Kinderpornografie-Prozess: Angeklagter war 2013 schon einmal auffällig
„Ich hatte immer Angst, dass etwas passiert“
- Olpe, 19.08.2026
- Verschiedenes , Blaulicht
- Von Jana Becker
Olpe/Siegen. In dem Prozess gegen den Olper, dem vorgeworfen wird, kinderpornografisches Material erworben, hergestellt, besessen und verbreitet zu haben, sind am Mittwoch, 19. August, Zeugen aus dessen persönlichem Umfeld vernommen worden. Dabei wurde u.a. ein erster Verdachtsfall aus dem Jahr 2013 thematisiert.

Am vierten Verhandlungstag (LokalPlus berichtet fortlaufend) sagt vor dem Landgericht in Siegen ein Paar aus, das vor mehr als zehn Jahren gemeinsam mit dem Angeklagten die Ferienfreizeiten des Sportvereins, in dem der Angeklagte ebenfalls tätig war, als Betreuer begleitete.




Von einem „einschneidenden Erlebnis“ 2013 in Italien berichtet die heute 35-jährige Zeugin, die den Angeklagten damals schon „sehr gut und lange als lustigen und herzlichen Menschen“ gekannt habe.
Diese Ansicht habe sich 2013 jedoch „drastisch geändert“. Bei dieser Ferienfreizeit hätten sie und ihr damaliger Freund - und heutiger Ehemann - abends mit dem Angeklagten zusammengesessen, als ihr Freund aus dem Augenwinkel auf dem Laptop des Angeklagten Fotos gesehen habe, die ihn sofort alarmierten. Er habe erkannt, dass es sich dabei um heimlich gemachte und anzügliche Aufnahmen von Kindern handelte.
Später habe er seiner Freundin von seiner Beobachtung berichtet. „Ich bin in diesem Moment aus allen Wolken gefallen“, erzählt sie. Als der Angeklagte unterwegs war, hätten sie dessen Laptop kontrolliert und mehrere Fotos gesehen, die den Verdacht bestätigten. Die Entdeckung filmten die beiden, um später einen Beweis zu haben.

Vor Gericht berichtet das Paar, es habe damals umgehend das Jugendamt und die Polizei informiert. Die Polizei habe allerdings direkt angedeutet, dass es sich um eine Grauzone handeln könnte. Ihnen wurde geraten, die Ferienfreizeit zu Ende zu führen und den Angeklagten nicht darauf anzusprechen. Zurück in Deutschland erstatteten die Zeugen Anzeige bei der Polizei und legten das Beweisvideo vor.
Kurz danach, so berichtet die Zeugin weiter, seien sie von der damaligen Vorsitzenden des Sportvereins zu einem Gespräch eingeladen worden. Das Paar sei davon ausgegangen, dass man gemeinsam über den Angeklagten sprechen wollte. Umso überraschter seien sie gewesen, als dieser ihnen die Tür der Geschäftsstelle öffnete, wo man sich fürs Gespräch verabredet hatte.
„Das ist mir sehr sauer aufgestoßen“, berichtet der Zeuge. Und seine Partnerin fügt hinzu, dass die beiden sich nicht ernst genommen fühlten.
„Es wurde nichts unternommen. Ich hatte eine andere Reaktion erwartet und das wollte ich nicht unterstützen”
Der Angeklagte habe sie „prima Ermittler“ genannt und erklärt, dass die Fotos über das öffentliche WLAN auf dem Campingplatz in Italien auf seinem Rechner gelandet wären. „Der Konsens war eigentlich: Das war nichts Schlimmes“, erinnert sich die Zeugin.

Das Paar habe nach diesem Vorfall den Kontakt zu dem Angeklagten und dem Sportverein abgebrochen. „Es wurde nichts unternommen. Ich hatte eine andere Reaktion erwartet, und das wollte ich nicht unterstützen“, erklärt die Zeugin.
Später habe der damalige Anwalt des Angeklagten - ebenfalls Mitglied im Verein - ihr geraten, nicht mehr über die Situation zu sprechen, da ihr andernfalls eine Verleumdungsklage drohen würde. „Das hat mir Angst gemacht“, gibt sie zu. Auch ihren Partner habe die Situation sehr belastet. „Ich habe das jetzt 13 Jahre mit mir herumgetragen und hatte immer Angst, dass etwas passiert“, sagt er aus.
Im weiteren Verlauf der Verhandlung treten auch vier Mitglieder des Sportvereins in den Zeugenstand. Diejenigen, die mehr mit dem Angeklagten zu tun hatten, beschreiben ihn als offenen, kontaktfreudigen und hilfsbereiten Menschen. Von den Vorwürfen 2013 hatten nicht alle etwas mitbekommen. Ein Vereinskollege, der den Angeklagten besser kennt, berichtet, wie schockiert er über die Vorwürfe sei: „Das macht mich fertig.“

Die damalige Vorsitzende gibt an, sich nicht mehr an die Einzelheiten der Situation vor 13 Jahren zu erinnern. Es habe ein Gespräch gegeben, aber wer dabei war, könne sie nicht mehr genau wiedergeben. Sie sei dazu nie von der Polizei befragt worden und wisse, dass die Ermittlungen damals nichts ergeben hatten. „Die ganze Situation war nicht schön. Aber es war nichts, sonst hätte ich ja etwas unternommen“, sagt sie. Und das habe sie damals nicht, weil es die Lage nicht hergegeben habe.
Im Zeugenstand waren außerdem Familien, deren Kinder der Angeklagte im Urlaub fotografiert haben soll. Wir berichten morgen weiter.
