Zwischenstopp der Weltumsegelung: Die Heinrichs auf Teneriffa

Reisebericht


Topnews
Seit Mai sind Melanie und Jan Heinrich mit ihrem Segelboot auf großer Weltreise. Momentan machen sie Halt auf Teneriffa. von privat
Seit Mai sind Melanie und Jan Heinrich mit ihrem Segelboot auf großer Weltreise. Momentan machen sie Halt auf Teneriffa. © privat

Rüblinghausen/Teneriffa. Für Melanie scheint es immer noch ein Traum zu sein. Sieben Länder und mehr als 6.000 Kilometer in fünf Monaten haben sie zurückgelegt. Seit Mai ist sie mit ihrem Mann Jan auf Weltreise – mit ihrem Segelboot „Sailing Tore“ (LokalPlus berichtete). Fakt ist: Entspannter Urlaub sieht anders aus.


Bei 20 Grad auf Teneriffa liegen, während es hier immer kälter wird, ist eine tolle Vorstellung. „Ja, es ist auch wirklich schön“, sagt Melanie Heinrich, „aber es ist definitiv kein Urlaub.“ Ihre Tage am Strand kann die 40-Jährige an einer Hand abzählen.

Denn am Boot ist ständig etwas zu tun. Kleinigkeiten reparieren, Besorgungen machen und den nächsten Trip planen. Da geht viel Zeit drauf. Selbst Einkäufe und Wäsche nehmen viel Zeit in Anspruch. „Dass so viel zu tun ist, habe ich anfangs deutlich unterschätzt“, erinnert sich die gebürtige Rüblinghauserin.
Schwierigkeiten mit dem Wind
Sie erzählt, dass sie auch die Kraft des Windes nicht als so belastend eingestuft habe. Es sei psychisch und auch körperlich extrem anstrengend, der starke Wind habe sie am Anfang sehr fertig gemacht. 

„Der Wind ist unberechenbar, das Boot ist jeden Tag anders und abends war ich anfangs immer fix und fertig“, erinnert sich die Seglerin. „Immer auf Wasser zu sein, alles wackelt und schwankt – das ist schon eine Herausforderung, die ich unterschätzt hatte.“ Irgendwann war den Reiselustigen dann bewusst, dass sie auch mal entspannte Tage einlegen müssen.
Die Alternative wäre Deutschland
Zwischendurch hatte sich die Kita-Leiterin schon gefragt, wieso sie das alles mache. „Aber was wäre die Alternative gewesen? Wieder in Deutschland zu arbeiten“, lacht Melanie Heinrich. Deshalb hätte sie nie ernsthaft darüber nachgedacht, die Reise abzubrechen.

Im Gegenteil: Die Heinrichs sind überglücklich, was sie bislang geschafft und erlebt haben. „Was mich immer wieder fasziniert, sind die verschiedenen Länder“, sagt Melanie Heinrich. „Wir haben schon viel von Europa gesehen, aber ich bin immer wieder begeistert, wie schön es vor der eigenen Tür ist.“
 von privat
© privat
Vor allem das Essen und die Gastfreundlichkeit begeistern das Segler-Ehepaar. Unterwegs treffen die beiden immer wieder andere Segler, mit denen man schnell ins Gespräch kommt oder die zu Grillabenden am Strand einladen.

„Es ist wie eine große Community“, erzählt Melanie. „Man bekommt Tipps von anderen und teilt die gemeinsamen Sorgen.“ Sie lacht und erzählt dann, dass sie auf ihrem Segelboot mehr Besuch hätten als noch in ihrer Wohnung. Es sei einfach immer etwas los. Ihr Mann fängt auch gerne mal frischen Fisch, um den bei Grillabenden zu servieren.
 von privat
© privat
Besuch gibt es auch immer wieder auf hoher See. Es dauere nicht lange, dann käme ein ganze Schule Delfine, die minutenlang mit dem Boot schwimmen. „Daran kann man sich nicht satt sehen. Das ist ein Traum, da kann man nur mit offenem Mund staunen“, erzählt die 40-Jährige ganz euphorisch. Auch Haie und Schildkröten haben die Heinrichs schon gesehen.
Lebensmittelvergiftung in Marokko
„Wir durften einfach schon so viel in der Zeit erleben“, erzählt die Segelbegeisterte. Vor allem in Marokko hat das Paar viel erlebt – wenn auch nicht nur Gutes. Denn das bislang schlimmste Erlebnis war für beide eine Lebensmittelvergiftung. Melanie erzählt, dass sie irgendwann damit gerechnet habe, weil sie gerne alles probiert. Es sei aber so schlimm gewesen, dass sie zum Notdienst musste.

Krankheiten sind der Punkt, vor dem die gebürtige Rüblinghauserin am meisten Angst hat, vor allem bei fast dreiwöchiger Überfahrt in die Karibik, die in den nächsten Tagen beginnt. Deswegen muss alles gut geplant sein. In Deutschland fiel es ihr teilweise schwer, für eine Woche Lebensmittel zu planen, jetzt muss sie für knapp fünf Wochen vorsorgen.
Bildergalerie starten
Zwischenstopp der Weltumsegelung: Die Heinrichs auf Teneriffa
Mit einkalkulieren müssen die zwei auch eine dritte Person: Heiko Fiedler, ein langjähriger Freund aus Rhode, begleitet und unterstützt das Paar. Auch wenn ihm viele davon abraten mitzusegeln, er möchte immer noch mit den Heinrichs die große Überfahrt wagen. Er habe sogar extra einen Motorboot-Führerschein gemacht, um zumindest einige Grundlagen zu beherrschen.
 von privat
© privat
Er stößt zwei Tage vor Melanies Geburtstag auf Teneriffa hinzu. Genau passend. Er habe für seine Sachen kaum Platz im Koffer. „Der ist wohl mit Geschenken für mich gefüllt“, lacht die noch 40-Jährige. „Da freue ich mich natürlich riesig drüber.“

Denn sie vermisst ihre Familie. „Mein Vater hatte in der Zeit Geburtstag. Sonst war ich jedes Jahr da. Jetzt ging es nicht, da musste ich schon eine Träne hier auf dem Boot vergießen“, erzählt Melanie etwas wehmütig.
Weihnachtsstimmung auf hoher See
Deshalb freut sie sich umso mehr auf Sachen von ihren Lieben. Ihre Tante und Schwiegermutter sorgen mit Lichterkette und Adventskalender schon jetzt für gemütliche Weihnachtsstimmung auf dem Meer. Apropos Weihnachten: Das Fest verbringt das Seglerpaar irgendwo in der Karibik. Diesmal eben unter Palmen statt unter dem Weihnachtsbaum.

Wer mehr von der Weltreise sehen möchte, kann dem Seglerpaar hier folgen: %%Link[293967](link; text)%%%%Link[294109](link; text)%%

Artikel teilen: