Sofort anpacken und etwas erschaffen – deshalb wird Oskar Zimmerer
LP-Serie stellt Ausbildungsberufe vor
- Kreis Olpe, 11.05.2026
- Verschiedenes
- Von Jana Becker
Kreis Olpe/Attendorn. „Was willst du nach der Schule machen?“ – Kaum eine Frage wird Jugendlichen öfter gestellt. Handwerk, Pflege oder doch raus in die Natur? Die Auswahl ist groß. LokalPlus stellt in der Serie „Ein Tag als… Azubi-Edition“ spannende, traditionelle und besondere Ausbildungen im Kreis Olpe vor. Heute erzählt Oskar Brüser von seiner Ausbildung zum Zimmerer bei Häner Zimmerei + Hausbau in Gerlingen.

Dumpfes Hämmern und laute Stimmen schallen an diesem schönen Frühlingsmorgen durch ein ruhiges Wohnviertel in Attendorn. Am Ende der Straße Hohler Weg, kurz vor dem Ortseingangsschild von Biekhofen, sind seit 6 Uhr die Zimmerer von der Zimmerei Häner auf dem Dach eines Rohbaus zugange. Einer von ihnen ist Oskar Brüser. Er ist Auszubildender im zweiten Lehrjahr.
Das Interesse des 18-Jährigen für diesen Beruf wurde früh geweckt. Schon als Kind faszinieren ihn Baustellen, an denen aus dem Nichts ein Heim für eine Familie geschaffen wird. Da seine Familie mit der Familie Häner befreundet ist, wächst er quasi auf den Baustellen auf: „Ich fand das schon immer spannend und habe dann oft zu gesehen“, erzählt Oskar, wie er zu der Zimmerer-Ausbildung gekommen ist.


Oskar kommt aus Gerlingen, dort sitzt auch die Zimmerei. Doch als Zimmerer ist man viel unterwegs. Baustellen im ganzen Kreis Olpe werden angefahren – ein Hausbau in Attendorn ist nicht unüblich.
Die Arbeit auf den Baustellen macht dem 18-Jährigen Spaß – etwas mehr Spaß als der Blockunterricht. Für den fährt Oskar nach Siegen. Dort besucht er das Aus- und Weiterbildungszentrum Bau und das technische Berufskolleg. Zurück auf der Baustelle muss er sich häufig wieder eingewöhnen.

Trotzdem gefällt es ihm dort besser, denn: „Man sieht am Ende des Tages Ergebnisse und das ist echt cool!“ Und darauf ist Oskar dann auch stolz und zeigt seinem Vater nach Feierabend Fotos von den Arbeiten, die er verrichtet hat.
Denn auch als Auszubildender darf Oskar von Anfang an viel anpacken. „Als Azubi kann ich viel selbst machen und schon sehr selbstständig arbeiten“ – dass ist ein weiterer Grund, warum Oskar die Ausbildung so viel Spaß macht. Und selbst wenn er mal nicht weiter weiß, helfen die älteren und erfahreneren Kollegen.

Dabei kann der Ton auch schon mal etwas rauer werden. „Je nachdem, wie langsam ich arbeite, oder wenn ich einen Fehler gemacht habe – dann wird’s schonmal lauter. Aber das kommt sehr selten vor und es bleibt immer respektvoll“, lacht der Azubi. Dass Fehler so direkt angesprochen werden, findet er gut.
„Man sieht am Ende des Tages Ergebnisse und das ist echt cool!”
Sicherheit und Routine kommen mit der Zeit, ist Oskar sich sicher. Einige Eigenschaften sollte man jedoch bereits mitbringen, wenn man die Ausbildung zum Zimmerer in Betracht zieht: „Man sollte schwindelfrei sein und keine Höhenangst haben“, weiß er.

An das erste Mal, dass er auf dem Dach arbeiten musste, erinnert Oskar sich gut. „Das war sehr wackelig und ein komisches Gefühl.“ Doch mit der Zeit und der praktischen Erfahrung, die er im Laufe der Ausbildung gesammelt hat, legte sich das Gefühl. „Mittlerweile fühlt es sich gut an!“
Eine zusätzliche Belohnung für die harte Arbeit ist schließlich die Reaktion der Bauherren, die auch schonmal persönlich auf Oskar und seine Kollegen zukommen und sich bedanken.
Die Zimmerer-Ausbildung
Schulabschluss: rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben
Dauer: regulär drei Jahre, Verkürzung ist möglich
Inhalte: Grundlagen im Holzbau, Erstellung von Holzkonstruktionen im Werk und auf der Baustelle, Planung und Berechnungen, Ausbau und Sanierung, Grundlagen CAD Programme für den Holzbau, Arbeitssicherheit und Maschinenkurse
Notwendige Eigenschaften: körperliches und handwerkliches Geschick, gute Fitness und Ausdauer, Schwindelfreiheit, keine Höhenangst, Belastbarkeit und räumliches Vorstellungsvermögen
Vergütung: 1.100 bis 1.700 Euro monatlich brutto (vom ersten bis dritten Ausbildungsjahr)
Weiteres: Tradition trifft Moderne, arbeiten mit einem nachwachsenden Rohstoff: zukunftsorientiert und sicher, Weiterbildung möglich zum Meister oder Techniker, Kombination als dualem Studium zum Bauingenieur möglich