Spendenbetrügerin sammelt in Olpe für erfundene Hilfsorganisation
Noch keine Anzeigen bei Polizei
- Olpe, 27.02.2026
- Blaulicht
- Von Wolfgang Schneider
Olpe. Eine dubiose Spendensammlerin ist derzeit offenbar in Olpe unterwegs. In der Facebook-Gruppe „Gerüchteküche Olpe“ wird vor der „jungen Frau – ca. 1,60 Meter groß, schlank, dunkelhaarig“ gewarnt, die angeblich Spenden für behinderte und taubstumme Kinder sammelt. „Scheint 'ne Betrugsmasche zu sein. Immer schön wachsam sein“, heißt es in der Facebook-Gruppe.

Die Vermutung liegt auf der Hand, denn den „Landesverband für behinderte und taubstumme Kinder“, für den sie angeblich sammelt, gibt es überhaupt nicht. Und die Spendenliste, mit der die Frau unterwegs ist, sieht auch eher handgemacht als professionell ist.
Oben sind ein Rollstuhlfahrer-Logo, eine Deutschlandflagge und ein Emblem „Tolerance & Handicap“ zu sehen, darunter wird um Unterstützung für ein „Zentrum mit Kontakten auf nationaler und internationaler Ebene“ gebeten, was immer das sein soll.

Der Polizei ist von dem aktuellen Olper Fall noch nichts bekannt. Gleichwohl kennt Pressesprecher Thorsten Scheen derartige Sammelmaschen aus Erfahrung. Seiner Meinung nach geht es dabei nicht nur ums Sammeln von Geldspenden, sondern auch um Taschendiebstahl. „Die Liste ist auf einem Klemmbrett. Damit wird versucht, das Sichtfeld des Opfers einzuschränken und ihn abzulenken. In dem Moment, wo unterschrieben wird, greifen die Täterinnen und Täter dann zu – und schwupp ist die Geldbörse weg.“
Meist seien es auswärtige Sammlerinnen und Sammler, die auf diese Weise Kasse machen. „Die sind heute in Olpe, übermorgen in Lüdenscheid und am Tag drauf in Siegen unterwegs“, so Scheen.
Tätig werden könne die Polizei nur, wenn sich Betroffene bei der Polizei melden und Anzeige erstatten. Das kann man nicht nur im Fall von Taschendiebstahl tun, sondern auch im Fall vorgegaukelter Spendensammlungen. Denn wenn Geld für erfundene Organisationen gesammelt wird, ist das Betrug.

„Jeder ist seines eigenen Geldes Herr“, meint Scheen und warnt davor, zu blauäugig zu sein und einfach das Portemonnaie zu zücken. Er vermutet, dass Betroffene zwar oft im Nachhinein merken, dass sie auf eine Betrugsmasche hereingefallen sind, sie sich aber trotzdem nicht bei der Polizei melden. „Das ist denen dann selbst peinlich und wegen 10 oder 20 Euro erstatten die keine Anzeige.“

Für den angeblichen „Landesverband für behinderte und taubstumme Kinder“ wird schon seit Jahren in betrügerischer Absicht gesammelt – deutschlandweit und sogar in Österreich und der Schweiz. Mehrere Polizeibehörden und Ordnungsämter haben schon vor den Spendenbetrügern gewarnt. Der gemeinsame Appell: „Sollten Sie Täter an Geschäften oder anderen öffentlichen Plätzen bemerken, kontaktieren Sie bitte die Polizei.“
