Olper Schulsanitäter trainieren für den Säuglings- und Kindernotfall
Kleine Patienten, große Verantwortung
- Olpe, 16.02.2026
- Schule & Bildung
Olpe. Wie funktioniert Wiederbelebung bei einem Säugling? Wo lauern Gefahren aus Kinderperspektive? Und wie hilft man einem Fünftklässler, Schmerzen zu beschreiben, die er selbst kaum in Worte fassen kann? 15 Schulsanitäterinnen und -sanitäter der St.-Franziskus-Schule haben sich einen ganzen Vormittag lang einem anspruchsvollen Thema gewidmet: Notfälle bei Säuglingen und Kindern.

Beim Fortbildungstag, der mindestens zweimal im Jahr stattfindet, rückten auf ausdrücklichen Wunsch der Schülerinnen und Schüler diesmal Säuglings- und Kindernotfälle in den Mittelpunkt. Vier Schulstunden lang arbeiteten die zertifizierten Sanitäter der Klassen 9 bis EF unter Anleitung von Marcel Münch und Margarete Kubiak, beide Ausbilder des Schulsanitätsdienstes der Malteser und Lehrer an der Schule, hochkonzentriert an einem Thema, das weit über das übliche Pflaster-und-Kühlpack-Repertoire hinausgeht.

Die Schulsanitäter erleben regelmäßig Einsätze, bei denen sich jüngere Mitschüler auf kaum nachvollziehbare Weise verletzen. Der Grund liegt in der Entwicklung:
Bei Neun- bis Zwölfjährigen ist die Wahrnehmung noch eingeschränkt – Schmerzreize werden anders verarbeitet, Entfernungen und Geschwindigkeiten nicht zuverlässig eingeschätzt. Dieses Wissen verändert den Blick der jungen Ersthelfer grundlegend: Aus Kopfschütteln wird Verständnis, aus Ratlosigkeit gezielte Hilfe.

Besonders kreativ wurde es bei den Suchspielen: Die Teilnehmer versetzten sich in die Lage von Säuglingen und Kleinkindern und durchsuchten die Schulbibliothek auf Kniehöhe nach versteckten Gefahrenquellen – Münzen, Feuerzeuge, ungesicherte Steckdosen. Erst aus dieser Perspektive wird spürbar, welche alltäglichen Gegenstände für die Kleinsten zur echten Gefahr werden können.

Doch der Vormittag bot weit mehr: Wiederbelebung, die bei Säuglingen und Kleinkindern nach anderen Regeln funktioniert als bei Erwachsenen. Umgang mit Unterkühlung, Verbrennungen und Überhitzung.

Und eine Frage, die im Schulkontext besonders wichtig ist: Wie betreue ich ein Kind seelisch, das gerade etwas Belastendes erlebt hat? Eine Frage, auf die sich die Schulsanis ausdrücklich einen konkreten Handlungsleitfaden gewünscht hatten.
Die Antwort liefert das sogenannte KASPAR-Schema – sechs Schritte, die ihnen künftig als Leitfaden dienen: Körperkontakt herstellen, über die Situation aufklären, Spielzeug oder ähnliches einsetzen, Papa und Mama holen, vom Geschehen ablenken und Ruhe ausstrahlen. Ein einprägsamer Leitfaden, der den jungen Ersthelferinnen und Ersthelfern hilft, in emotional belastenden Situationen sicher und einfühlsam zu handeln.
Ausbilder Marcel Münch zeigt sich begeistert: „Diese Schülerinnen und Schüler wissen genau, was sie wollen. Sie haben eine absolute Passion, und es ist beeindruckend, wie viel Verantwortung sie in so jungen Jahren übernehmen.“
Was den Schulsanitätsdienst der St.-Franziskus-Schule besonders auszeichnet: Er funktioniert wie eine eigenständige Abteilung. Die Schülerinnen und Schüler schreiben eigene Dienstpläne, koordinieren ihre Einsätze über ein digitales Meldesystem, das die diensthabenden Sanitäter über das Sekretariat per Handy über neue Einsätze informiert, und klären vieles untereinander – wie eine eigene kleine Firma.
Dazu kommen regelmäßige Dienstabende bei den Maltesern. Und es geht weiter: Schon bald stehen die nächsten Fortbildungen auf dem Programm – dann zu den Themen Funken und Blutzucker messen. Außerdem bereiten sich die Schulsanis darauf vor, künftig auch bei den Sportfesten der Schule im Einsatz zu sein.
