Mehr als 90.000 kinderpornografische Dateien: Mann aus Olpe vor Gericht
Prozessauftakt am Landgericht Siegen
- Olpe, 11.08.2026
- Blaulicht , Verschiedenes
- Von Jana Becker
Olpe/Siegen. Vor der großen Strafkammer des Landgerichts Siegen hat am Dienstag, 11. August, der Prozess gegen einen Olper begonnen. Ihm wird vorgeworfen, kinderpornografisches Material erworben, hergestellt, besessen und verbreitet zu haben – unter anderem auf einer internationalen Darknet-Plattform.

Beim Prozessauftakt in Siegen verlas die Staatsanwaltschaft Köln die Anklage, die 16 Taten umfasst: Dem 55-Jährigen wird vorgeworfen, in mehreren Fällen kinderpornografisches Material der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, besessen und hergestellt zu haben sowie auch jugendpornografisches Material besessen und abgerufen zu haben.
Seit November 2020 soll der Angeklagte unter anderem ein aktives Mitglied der Darknet-Plattform „Alice in Wonderland“ – eine Kinderpornografie-Plattform, die 2024 stillgelegt wurde – gewesen sein. Darüber soll er selbst kinderpornografische Inhalte geteilt haben, in dem Wissen, dass es sich bei der Plattform um einen Angebotsmarkt und Umschlagplatz pedosexueller Inhalte handelte.

So soll er seit November 2020 regelmäßig Fotos auf der Plattform gepostet haben, auf denen Kinder nackt oder nur leicht bekleidet zu sehen waren. Der Fokus dieser Fotografien lag in den meisten Fällen auf den Geschlechtsteilen der Kinder, die teilweise mit sexualisierter Körperhaltung posierten.
Ab 2022 bis 2025 soll der Angeklagte auch regelmäßig unter anderem in Kroatien und an weiteren Orten Fotos mit kinderpornografischen Inhalten gemacht haben. Die abgebildeten Kinder sind zwischen 6 und 16 Jahren alt.
Bei der Wohnungsdurchsuchung des Angeklagten seien dann im Dezember 2025 insgesamt mehr als 85.000 Fotos und 5.500 Videos sichergestellt worden. Die Dateien hatte der Angeklagte auf mehreren Trägern wie einigen Festplatten, mehreren USB-Sticks und Laptops gespeichert.

Auf den gefundenen Aufnahmen sind erneut ganz bzw. teilweise entkleidete Kinder abgebildet, an denen sexuelle Handlungen von erwachsenen Männern ausgeführt werden oder die solche Handlungen an erwachsenen Männern oder sich selbst ausführen.
Der Verteidiger des Angeklagten Rechtsanwalt Martin Kretschmer hatte vor Prozessauftakt beantragt, die weitere Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortzuführen. Die Staatsanwaltschaft hatte keine Bedenken hinsichtlich des Antrags. Die Kammer beschloss nach kurzer Beratung, die Öffentlichkeit für die anschließende Einlassung des Angeklagten zu den Vorwürfen auszuschließen.

Als Grund nannte die Vorsitzende Richterin Sabine Metz-Horst, dass der Schutz der Intimsphäre des Angeklagten sowie der auf den Fotos abgebildeten Personen höher wiege als das öffentliche Interesse.
Der Angeklagte ist aktuell in der JVA Attendorn untergebracht. Für den Prozess sind fünf weitere Verhandlungstage angesetzt, die teilweise auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden könnten. Der nächste Verhandlungstag ist am Donnerstag, 13. August.
