Berufswunsch Bestatterin: Paula will Menschen in schwerster Zeit beistehen
LP-Serie stellt Ausbildungsberufe vor
- Kreis Olpe, 20.04.2026
- Verschiedenes
- Von Nils Dinkel
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Kreis Olpe/Bamenohl. „Was willst du nach der Schule machen?“ – Kaum eine Frage wird Jugendlichen öfter gestellt. Handwerk, Pflege oder doch raus in die Natur? Die Auswahl ist groß. LokalPlus stellt in der neuen Serie „Ein Tag als… Azubi-Edition“ spannende, traditionelle und besondere Ausbildungen im Kreis Olpe vor. Heute erzählt Paula Harnischmacher von ihrer Wunsch-Ausbildung zur Bestattungsfachkraft, wobei sie von Bestattungen Heine in Bamenohl unterstützt wird.
Während viele Jugendliche in ihrem Alter noch zwischen verschiedenen Berufswünschen schwanken, hat Paula Harnischmacher aus Biekhofen ihre Entscheidung getroffen: Sie will Bestatterin werden.
Ein Praktikum bei Bestattungen Heine in Bamenohl – Inhaberin Nicole Ullrich – hat ihren Wunsch nicht nur bestätigt, sondern gestärkt. „Auf jeden Fall“, sagt die 17-Jährige entschlossen. „Das Praktikum hat mir richtig gutgetan.“
Dabei ist der Beruf alles andere als alltäglich. „Meine Lehrer und Mitschüler waren schon sehr verwundert“, erzählt Paula und lächelt. „Aber ich fand das Thema Tod immer interessant – vor allem, wie Menschen nach dem Sterben versorgt werden.“
Auch ihre Mutter arbeitet im Bereich der Sterbebegleitung, was Paula früh das Gefühl gab, keine Berührungsängste zu haben. Ihren ersten Verstorbenen zu sehen, sei für sie kein Schock gewesen: „Ich war eher neugierig und habe mir alles ruhig angeschaut.“
„Ich möchte Menschen helfen – gerade wenn sie kaum Kraft haben.”
Besonders bewegt sie die Arbeit mit Angehörigen. „Das finde ich unglaublich wichtig“, sagt Paula. „Man kann ihnen unter die Arme greifen, ihnen zuhören, ein bisschen Halt geben. Das ist eine schwere Zeit – wenn ich da helfen kann, macht mich das glücklich.“
Ein Erlebnis während ihres Praktikums bleibt ihr besonders in Erinnerung: Ein älterer Mann, der seine Frau verloren hatte. „Es hat mich schon runtergezogen, klar. Man denkt automatisch darüber nach, wie das bei einem selbst wäre“, erzählt sie offen. „Aber ich fand es schön, dass wir für ihn da sein konnten. Er hat sich jedes Mal gefreut, wenn wir kamen.“
Klar ist: Der Beruf verlangt viel Einfühlungsvermögen, aber auch Ruhe und Stärke. Eigenschaften, die Paula mitbringt, bestätigt auch Nicole Ullrich: „Nicht jeder ist für diesen Beruf gemacht. Aber Paula hat eine unglaublich offene, ruhige Art. Sie passt hervorragend in diesen Bereich.“ Es sei kein Beruf, um ‚nur‘ Geld zu verdienen. „Man muss offen und emphatisch sein, man muss hinter ihm stehen und ihn leben. Es ist eine Berufung“, führt die Inhaberin aus.
In ihrem freiwilligen Praktikum während der Osterferien darf Paula fast alles begleiten: Trauergespräche, Anzeigen- und Kartenentwürfe, die Vorbereitung von Trauerfeiern. „Ich habe sogar schon eine Anzeige selbst gestaltet“, erzählt sie.
Auch handwerkliche Aspekte interessieren sie: „Verstorbene für die Abschiednahme herzurichten, ist ungewohnt, war für mich aber nicht schlimm.“ Nur der Computer mache ihr manchmal noch zu schaffen, gibt sie lachend zu: „Aber das lernt man ja.“
Aktuell besucht Paula die Oberstufe, plant aber, nur bis zur Q1 weiterzugehen und danach die Ausbildung zu beginnen. Am liebsten bei Bestattungen Heine. „Ich informiere mich gerade über den Ausbilderschein. Ich würde Paula sehr gerne halten“, sagt Nicole Ullrich. Ansonsten möchte Paula gerne nach der Ausbildung in den Betrieb zurückkehren – die Türen stehen ihr offen.
Hat sich ihr Blick auf den Tod verändert? Paula schüttelt den Kopf. „Ich hatte nie Angst davor. Aber ich sehe jetzt, wie viel Arbeit und Liebe dahintersteckt, wenn jemand würdevoll verabschiedet wird.“ Die 17-Jährige betont: „Natürlich will niemand sterben, aber es gehört zum Leben dazu. Und es ist schön zu wissen, dass man Angehörige in dieser Zeit unterstützen kann.“
Die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft ist seit 2003 ein anerkannter Ausbildungsberuf. Sie findet dual (Betrieb und Berufsschule) statt. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Die Vergütung beträgt etwa 750 bis 1.020 Euro. Die nächstgelegene Berufsschule ist in Wipperfürth.
Über Bestattungen Heine:
Der Bestattungsbetrieb ist im Jahr 1895 gegründet worden und täglich 24 Stunden erreichbar. Er wird seit 2019 von Nicole Ullrich geführt. Zum Team gehören Silke Gehle und eine Kraft in der Buchführung. Neben der Rundumbetreuung zu Bestattungen bietet Nicole Ullrich auch Vorsorgeberatung an.