Der Wald als Arbeitsplatz: Forstinspektoranwärterin spricht über den Alltag

LP-Serie stellt Ausbildungsberufe vor


  • Kreis Olpe, 17.04.2026
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Eva Marie Lotz ist Forstinspektoranwärterin beim Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland. von Jana Becker, Grafik: Ralph Schneider
Eva Marie Lotz ist Forstinspektoranwärterin beim Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland. © Jana Becker, Grafik: Ralph Schneider

Kreis Olpe. „Was willst du nach der Schule machen?“ – Kaum eine Frage wird Jugendlichen öfter gestellt. Handwerk, Pflege oder doch raus in die Natur? Die Auswahl ist groß. LokalPlus stellt in der neuen Serie „Ein Tag als…Azubi-Edition“ spannende, traditionelle und besondere Ausbildungen im Kreis Olpe vor. Heute erzählt Eva Marie Lotz von ihrem Jahr als Forstinspektoranwärterin beim Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland.


„Das war übrigens gerade der Specht, den man da gehört hat“, erklärt Eva Marie Lotz mit Blick in die Baumwipfel. Der Wald im Kreis Olpe ist ihr Arbeitsplatz. Hier kennt sie sich aus und fühlt sich wohl.

Die 26-Jährige ist Forstinspektoranwärterin im Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland. Diese einjährige Ausbildung ist die Vorbereitung auf den gehobenen Forstdienst.

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Eva Marie Lotz ist Forstinspektoranwärterin beim Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland.

Das Interesse an der Natur, dem Wald und seine Bewohner wurde Eva in die Wiege gelegt. Sie wuchs sehr ländlich auf in einem kleinen Dorf bei Herscheid. Schon ihr Opa arbeitete als Landwirt und war Waldbesitzer und in ihrer Familie gibt es viele Jäger. So entwickelte Eva als Kind den Wunsch, Försterin zu werden.

Nach dem Abitur macht sie deshalb eine Ausbildung zur Forstwirtin. „Ich hatte damals keine Lust auf Schule und wollte lieber direkt anpacken“, erinnert sie sich. Doch nach der Ausbildung schreibt Eva sich an der Universität ein und studiert Forstwissenschaften und Waldökologie in Göttingen. Von diesen Hochschulen, die traditionell forstliche Bachelorabschlüsse anbieten, gibt es fünf in Deutschland. „Ich habe ein paar Umwege genommen, aber letztendlich war es eine gute Reihenfolge“, weiß Eva heute.

Der Sitz des Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland in Olpe. von Jana Becker
Der Sitz des Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland in Olpe. © Jana Becker

„Ich liebe es, dass der Alltag so abwechslungsreich ist“, erzählt die 26-Jährige. „Man ist jeden Tag draußen, bei jedem Wetter und hat viel Bewegung.“ Natürlich gebe es auch Schreibtischarbeit. Aber: „Man kann sich seinen Arbeitstag selbst gestalten, da ist man ziemlich frei.“

Je nach Jahreszeit fallen unterschiedliche Aufgaben an. Im Winter stehen Holzfällarbeiten an, im Frühjahr ist Pflanzzeit. So habe jede Jahreszeit einen Schwerpunkt, der sich im Laufe der Jahre wiederholt.

„Ich liebe es, dass der Alltag so abwechslungsreich ist. Man ist jeden Tag draußen, bei jedem Wetter und hat viel Bewegung”
— Eva Marie Lotz

Doch häufig passieren auch unvorhersehbare Ereignisse, erzählt die 26-Jährige. Flexibilität gehört deshalb zu den Eigenschaften, die man als Förster mitbringen muss – vor allem geistige Flexibilität. Denn: „Eigentlich verläuft kein Tag so wie geplant. Das ist auch ein gewisser Nervenkitzel.“ Umdenken und spontane Reaktionen sind also alltäglich gefordert.

Für Freunde und Familie ist Eva ein wandelndes Lexikon geworden. Ihre Artenkenntnis ist sehr gefragt. „Oder die Bedeutung von unterschiedlichen Baummarkierungen“, lacht sie. Aber auch ihre eigene Wahrnehmung habe sich durch ihren Beruf verändert: „Ich gehe mit viel offeneren Augen durch die Natur.“

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Was die Forstinspektoranwärterin im Laufe ihres beruflichen Werdegangs überrascht habe, sei der unerwartet häufige Menschenkontakt. „Man ist nicht nur allein im Wald unterwegs, sondern hat viel Kontakt zu anderen Menschen“, erzählt Eva. Man müsse sich einerseits mit Unternehmern austauschen und anderseits begegne man täglich vielen Waldbesuchern und Spaziergängern.

Im Sommer muss Eva Prüfungen ablegen. Drei schriftliche Klausuren, eine mündliche Prüfung und eine praktische in Form einer Waldprüfung mit acht Stationen in einem ihr unbekannten Waldstück. Wenn sie die Prüfungen besteht, möchte sie am liebsten eine Revierleitung übernehmen. Wohin es sie dann verschlägt, ist noch ungewiss. „Hauptsache raus in die Natur“, freut sich die Forstinspektoranwärterin.

Forstinspektoranwärter

Schulabschluss: allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife, abgeschlossenes Bachelorstudium in der Forstwirtschaft

Dauer: ein Jahr

Inhalte: Revierleitung, Vorbereitung des Holzeinschlags, die Organisation waldbaulicher Maßnahmen, die Zusammenarbeit mit Forstunternehmen und Baumschulen und jagdliche Angelegenheiten, Waldführungen, Verkehrssicherung und Wegebau

Notwendige Eigenschaften: Spaß an der Natur und Bewegung, Flexibilität, kontaktfreudig und offen sein

Vergütung: Die Unterhaltsbeihilfe für Forstinspektoranwärter beträgt derzeit 1.405,68 Euro brutto (laut Landesbetrieb Wald und Holz NRW)


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