Sprecherin Linda Sasse gibt Geschichten, Marken und Visionen eine Stimme

Ein besonderer Job und wie er sich verändert


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Linda Sasse aus Lütringhausen hat sich ihre eigene Stimme zu ihrem Beruf gemacht: Sie arbeitet als Sprecherin. von Mira Mikosch
Linda Sasse aus Lütringhausen hat sich ihre eigene Stimme zu ihrem Beruf gemacht: Sie arbeitet als Sprecherin. © Mira Mikosch

Lütringhausen. Erzählen, informieren, berühren – all das kann Stimme. Linda Sasse aus Lütringhausen hat sich ihre eigene Stimme zu ihrem Beruf gemacht. Sie arbeitet als Sprecherin und war bereits in unterschiedlichsten Produktionen zu hören. Über ihren Weg zu diesem besonderen Beruf und darüber, wie sich die Branche gerade durch Künstliche Intelligenz verändert, hat Linda Sasse mit LokalPlus gesprochen.


Die menschliche Stimme ist etwas, das Linda Sasse schon immer begeistert hat. Egal ob singen, Geschichten erzählen, Vorträge halten oder frei sprechen – wenn es darum geht, ihre Stimme einzusetzen, blüht sie auf.

Beruflich führt es die gebürtige Lütringhauserin nach ihrem Studium und einigen journalistischen Erfahrungen zunächst in die Öffentlichkeitsarbeit und PR-Branche. Zwei Jahre lang lebt Linda Sasse mit ihrem Mann sogar in Neuseeland, wo sie für das Nationale Jugendparlament arbeitet.

Eine Reise zu sich selbst

Danach folgt eine Zeit voller Veränderungen: die Rückkehr nach Deutschland, die Geburt der ersten Tochter und die Frage, wie es nun beruflich weitergeht. „Ich hatte noch immer noch dieses Thema Stimme in mir drin“, beschreibt Linda Sasse, stolze Mama von mittlerweile drei Mädchen. „Gleichzeitig hatte ich zu diesem Zeitpunkt aber auch eine total heruntergewirtschaftete Stimme, habe nur noch gekrächzt, wenn ich mal drei Minuten vorlesen habe.“

Vielmehr aus Neugier als mit einem konkreten Plan im Hinterkopf habe sie sich auf die Suche nach Instituten gemacht, die stimmlich ausbilden, und sich dort beworben. Und tatsächlich: Das Sprechstil Atelier, mittlerweile umbenannt in „Rezonant“, hört Potential in ihrer Stimme, sie bekommt einen Platz.

Linda Sasse aus Lütringhausen hat sich ihre eigene Stimme zu ihrem Beruf gemacht: Sie arbeitet als Sprecherin. von Mira Mikosch
Linda Sasse aus Lütringhausen hat sich ihre eigene Stimme zu ihrem Beruf gemacht: Sie arbeitet als Sprecherin. © Mira Mikosch

Von 2017 bis 2018 macht Linda Sasse dort ihre Ausbildung zur Sprecherin. „Ich habe dabei gelernt, wie viel die Stimme über einen Menschen verrät. Und wie sehr du deine eigenen Themen aufräumen darfst, um überhaupt eine tragfähige, echte Stimme zu haben“, beschreibt die 41-Jährige. „Es ist ganz viel innere Arbeit und Persönlichkeitsentwicklung.“

Während die kleine Familie wächst, wagt Linda Sasse den Sprung in die Selbstständigkeit. Einfach sei das nicht gewesen. „Es ist ein Trugschluss zu denken: Ich habe eine schöne Stimme und verdiene direkt Geld damit. Für meine ersten Castings habe ich meine Stimme mit einem Handy im Kleiderschrank aufgenommen“, schmunzelt sie.

Symbolfoto. von pixabay.com / spoiu23
Symbolfoto. © pixabay.com / spoiu23

Auf die ersten Meilensteine, das Einsprechen eines Image-Films für die Hans-Böckler-Stiftung und eine Anfrage von Mitsubishi Electric, folgen weitere große Aufträge. Samsung, Amazon, Asambeauty, Lovoo, Duplo und Bosch. Werbespots, Trailer, Filme. Ihre Stimme im Fernsehen, im Radio und auf Social Media.

Ein langjähriger und treuer Kunde sei mittlerweile unter anderem das Nahrungsergänzungsmittel-Unternehmen Orthomol, für das Linda Sasse eine Art Marken-Stimme geworden sei. „Mein großes Ziel ist es, für TV-Formate zu sprechen“, sagt sie. Denn besonders das Sprechen für Dokumentationen finde sie spannend.

Wie umgehen mit KI?

Natürlich spielt auch ein weiteres Thema für die berufliche Zukunft eine große Rolle: Künstliche Intelligenz. Durch diese verändere sich vor allem die Art der Jobs, beobachtet die Sprecherin. Zum Beispiel sei der Bedarf bei Telefonansagen mittlerweile verschwindend gering, dafür gebe es anderswo größere Aufträge.

Von Kollegen, die Synchronsprecher-Jobs bei Netflix übernehmen, höre sie teilweise, wie sich regelrechte Lager auftun, da der Umgang mit KI die Gemüter spaltet. Die Sorge, dass die eigene Stimme zur Entwicklung von KI verwendet wird, steht dem Interesse gegenüber, mit ebenjenen Jobs Geld zu verdienen.

„Ich will weiterhin entscheiden können, wofür meine Stimme genutzt wird”
— Linda Sasse

„Wahrscheinlich wird es in Zukunft immer weniger Leute geben, die allein vom Sprechen leben können“, vermutet Linda Sasse. Sie selbst betrachtet die Veränderungen durch KI zwar nicht mit großer Angst, jedoch kritisch. „Wenn meine Stimme in einem ganz klaren Rahmen verwendet und irgendwann wieder gelöscht würde, wäre ich bei manchen KI-Verträgen eventuell einverstanden.“ Die Sprecherin betont aber klar: „Ich will weiterhin entscheiden können, wofür meine Stimme genutzt wird.“

Doch egal wohin der Weg in Zukunft auch führt, mit ihrer Stimme würde die 41-Jährige immer weiterarbeiten wollen. Sei es bei Live-Lesungen, der Moderation von Events oder der Stimmarbeit mit anderen Menschen. Möglichkeiten – da ist sie sich sicher – wird es immer geben.

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