Entscheidung unter Zeitdruck sorgt für Verärgerung im Rat Olpe
SPD und Grüne kritisieren Verwaltung
- Olpe, 25.04.2023
- Politik
- Von Wolfgang Schneider
Olpe. Die Entscheidung ist gefallen: Der alte Bahnhof in Olpe wird wegen hoher Kosten nicht saniert, sondern abgerissen und in gleicher Form neu gebaut (LokalPlus berichtete aktuell). In dem Neubau soll das Stadtmuseum seinen Platz finden. Die Abriss-Entscheidung fiel unter Zeitdruck – und das sorgte in der Sondersitzung des Stadtrates am Montag, 24. April, für Bauchschmerzen bei vielen Ratsmitgliedern.

Bürgermeister Peter Weber erläuterte, warum es so eilt: „Die Entscheidung über den Bahnhof ist wesentlich für die Entwurfsplanung, die für den Förderantrag notwendig ist. Die Deadline für die Antragstellung ist am 30. September. Eine Beschlussfassung in der nächsten Ratssitzung am 20. Juni wäre zu spät, denn dann wird die Entwurfsplanung nicht rechtzeitig fertig. Acht Millionen Euro Zuschuss dürfen wir auf keinen Fall gefährden.“





SPD-Fraktionschef Volker Reichel fühlte sich von der Verwaltung überfahren. „Warum ist kein Mensch aus der Verwaltung auf die Idee gekommen, die Sanierung frühzeitig in Frage zu stellen? Da drängt sich das Gefühl auf, wir sind ein paar Jahre lang hintenrum gehoben worden.“
Zaklina Marjanovic, Fraktionsvorsitzende der Grünen, kritisierte: „Wir fühlen uns veräppelt. Ein Gebäude, das 90 Prozent der Architekten erhalten wollten, reißt man nicht einfach so ab. Ein Nachbau im 1:1-Stil ist eine Farce.“
Der Chef der CDU-Fraktion, Frank Clemens, sah das anders und war für „ganz oder gar nicht“. Clemens: „Der rechte Turm und der Mittelteil sollten ohnehin weg. Wenn nur noch vier Wände vom Südturm stehenbleiben, kann man trefflich diskutieren, ob das Sinn macht oder nicht.“

Marco Kieserling (CDU) sprach für viele Ratsmitglieder: „Was uns ärgert ist die Entscheidung, die uns jetzt auf die Schnelle abgerungen wird. Es fällt mir schwer, zu verstehen, warum man das all die Jahre nicht gesehen hat.“ In Richtung Verwaltung sagte Kieserling: „Ich finde das keine Glanzleistung.“ „Das ist nicht nur keine Glanzleistung, das ist Totalversagen“, ereiferte sich Zaklina Marjanovic.

Uwe Schmidt (UCW) zeigte sich verwundert über Teile der Debatte. „Die Diskussion von jetzt wollte in den letzten Jahren niemand führen“, fand er. Volker Reichel (SPD) verwies auf die Kostenfrage: „Was können und wollen wir uns noch leisten? Wir haben anfangs gesagt, dass das Museum mit ins Rathaus kommt. Dann machen wir das doch. Wenn der Bahnhof abgerissen wird, dann sollten wir ihn nicht neu aufbauen.“

Die technische Beigeordnete Judith Feldner gab sich etwas zerknirscht: „Wir haben immer gesagt, dass eine Sanierung aufwändig wird. Aber in der Ausweglosigkeit steht das erst seit März fest. Der Zeitdruck ist uns bewusst. Wir finden das auch nicht gut.“
Bürgermeister Peter Weber wies Vorwürfe, die Stadt habe sich als Eigentümerin des Bahnhofsgebäudes nicht genügend um die laufende Unterhaltung gekümmert, zurück: „Zwischendurch was am Bahnhof zu machen, hätte uns auch nicht weitergeholfen.“
Am Ende wurde – wie bereits berichtet – mit 22 Ja-Stimmen von CDU, FDP und Teilen der UCW gegen acht Nein-Stimmen (Grüne und SPD) bei vier Enthaltungen (UCW) für den Abriss und 1:1-Neubau des Bahnhofsgebäudes gestimmt.
