"Speeddating" in der Bäckerfachschule

Sieben Italiener suchen Ausbildungsplatz in NRW und stellen sich in der Kreisstadt vor


Die sieben Italiener mit den Vertretern der Bäckereien. von s: Ina Hoffmann
Die sieben Italiener mit den Vertretern der Bäckereien. © s: Ina Hoffmann

Beim "Speeddating" nicht die große Liebe, sondern einen Ausbildungsplatz finden: Mit dieser ungewöhnlichen Idee möchte die Bäckerfachschule Olpe sieben jungen Italienern eine Perspektive ermöglichen.


Im Rahmen des EU-Förderprojekts „MobilPro“ suchten Vertreter der Bäckerfachschule und der „Gesellschaft für Bildung und Beruf“ in Italien nach jungen Menschen, die eine Ausbildung in Deutschland absolvieren möchten. Das Bäckerhandwerk hat schon länger Nachwuchsprobleme, und so suchten Verterer der Bäckerfachschule und der "Gesellschaft für Bildung und Beruf" in der Region Apulien nach neuen Azubis. Dort liegt die Jugendarbeitslosigkeit im Moment bei über 60 Prozent. Für viele ist in ihrer Heimat kein Ausbildungsplatz vorhanden. So fanden sich schnell sieben motivierte Italiener, die den Weg in die Fremde wagten.
Vier Monate Deutsch im Intensivkurs
Die angehenden Bäcker zwischen 20 und 25 Jahren lernten zunächst vier Monate lang in einem Intensivkurs Deutsch, um sich mit ihren zukünftigen Arbeitgebern unterhalten zu können. Schon nach kurzer Zeit konnten alle die Sprachprüfung im B1-Niveau bestehen, was die große Motivation beweist. „Ich bin in Deutschland, um zu arbeiten und zu lernen“, betont die 25-jährige Blenda Palma, die ihre Sprachprüfung mit der Note „sehr gut“ abschloss. Auch wenn sie sehr nervös ist, kann sie schon in der ersten Vorstellungsrunde von sich und ihren Sprachkenntnissen überzeugen. Auch Assunta Pano hat große Ziele: „Ich möchte hier lernen, Brot und Brötchen zu backen. Und irgendwann eine eigene Bäckerei haben. Das ist mein Wunsch“, erklärt er. „Alle Teilnehmer freuen sich sehr auf die neue Herausforderung“, weiß Michael Bartilla vom Bäckerinnungs-Verband Westfalen-Lippe. „Sie sind haben fast alle Abitur gemacht und wollen etwas erreichen. Wir möchten sie nach Kräften dabei unterstützen, ihren Weg zu gehen."
Bildergalerie starten
"Speeddating" in der Bäckerfachschule
Die Vertreter der Betriebe glauben an den Erfolg des Projekts. Viele von ihnen haben eine lange Anreise auf sich genommen, um die Jugendlichen kennenzulernen. Es sind nicht nur regionale Produzenten wie die Bäckereien Vielhaber und Junker aus Sundern vertreten, sondern auch Bäckereien aus Dortmund, Gütersloh, Lünen, Hagen oder dem Münsterland. 16 Betriebe haben sich dazu entschieden, an dem Projekt teilzunehmen, sodass am Ende nur jede zweite Bäckerei einen neuen Auszubildenden unter Vertrag nehmen kann.
Nur jeder zweite Betrieb kann einen neuen Azubi bekommen
„Wir freuen uns sehr über das große Interesse der Bäckermeister. Das bestärkt uns darin, dass dieses Projekt eine gute Sache ist und alle davon profitieren können“, sagt Günter Sieke, der die Jugendlichen vor Ort in Olpe betreut. Nach einer kurzen Vorstellung der Betriebe wird es ernst: Die Jugendlichen und die Bäcker bekommen vier Minuten Zeit, sich zu unterhalten und sich dabei kennenzulernen. Nach dem Gong nehmen die Italiener am nächsten Tisch Platz. Die Jugendlichen wie auch die Vertreter der Betriebe machen sich Notizen. Bewertungskriterien sind unter anderem Sprache, Arbeitserfahrung, Auftreten und Sympathie. Am Ende geben alle ihre ausgefüllten Zettel ab, auf denen sie ihre jeweiligen Lieblingskandidaten ankreuzen können. Am Donnerstag, 7. Juli, werden die Projektbetreuer der Bäckerfachschule die Daten auswerten die Teilnehmer über die Ergebnisse informieren.
Vier Wochen Praktikum zum Start
Die Jugendlichen starten am kommenden Montag, 12. Juli, mit einem vierwöchigen Praktikum in den jeweiligen Betrieben. Im besten Fall sollen alle sieben italienischen Teilnehmer ab 1. August ihre Ausbildung zum Bäcker in NRW beginnen. Wenn das Projekt erfolgreich ist, sollen im kommenden Ausbildungsjahr wieder ausländische Jugendliche Ausbildungsplätze in der Region bekommen.
Die Bäckerfachschule Olpe wird in den kommenden anderthalb Jahren modernisiert und erweitert. Nach sieben Jahren Planung konnte Ende Juni der erste Spatenstich für das neue Wohnheim für die Meisterschüler und eine Modellbäckerei gemacht werden. 65 Prozent der Kosten von 6,2 Millionen Euro werden durch Bundes- und Landesmittel finanziert.
Artikel teilen: