Musikzug der Feuerwehr Olpe erinnert in voller Kirche an Bombenangriff

„13 Minuten im Frühling – Stille“


  • Olpe, 27.03.2023
  • Kultur
  • Von Miriam Walkenbach
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Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Olpe führte erstmals das neue Werk „13 Minuten im Frühling“ auf. von Miriam Walkenbach
Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Olpe führte erstmals das neue Werk „13 Minuten im Frühling“ auf. © Miriam Walkenbach

Olpe. Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr hat am Sonntag, 26. März, das von Alexander Reuber komponierte Werk „13 Minuten im Frühling – Stille“ uraufgeführt.


Unter der Leitung von Dirigent Andreas Reuber hatten sich die Musiker wochenlang in intensiver Probenarbeit auf das Konzert vorbereitet. Im Stück wird der Bombenangriff auf Olpe am 28. März 1945 verarbeitet, bei dem auch die Martinuskirche schwer getroffen wurde.

Die Zuhörerschaft wurde bereits durch die imposante Kulisse in der Martinuskirche und den musikalischen Auftakt Hidden Light von Kevin Houben, arrangiert von Alexander Reuber, in ihren Bann gezogen.

Dieses Konzert war in vielfältiger Weise besonders: Es galt der Erinnerung an einen der schwärzesten Tage von Olpe, dem Bombenangriff am 28. März 1945, der genau 13 Minuten dauerte und dem über 200 Menschen zum Opfer fielen.

Akribische Recherchearbeit

Das gesamte Konzert wurde nach monatelanger akribischer Recherchearbeit von Alexander Reuber komponiert, Reuber ist Arrangeur, Komponist und selbst Mitglied des Feuerwehrmusikzugs. Zum Arrangement gehörte auch, dass zwischen den einzelnen Stücken nicht applaudiert werden durfte, um die besondere, ergreifende Stimmung nicht zu zerstören und der betonten Stille Raum zu lassen.

Mit seinen Arrangements und Eigenkompositionen verfolgte Reuber die Ziele, vor Krieg zu mahnen und die Gesellschaft wachzurütteln, immer zu bedenken, dass Demokratie, Frieden und Menschenwürde nicht selbstverständlich sind und von jedem von uns bewahrt werden müssen.

Bürgermeister Peter Weber dankte den beteiligten Musikern, Organisatoren und Sponsoren für die Umsetzung dieses bedrückenden Themas in Form eines musikalischen Denkmals. Erinnerungen seien schmerzhaft und bewegend, aber wichtig. Und die Pflicht der heutigen Generationen sei es, dafür einzutreten, dass Unterdrückung und Gewalt keinen Platz haben in der Gesellschaft.

Zeitzeugen kommen zu Wort

Im Anschluss wurde das eigens arrangierte Stück „Maria breit‘ den Mantel aus“ in einer fantasievollen Fassung vorgetragen. Dieser Choral wurde während des Bombenangriffs von Menschen gesungen, die sich in die Schutzbunker flüchten konnten.

In dem anschließenden zehnminütigen Film ließ Andreas Bachmann die Zeitzeugen Inge Steljes, Wilma Ohly und Willi Meier zu Wort kommen, die in bewegender Weise von ihren ganz persönlichen Erlebnissen und Erinnerungen an diesen Bombenangriff erzählten.

Komponist Alexander Reuber, Zeitzeugin Inge Steljes, Dirigent Andreas Reuber, Sprecherinnen Verena Schlösser und Marion van der Wielen (von links). von Miriam Walkenbach
Komponist Alexander Reuber, Zeitzeugin Inge Steljes, Dirigent Andreas Reuber, Sprecherinnen Verena Schlösser und Marion van der Wielen (von links). © Miriam Walkenbach

Schätze aus dem Olper Stadtarchiv in Form von Ton- und Bildmaterial zeigten das Leben vor und nach dem Bombenangriff. Am 28. März 1945 – die Menschen glaubten, der Krieg wäre endlich vorbei – gab es um 9 Uhr 15 den ersten Fliegeralarm und kurz darauf irrtümlich Entwarnung. Viele Menschen waren auf den Straßen unterwegs, um ihre Einkäufe für die Osterfeiertage zu erledigen.

Einmarsch der Amerikaner

Die nächste Warnung kam erst um 10.45 Uhr, nur Minuten vor dem Angriff, da das Meldesystem zwischenzeitlich gestört war. Von 10.54 bis 11.07 fielen mehr als 300 Bomben auf Olpe. Nur wenige Tage später, am 10. April 1945, brachte der Einmarsch der Amerikaner das Ende des Krieges.

Grabmal für die Toten des Bombenangriffs auf dem Kommunalfriedhof Olpe von Miriam Walkenbach
Grabmal für die Toten des Bombenangriffs auf dem Kommunalfriedhof Olpe © Miriam Walkenbach

Das Herzstück des Konzerts, die Komposition „13 Minuten im Frühling – Stille“, ist in fünf Abschnitte eingeteilt, die jeweils einen bestimmten zeitlichen Rahmen und die verschiedenen Stimmungen und Ereignisse darstellen: Adagio, Leben, Katastrophe, Trauma und das abschließende Adagio.

In den ruhigeren Passagen wurde die bedrückende Stimmung zudem durch einzelne Sprecher aus den Zuschauerreihen unterstrichen, die die Sicht der Betroffenen von damals zum Ausdruck brachten.

Nachdem die Stille am Ende des Konzerts einige Minuten nachwirkte, brach sich die Begeisterung des Publikums mit minutenlangem Applaus Bahn. Das rund einstündige Konzert ist Montag, 27. März, ab 19 Uhr noch einmal in einer Sondervorstellung zu hören. Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich.

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