Steinmetz statt Lehrer - der Sprung vom Akademiker zum Handwerker

Marius Bröcher geht neuen beruflichen Weg


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Marius Bröcher mit seinem Gesellenstück mit seinen Chefs Tobias (l.) und Andreas Brüser (r.). von Nicole Voss
Marius Bröcher mit seinem Gesellenstück mit seinen Chefs Tobias (l.) und Andreas Brüser (r.). © Nicole Voss

Olpe. Vom Akademiker zum Handwerker - klingt wie ein modernes Märchen. Für Marius Bröcher ist es wahr geworden. Der 30-Jährige hat seine Ausbildung zum Steinmetz bei Naturstein Brüser in Olpe mit der Note 2 abgeschlossen.


Der Olper hatte zunächst einen anderen Berufsweg eingeschlagen und ein Lehramtsstudium begonnen. Nachdem er als Vertretungslehrer in Teilzeit an der Gesamtschule in Wenden begonnen hatte, merkte er schnell, dass der Beruf nicht das Richtige für ihn ist. „Mir fehlten einfach die praktische Erfahrungen, um einschätzen zu können, ob der Beruf wirklich was für mich ist“, blickt Marius Bröcher zurück.

Er stellte fest, dass er sich umorientieren muss. Das lag nicht an den Schülern und auch nicht an den Kollegen, sondern einfach daran, dass er nicht ausgelastet war. Der Vorsatz, etwas anderes auszuprobieren, war gefasst, wurde aber erst einmal wieder auf Eis gelegt, bis er im Februar 2021 Tobias Brüser, Juniorchef von Naturstein Brüser, bei einer Umzugshilfsaktion bei einem gemeinsamen Freund kennenlernte.

Das erste Übungsstück: Aus einem Felsen fertigte Marius Bröcher einen Würfel. von privat
Das erste Übungsstück: Aus einem Felsen fertigte Marius Bröcher einen Würfel. © privat

Die beiden kamen ins Gespräch und Tobias Brüser gab Marius Bröcher die Möglichkeit, den Beruf des Steinmetzes im Rahmen eines Minijobs kennenzulernen. „Ich habe schnell erkannt, dass er fleißig und begabt ist und Arbeit sieht, ohne, dass man ihm etwas sagen muss“, blickt Tobias Brüser zurück. Marius Bröcher willigte ein und fand ziemlich schnell Gefallen an der körperlichen Betätigung, die ihm als Lehrer gefehlt hatte.

Der Job gefiel dem 30-Jährigen so gut und bereits drei Monate später unterschrieb er den Vertrag und begann im August 2021 mit der Ausbildung. Zu seinen Aufgaben zählten die Fertigung von Grabmalen, Treppen, Mauern und weiteren Außenarbeiten. Sein erstes Übungsstück war ein Würfel aus einem Felsen. Es folgte ein Ausbildungslehrgang in Königslutter in Form und Gestaltung.

Gesunder Schlaf dank neuem Job

„Das Material ist für mich etwas besonderes. Ich hatte vorher nie Berührungspunkte damit und habe richtig Spaß daran gefunden.“ Nach der verkürzten Ausbildung möchte Marius Bröcher als Geselle weiter im Unternehmen tätig sein und trifft damit auch auf die volle Zustimmung von Andreas Brüser. Der Seniorchef hervor hebt: „Wir können immer Mitarbeiter gebrauchen, die keine Angst vor der Arbeit haben.“

Der neue Job hat bei Marius Bröcher noch einen weiteren positiven Effekt: Da er ausgelastet ist, schläft er viel besser und manchmal sogar vor seinem wenige Monate alten Sohn Anton, wie seine Frau Laura schmunzelnd verrät.

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