Fürbitten gegen Krankenhausreform

Gewerkschaftssekretär: Belegschaft und Arbeitgeber ziehen an einem Strang


  • Olpe, 23.09.2015
  • Von Volker Lübke
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    Volker Lübke

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Mit einer Reihe Fürbitten endete die Aktive Mittagspause im St. Martinus-Hospital. von Volker Lübke
Mit einer Reihe Fürbitten endete die Aktive Mittagspause im St. Martinus-Hospital. © Volker Lübke

Krankenhausreform? – so nicht! Im Schulterschluss kritisierten am Mittwoch die Belegschaft des St. Martinus Hospitals und die Geschäftsführung der Katholischen Hospitalgesellschaft Südwestfalen die geplante Krankenhausreform. Mit Rasseln und Trillerpfeifen bewaffnet kam ein Großteil der Belegschaft zur Aktiven Mittagspause zusammen. Rote Postkarten im ganzen Haus machten auf die Aktion aufmerksam.


Krankenhausreform? – so nicht! Im Schulterschluss kritisierten am Mittwoch die Belegschaft des St. Martinus Hospitals und die Geschäftsführung der Katholischen Hospitalgesellschaft Südwestfalen die geplante Krankenhausreform. Mit Rasseln und Trillerpfeifen bewaffnet kam ein Großteil der Belegschaft zur Aktiven Mittagspause zusammen. Rote Postkarten im ganzen Haus machten auf die Aktion aufmerksam. Bereits im Juni waren zahlreiche Krankenpfleger und –schwestern einem Demonstrations-Aufruf der Dienstleistungs-Gewerkschaft verdi gefolgt. „Ihr wart Rekordhalter in der Region“, berichtete Gewerkschaftssekretär Thomas Mehlin. Dem Proteststurm der Krankenhausbeschäftigten schlossen sich am Mittwoch auch die Arbeitgeber an. „Wir ziehen diesmal ungefähr an einem Strang – und zwar in dieselbe Richtung“, so der Gewerkschafter. „Wimbern, Wickede, Altena… die Einschläge kommen immer näher“, mahnte der Geschäftsführer der Hospitalgesellschaft, Wolfgang Nolte. Er habe am Vormittag der parlamentarischen Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Ingrid Fischbach, und dem Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Heider, (beide CDU) ein ganzes Paket an Kritikpunkten mit auf den Weg nach Berlin gegeben. Während die beiden CDU-Politiker am St. Martinus Hospital waren, machte eine Abordnung der Klinik-Belegschaft bei einer großen Kundgebung in Berlin Druck auf die Politik.
Bestand der Kliniken in Gefahr
Geschäftsführer Wolfgang Nolte hob 4 Punkte hervor, die für den Fortbestand der Kliniken und die Versorgung der Bürger elementar wichtig seien: 1) Die Gesetzesreform sehe vor, den Versorgungszuschlag von 0,8 Prozent zu streichen. Nolte: „Das macht für unsere beiden Häuser (Olpe und Lennestadt) zusammen 500.000 Euro aus, die wir an anderen Stellen einsparen müssten.“ 2) Werden die Personalkosten – wie in der Reform vorgesehen – nicht in voller Tarifhöhe berücksichtigt, dann drohe der Katholischen Hospitalgesellschaft Südwestfalen bei 6 Millionen Euro Personalkosten eine Finanzierungslücke von weiteren 600.000 Euro, rechnete der Geschäftsführer vor. 3) Das so genannte Pflegeförderprogramm sehe pro Krankenhaus durchschnittlich 100.000 Euro vor. „Das macht in unserem Fall gerade mal zwei Stellen aus“, sagte Nolte: „Was da als Wohltat verkündet wird, hilft uns überhaupt nicht weiter.“ 4) Auch bei der Finanzierung der Notfallambulanzen sieht der Klinikchef erheblichen Nachholbedarf. Die Kosten für eine ambulante Behandlung liegen bei etwa 100 Euro. „Wir bekommen aber nur 32 Euro erstattet.“ Bei rund 25.000 ambulant behandelten Patienten in Olpe und Lennestadt könne sich jeder leicht ausrechnen, wohin das führe, so Wolfgang Nolte.
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Mit seinem Fazit traf der Geschäftsführer den Nerv der versammelten Krankenhausangestellten: "Es ist äußerst gefährlich, den Beruf in der Pflege durch immer höhere Arbeitsverdichtung und geringe Finanzierung auszuhöhlen." „Die Arbeit mit kranken Menschen darf nicht krank machen“, formulierte Thomas Mehlin in Gewerkschaftsrethorik: „Es ist für jeden sichtbar, wie sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert haben.“ Das sähen längst auch die Patienten und deren Angehörige so, sagte der Verdi-Sekretär. Nach Berechnungen der Gewerkschaft fehlen bundesweit 162.000 Krankenhaus-Kräfte, davon allein 70.000 in der Pflege.
Mehlin rief die Krankenhausmitarbeiter auf, „macht bei Politikern auf allen Ebenen die Klappe auf!“. Bevor Michael Wosnitza, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung, die aktive Mittagspause mit dem gemeinsamen Lied von den „Zehn kleinen Pflegerlein“ schloss, wies er mehr augenzwinkernd auf eine weitere Option hin, „die wir als katholische Einrichtung haben“, und verlas eine Reihe sehr ernst gemeinter Fürbitten. „Damit die Politiker in Berlin uns und unsere Not erhören, hilft anscheinend nur noch beten.“
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