Tobias Schulte: Meine Motivation ist es, Olpe nach vorne zu bringen
Interview mit dem neuen Olper Bürgermeister (I)
- Olpe, 23.02.2026
- Politik
- Von Wolfgang Schneider
Olpe. 100 Tage gelten als Zeitraum, in dem ein neuer Amtsinhaber noch Schonfrist hat und sich einarbeiten kann. Dann folgt die erste Zwischenbilanz. LokalPlus hat mit dem neuen Olper Bürgermeister Tobias Schulte (CDU) gesprochen – wegen Karneval nicht nach 100, sondern nach 111 Tagen. Wie seine Startbilanz ausfällt, lest ihr in unserem zweiteiligen Interview.

Herr Schulte, Sie sind jetzt gut dreieinhalb Monate im Amt. Was waren bisher die wichtigsten Aufgaben?
Erst einmal mussten wir den Haushalt hintereinander kriegen, damit wir 2026 handlungsfähig sind. Dann ist da das Thema, dass die Bürgerinnen und Bürger mit dem Service in der Verwaltung nicht so zufrieden sind.
Da haben wir das eine oder andere hinbekommen, dass sich die Servicequalität verbessert. Ich wünsche mir, dass wir die Bürgerhaus-Diskussion bis Mitte des Jahres abgeschlossen haben, weil auch noch viele spannende andere Themen auf uns warten.

Ein Wählerwunsch war mehr Bürgernähe und eine Verwaltung, die sich als Dienstleister versteht. Was ist da bisher umgesetzt?
Bisher ist umgesetzt, dass es geringere Vorlaufzeiten für Termine im Bürgerbüro gibt. Dort wurden personelle und organisatorische Maßnahmen ergriffen. Es sind viele Projekte noch in der Pipeline – beispielsweise unsere telefonische Erreichbarkeit zu verbessern. Da müssen wir noch deutlich besser werden. Wenn man hier anruft, soll man auch jemanden beim ersten Mal an die Strippe bekommen.
Bis Herbst Verwaltungsmitarbeiter, jetzt Verwaltungschef und Politiker. Funktioniert der Spagat oder müssen Sie in die politische Rolle noch mehr reinkommen?
Die politische Rolle ist neu. Da musste die Lernkurve sehr schnell sehr steil gehen. Ich denke, das ist mir gut gelungen, so dass ich sagen würde, der Spagat klappt ganz gut. Ich glaube, dass man in der Kommunalpolitik auf einer Ebene ist, wo alle das gleiche Ziel verfolgen und aufgrund dieser Zielorientierung der Spagat gut funktioniert.
Interpretieren Sie das Bürgermeisteramt eher parteiübergreifend oder eher als Parteiamt?
Ich bin für eine Partei angetreten, ich habe aber in der Vorstellung bei der CDU gesagt, dass ich mich für dieses Amt nicht verbiegen werde. Und in der Vorstellung war auch klar, es gibt viele Schnittmengen, so dass es für mich kein Widerspruch ist. Natürlich bin ich Bürgermeister für alle Bürgerinnen und Bürger. Meine Motivation war und ist, dass ich für Olpe brenne und die Kreisstadt nach vorne bringen möchte.
„Ziel ist es nicht, Parteipolitik zu machen, sondern Ziel ist es, für Olpe das Beste herauszuholen.”
Ich sehe mich als Bürgermeister, der das Ziel verfolgt, das Beste für unsere Kreisstadt zu erreichen. Dazu gehört aber auch, dass man im Stadtrat darüber streitet, was die besten Wege zum Ziel sind. Aber ich glaube, wir sind da auf einem offenen und guten Weg. Ziel ist es nicht, Parteipolitik zu machen, sondern Ziel ist es, für Olpe das Beste herauszuholen.
Rathaus-Neubau und Innenstadtumbau sind zwei Vorhaben, die ehrgeizig und teuer sind. Kann sich die Stadt solche Prestigeprojekte in finanziell schwierigen Zeiten noch leisten?
Es sind keine Prestigeobjekte. Wir waren sicherlich beim Bürgerhaus zu teuer geworden. Deswegen war es richtig, die Reißleine zu ziehen. Wenn wir aber die Quartierentwicklung mit rund 13 Millionen Euro – zu 50 Prozent gefördert – und mit einem kostenreduzierten Bürgerhaus hinbekommen, ist beides für die Kreisstadt Olpe klar stemmbar.
Und für mich auch eine absolute Notwendigkeit, weil es riesige Chancen sind und wir aufpassen müssen, im kommunalen Wettbewerb nicht abgehängt zu werden. Deshalb gilt es jetzt auch die Stadtentwicklung anzupacken. Wir haben lange Jahre darauf hin gespart – und deshalb ein ausdrückliches Ja. Aber kein Rathaus/Bürgerhaus für 49 Millionen – das wird es mit Schulte nicht geben.

Der Rathaus-Neubau ist für Sie gesetzt?
Ein Neubau des Bürgerhauses ist mein klares politisches Ziel. Keine Verwaltung hier in diesem Bestandsgebäude – das ist etwas, was ich immer gesagt habe im Wahlkampf und das ich auch so in der Politik vertrete. Es ist meine feste Überzeugung, dass dieses Rathaus hier städtebaulich und aus vielen anderen Gründe nicht erhaltenswert ist.
