Olper Rathaus-Pläne werden konkreter – privater Investor soll übernehmen
Planungsstand und Beschaffungsvarianten
- Olpe, 18.09.2026
- Politik
- Von Wolfgang Schneider
Olpe. Der geplante Neubau des Olper Rathauses beschäftigt Kommunalpolitik und Verwaltung seit vielen Jahren – und hat bekanntlich aufgrund der Kostenexplosion seine Opfer gefordert. Die Baudezernentin wurde abgewählt, der Bürgermeister trat nicht mehr an, die Planungen wurden vorübergehend gestoppt und ein Kostenlimit gesetzt. Jetzt geht es ruhiger weiter – und wird konkreter.

In der Bauausschusssitzung am Mittwoch, 17. September, stellte das Büro bks-Architekten den aktuellen Planungsstand vor. Seit April wurde optimiert, nachjustiert und verschlankt. „Wir versuchen alles, um Einsparungen umzusetzen. Alles wird funktionaler und einfacher“, betonte Architektin Jasmin Möllenberg. Das betrifft Fassade, Treppenhäuser, Brandschutz, Lüftungstechnik und wartungsrelevante Teile.
Ziel ist es, auf jeden Fall unter der von der Politik festgezurrten Kostengrenze von 32,3 Millionen Euro (ohne die am Bau unvermeidlichen Preissteigerungen) zu bleiben. Vom seinerzeitigen Bürgerpark ist nur noch eine Fläche rund ums alte Stellwerkhäuschen geblieben, was Volker Reichel (SPD) zu der Bemerkung veranlasste: „Bürgerpark ist zu hoch gegriffen. Ich rege an, es Bürgergarten zu nennen.“
Im Vergleich zu den bisherigen Plänen wurde das Gebäude gespiegelt, damit es sich mehr in Richtung Innenstadt öffnet. Im Erdgeschoss sind Stadtbücherei, Bürgerbüro, Trauzimmer und Foyer vorgesehen. Im ersten Obergeschoss ist der Ratssaal geplant – etwa so groß wie der im jetzigen Rathaus, aber einen Meter höher. Auf dieser Etage sind außerdem die Büros von Bürgermeister und Beigeordnetem sowie Beratungsräume und soziale Dienste zu finden. Im zweiten und dritten Obergeschoss werden drei Home Bases (Großraumbüros), Schulungsräume, IT und Technik untergebracht.

Die Bauausschussmitglieder nahmen den aktuellen Planungsstand interessiert zur Kenntnis. Abzustimmen gab es nichts – das steht erst am Ende der laufenden Leistungsphase 3 an. Direkt im Anschluss ging es darum, wie das Rathausprojekt am wirtschaftlichsten realisiert werden kann.
Das Kölner Büro DKC Kommunalberatung hatte dazu fünf Varianten detailliert geprüft und bewertet – von der klassischen Eigenrealisierung durch die Stadt als Bauherr bis hin zum „Bestellmietbau“, bei dem ein privater Investor das Erbbaurecht für das Baugrundstück erhält, das Gebäude auf seine Kosten plant, baut und anschließend auch unterhält. Die Stadt mietet in diesem Fall das Rathaus vom Investor.

Michael Schultze-Rhonhof vom Büro DKC kam zu einem klaren Ergebnis: Die Variante ÖPP-Inhabermodell (ÖPP = öffentlich-private Partnerschaft) sei die vorteilhafteste Option. Dabei plant, baut, finanziert und betreibt ein privates Unternehmen das Rathaus, doch das Grundstück bleibt im Besitz der Stadt.
Die Vorteile lägen auf der Hand, so der Experte. Der Unternehmer müsse den Bau finanzieren, seine Bank kontrolliere den Baufortschritt und den Mitteleinsatz genau und die Stadt zahle erst, wenn alles fertig sei. Diese Variante bringe gegenüber der Eigenfinanzierung einen wirtschaftlichen Vorteil von 14,4 Prozent. Man dürfe dem privaten Partner nur nicht zu kleinteilige Vorgaben machen: „Zu viel Detailgenauigkeit schreckt ab. Irgendwann muss es vorbei sein mit den Wünschen.“

Mit neun Ja-Stimmen der CDU gegen zwei Nein-Stimmen bei sechs Enthaltungen sprach sich der Ausschuss für das ÖPP-Inhabermodell aus. Das letzte Wort hat in der kommenden Woche der Stadtrat.
Bürgermeister Tobias Schulte hatte noch eine gute Nachricht. Die acht Millionen Euro Fördermittel, die zugesagt waren und nach den Entwicklungen im vergangenen Jahr bereits verloren schienen, können doch noch fließen, „wenn wir den ambitionierten Zeitplan einhalten und rechtskonform ausschreiben“.
