50 Jahre Gemeindesportverband: „Stets an einem Strang gezogen“
Interview zum Jubiläum
- Wenden, 17.09.2025
- Sport
- Von Lorena Klein
Wenden. 50 Jahre Zusammenhalt im und für den Sport in Wenden: Der Gemeindesportverband feiert Jubiläum. Mit LokalPlus blicken Lambert Stoll, ehemaliger und langjähriger Vorsitzender des GSV Wenden, und der aktuelle Vorsitzende Peter Niklas zurück und nach vorne.

Warum haben sich einige Wendener Vereine im Jahr 1975 zusammengeschlossen, um einen Gemeindesportverband zu gründen?
Stoll: Die Überlegung der Gründer war, dass der Sport kommunalpolitisch mehr berücksichtigt werden sollte. Der Sport in der Gemeinde Wenden war schon damals sehr ausgeprägt. Also wurden die Kräfte gebündelt, um darauf aufmerksam zu machen.
Niklas: Es gibt hier Vereine, die zum Teil doppelt so alt sind wie der Gemeindesportverband. Insofern mag es überfällig gewesen sein, eine entsprechende Vertretung, beispielsweise im Sport- und Kulturausschuss, zu haben, um die Interessen der Sportvereine zu bündeln und der Politik gegenüber zu vertreten. Es geht darum, ein Sprachrohr und Mittler für die Mitgliedsvereine zu sein.





Zu den Gründungsvereinen zählten damals SV Hillmicke, Sportfreunde Möllmicke, SV Rothemühle, VSV Wenden, TTC Wenden und TennisClub Wenden. Wer ist jetzt alles dabei?
Niklas: Wir haben 34 Mitgliedsvereine mit in Summe circa 8.000 Mitgliedern. Das heißt, in der Gemeinde sind zurzeit etwa 40 Prozent der Bürger in Sportvereinen organisiert. Daran sieht man die Wertigkeit.
Herr Stoll, Sie waren einer der bisher vier Vorsitzenden des GSV Wenden und haben sich 24 Jahre lang in diesem Amt engagiert. Wie haben Sie die Entwicklung des Verbandes erlebt, welche Meilensteine gab es?
Stoll: Ein Meilenstein im übertragenen Sinne war sicherlich die große Harmonie der Vereine trotz sportlicher Wettkämpfe und sportlicher Rivalität. Auf Ebene der Gemeinde hat man stets zusammengehalten und an einem Strang gezogen, wenn es um besondere Herausforderungen ging.
Ein Novum von der investiven Seite waren die ersten Kunstrasenplätze, seinerzeit durch die Kooperation der Vereine in Altenhof, Rothemühle und Hünsborn. Besonders waren und sind auch immer die Hallenturniere zu Jahresbeginn.
Niklas: Auch durch die Förderprogramme Moderne Sportstätte 1 und 2 konnten viele örtliche Vereine profitieren. Im Jahr 2019 kamen zudem die Sportlerehrungen im Rathaus hinzu – mit vielen großen und außergewöhnlichen Erfolgen.
Herr Niklas, Sie haben seit vier Jahren den Vorsitz inne. Was ist in dieser Zeit passiert?
Niklas: Zum Beispiel ist ein Sportabzeichentag unter Federführung der SG Wenden eingeführt worden, der auch den Breitensport in den Mittelpunkt stellen soll. Im vergangenen Jahr haben wir außerdem unsere Satzung an neue Herausforderungen angepasst.
Was sind denn Herausforderungen der Zukunft?

Stoll: Das Ehrenamt ist schon länger eine Herausforderung und bleibt es auch. Es ist überall eine gewisse Müdigkeit bei den Bürgern eingekehrt, sich noch zu betätigen. Trotzdem wissen alle: Ohne Ehrenamt läuft nichts in diesem Land. In unserer Gemeinde sind wir noch relativ gut dran, aber es zieht auch nicht an uns vorbei. Um das Ehrenamt zu fördern, könnte auch die Politik Anreize schaffen.
Niklas: Eine wesentliche Herausforderung sind auch die Folgen des demografischen Wandels. Jetzt ist die Anzahl der Kinder- und Jugendmannschaften noch einigermaßen in Ordnung, aber in der B- und A-Jugend haben wir zum Beispiel nur noch fünf Mannschaften – und das wird sich natürlich irgendwann auch auf den Seniorenbereich übertragen.
Stoll: Am Anfang gab es hier fast nur Fußball, heute ist das Angebot mit unterschiedlichen Sportarten und auch Fitnessstudios für die jungen Leute viel größer.
Niklas: Sportvereine müssen sich deshalb in Zukunft Gedanken machen, wie man die Jugendlichen durch eine gute Jugendarbeit weiterhin für sie begeistert. Aber der Gemeindesportverband sollte auch diejenigen im Fokus haben, die zwar nicht im Verein sind, aber öffentliche Plätze nutzen, um Sport zu treiben.

Was wünschen Sie sich für die nächsten 50 Jahre des Gemeindesportverbandes?
Niklas: Wir haben das Motto „Tradition erhalten – Zukunft gestalten“ für unseren Festakt gewählt. Wir haben eine Gemeindeverwaltung, die den Sport unterstützt, und einen Zusammenhalt innerhalb der Familie der Sportvereine. Mein Wunsch ist, dass dieses gute Verhältnis so beibehalten wird.
Stoll: Das unterstreiche ich. Oft ist die Politik versucht, finanzielle Mittel zuerst bei Sport und Kultur zu streichen, wenn es knapp wird. Wenn der Gemeindesportverband in 50 Jahren das 100-jährige Jubiläum feiern will, muss es auch noch mehr Zusammenarbeit zwischen den Vereinen, vielleicht sogar Fusionen geben.
Niklas: Wir haben uns auch der Forderung angeschlossen, dass ein gewisser Prozentsatz des Sondervermögens in den Sport gesteckt wird. Denn jeder für den Sport ausgegebene Euro rentiert sich doppelt und dreifach.
Der GSV Wenden feiert...
...und zwar am Samstag, 20. September, auf der Sportanlage und in der Gesamtschule in Wenden. Auf dem Programm stehen unter anderem ein freundschaftliches Spiel der Weisweilerelf gegen eine Altliga-Gemeindeauswahl und ein großer Festakt mit zahlreichen geladenen Gästen.
Es werden anlässlich des Weltkindertages Spenden für die Elterninitiative für krebskranke Kinder und das Kinderhospiz Balthasar gesammelt. Weitere Infos gibt es hier.
