenne er selbst schon seit seiner Kindheit und für ihn sei sie ein Volksfest, das von den Emotionen der Menschen getragen sei.

Arens machte deutlich, wie tief die Corona-Krise in die Berufsausübung seiner Verbandsmitglieder eingegriffen habe und dies vermutlich noch lange Zeit tun werde. Zahlreiche seiner Kollegen seien in finanzieller Not und nicht allein durch die Sofortmaßnahmen der Bundesregierung zu retten. Er kritisierte, dass die Landesregierung bei den Vorschriften sehr unterschiedliche Maßstäbe ansetze und nannte als Beispiel große Wochenmärkte, die weiterhin stattfinden dürfen, oder Großunternehmen, die unbürokratisch Riesensummen erhielten.
Arens glaubt nicht, alle Kollegen wiederzusehen
Die finanzielle Unterstützung in seinem Berufszweig scheitere oft schon an bürokratischen Hürden. „Da kostet der Steuerberater oft mehr, als die Marktkaufleute zu erwarten haben“. Was aus den kommenden Weihnachtsmärkten werde, sei noch nicht abzusehen.

„Stellen Sie sich vor, Sie hätten über so viele Monate keinerlei Einnahmen“. Ich glaube, wir werden einige meiner Kollegen deshalb nicht mehr auf Märkten wiedersehen. „Und deshalb tut jede moralische Unterstützung gut“, so Patrick Arens.
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Ausfall der „Wendschen Kärmetze“ ein „Stich mitten ins Herz“
Solidarität bekundeten auch die stellvertretenden Bürgermeister Ludger Wurm und Astrid König-Ostermann, Pfarrer Michael Kleineidam, die Marktmeister Thomas Clemens und Wolfgang Grimstein, die Vorsitzenden der Ratsfraktionen, sowie Rupert Wurm und Nicole Williams von der Gemeindeverwaltung. Sie alle standen mit grünen Luftballonen vor dem Rathaus.
Hoffnungsvolle Luftballone steigen in den Himmel
„Grün ist die Farbe der Hoffnung“ beschrieb es Bernd Clemens, wir lassen heute 365 Luftballone symbolisch steigen, damit es dann im nächsten Jahr hoffentlich wieder heißen wird: „Wir sehen uns“. Zuvor lud Pfarrer Kleineidam noch zu einem gemeinsamen „Vater unser“ ein, bevor die Zeichen der Hoffnung weithin sichtbar am Himmel über Wenden entschwebten.
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