150 Jahre Karneval: Alte Zeitungsanzeige erzählt ein Stück Dorfgeschichte

Narren aus Schönau-Altenwenden feiern Jubiläum


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Jonas Hees (l.), Vorsitzender des Karnevalsvereins, und Sitzungspräsident Michael Koch (r.) mit dem aktuellen Sessionsorden und einer Narrenkappe aus den Anfängen des Vereins. von Lorena Klein
Jonas Hees (l.), Vorsitzender des Karnevalsvereins, und Sitzungspräsident Michael Koch (r.) mit dem aktuellen Sessionsorden und einer Narrenkappe aus den Anfängen des Vereins. © Lorena Klein

Schönau/Altenwenden. Der Karneval gehört zu Schönau-Altenwenden wie die Narrenkappe zum Prinzen. Seit 60 Jahren sorgt der Karnevalsverein hier für ausgelassenes Treiben, seit 50 Jahren als eingetragener Verein. Doch verankert ist der Karneval im Dorf schon viel, viel länger. Stolz feiern die Schönauer Jecken in dieser Session deshalb ein ganz besonderes Jubiläum.


Mehr aus Zufall stößt der Vorsitzende des St.-Elisabeth-Schützenvereins Schönau-Altenwenden, Sven Kosakowski, 2019 auf ein Dokument, das für den Karnevalsverein interessant sein könnte. Bei seiner Recherche für die Vereinschronik des Schützenvereins stöbert er im Online-Zeitungsportal zeit.punkt NRW, trägt Wissenswertes aus der Dorfgeschichte zusammen.

Und entdeckt dabei eine alte Zeitungsanzeige aus dem „Olper Intelligenzblatt“ aus dem Jahr 1876. Ein Wirt, Peter Eich, lädt darin zum Ball in seinem „neu erbauten Saale“ nach Schönau ein. Das Wort „Ball“, gedruckt in großen Lettern, wird von zwei tanzenden Clowns flankiert. Termin der Feier: 27. Februar.

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Aus der Anfangszeit des Karnevalsvereins gibt es noch einige Erinnerungsstücke, wie unter anderem alte Narrenkappen und der Orden des ersten Prinzen. Aus der Kappe des ersten Prinzen wird bei der Proklamation im November traditionell der Name der neuen Tollität gezogen, falls es mehrere Bewerber gibt.

„Das war in jenem Jahr der Großsonntag, also der Tag vor Rosenmontag“, erklärt Michael Koch, Sitzungspräsident des Karnevalsvereins Schönau-Altenwenden. „Für uns ist ganz klar, was da gefeiert wurde.“ Und zwar Karneval – ein Fest, das in Schönau schon damals eine größere Strahlkraft gehabt haben könnte, denn schließlich handele es sich um eine kreisweite Annonce, ergänzt er.

Es ist die erste urkundliche Erwähnung einer Karnevalsfeier in Schönau. Heißt: Die Geschichte des Karnevals im Dorf reicht mindestens 150 Jahre zurück. „Und das in so einem kleinen Ort“, betont der Vorsitzende des Karnevalsvereins, Jonas Hees. Gemeinsam mit einigen Dorfbewohnern kann darauf noch vieles mehr herausgefunden werden, unter anderem auch, wer eigentlich Peter Eich, der Veranstalter des Balles, war.

Verein hat Ursprung in altem Brauch

Mit einigen Karnevalsurgesteinen kommt der Verein ins Gespräch. Erfährt Anekdoten zur Gründung vor 60 Jahren, die wohl eng mit der noch älteren Tradition des „Einsetzens“ verbunden war. Diesen Brauch, bei dem am Sonntag vor Altweiber alle neu Hinzugezogenen, Neugeborenen und frisch Verheirateten im Dorf besucht werden, hält der Karnevalsverein noch heute lebendig.

Ein Jahr nach Vereinsgründung, im Jahr 1967, fand in Schönau der erste Rosenmontagszug statt. 1969 wurde der erste Prinz proklamiert. „Man lässt sich diese ganzen Geschichten erzählen und saugt alles auf, spinnt alles zusammen“, so Michael Koch. Und Jonas Hees fügt hinzu: „Wenn die Leute von früher erzählen, merkt man, wie viel ihnen der Karneval heute noch gibt.“

Der aktuelle Sessionsorden zeigt die alte Zeitungsanzeige aus dem Jahr 1876. von Lorena Klein
Der aktuelle Sessionsorden zeigt die alte Zeitungsanzeige aus dem Jahr 1876. © Lorena Klein

Deshalb nun zum Karneval der Gegenwart – denn die laufende Session steht in Schönau ganz im Zeichen der Jubiläen: 150 Jahre Karneval in Schönau und 60 Jahre Karnevalsverein. Beide Zahlen zieren den Sessionsorden, der auch einen Ausschnitt der alten Zeitungsannonce abbildet.

„Für die Altweiber- und Prunksitzung haben wir ein noch größeres und umfangreicheres Programm geplant – mit mehr externen, großen Künstlern“, kündigt Michael Koch an. Auch der Rosenmontagszug sei deutlich länger. „Wir haben so viele Zugteilnehmer wie noch nie – teilweise haben sich ganz neue Gruppen angemeldet!“, freut sich Jonas Hees. Die Zuschauer erwarten rund 30 Zugpunkte, drei Musikgruppen marschieren mit.

„Wenn die Leute von früher erzählen, merkt man, wie viel ihnen der Karneval heute noch gibt”
— Jonas Hees, Vorsitzender des Karnevalsvereins Schönau-Altenwenden

Viele weitere Details zur Geschichte des Karnevals in Schönau können schon bald im vereinseigenen „Jeck-Blatt“ nachgelesen werden, das bei den kommenden Veranstaltungen ausliegt und bei Getränke Alfes sowie auf Anfrage beim Verein erhältlich ist. Mehr Informationen zu den anstehenden Karnevalsveranstaltungen in Schönau folgen bald bei LokalPlus.

Wie läuft es mit den Plänen zur neuen Wagenbauhalle?

Auch bei diesem Thema hat LokalPlus nachgefragt. „Wir hängen gerade noch im bürokratischen Genehmigungswahn fest“, erklärt der Vorsitzende Jonas Hees dazu. Wenn in nächster Zeit alles laufe wie geplant, könne man 2027 nach Aschermittwoch mit den Bauarbeiten beginnen. Bis zum Sessionsbeginn im darauffolgenden November muss die neue Wagenbauhalle dann weitestgehend fertig werden, damit hier wieder gefeiert werden kann.

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