63 Wohnungen geplant - Olper Architekt will Rathaus-Umbau statt Abriss

Ratsmehrheit: Idee kommt zu spät


  • Olpe, 30.03.2023
  • Politik
  • Von Wolfgang Schneider
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So stellt sich der Olper Architekt Axel Stracke das zum Wohngebäude umgestaltete Rathaus vor. von Architekturbüro Stracke
So stellt sich der Olper Architekt Axel Stracke das zum Wohngebäude umgestaltete Rathaus vor. © Architekturbüro Stracke

Olpe. 63 Wohnungen in bester Wohnlage in der Olper Innenstadt im (Noch-)Rathaus – das ist die Vision des Olper Architekten Axel Stracke. Durch diese Idee würde der angespannte Mietwohnungsmarkt in Olpe etwas entlastet und der Stadt blieben Abrisskosten in Millionenhöhe erspart.


Am Mittwochabend, 29. März, stellte Stracke seine Pläne auf Antrag der Grünen in der Olper Stadtverordnetenversammlung vor. Entscheidungen wurden nicht getroffen, doch es wurde deutlich: Für die Mehrheit im Rat kommt der Vorschlag zu spät und sie möchte nicht, dass das Rathaus stehen bleibt und die Stadtentwicklung stört.

Noch mindestens 50 Jahre

Strackes Plan ist es, dass alte Rathaus nach dem Auszug der Verwaltung (ca. 2026) völlig zu entkernen und nur das Stahlbetonskelett zu erhalten. „Das ist der Schlüssel für mindestens 50 Jahre weitere Nutzung“, so der Architekt. Er will neue Fenster einsetzen, das Gebäudeinnere mit Trockenbauwänden flexibel gestalten, eine Beheizung mit Erdwärme installieren und Photovoltaik an Fassade und Dach anbringen. Die Wohnungen sollen vorgesetzte Balkone erhalten und in den zehnstöckigen Bau zwei weitere Aufzüge eingebaut werden.

Im Erdgeschoss sind Wohnungen von 60 bis 93 Quadratmetern Größe vorgesehen und im ersten Stock (Ratsetage) ein ambulant betreutes Wohnen mit 16 kleinen Wohnungen. Für die Obergeschosse zwei bis neun plant Stracke jeweils fünf Wohnungen von 45 bis 62 Quadratmetern Größe.

Nachhaltige Nutzung

Er rechnet mit Umbaukosten von 1.500 bis 3.000 Euro je Quadratmeter und möchte das Rathaus per Erbpachtvertrag von der Stadt bekommen. Stracke kalkuliert mit Mieten von 10 bis 12 Euro/Quadratmeter. „Drunter wird es nicht machbar sein.“

Grünen-Fraktionschefin Zaklina Marjanovic lobte Strackes Plan. Dadurch spare die Stadt viel Geld für den Abriss und das erst 45 Jahre alte Gebäude könne weiter genutzt werden. Im Sinne von Nachhaltigkeit und Klimaschutz werde viel Beton und Stahl weiterverwendet statt entsorgt. Marjanovic: „Wir haben nie über den Abriss des Rathauses entschieden, sondern nur über den Neubau.“ Ihr Fraktionskollege Matthias Koch meinzte, die Option zum Erhalt des Rathauses solle im freiraumplanerischen Wettbewerb vorhanden sein.

Insolvenzruine möglich?

SPD-Fraktionsvorsitzender Volker Reichel forderte eine unvoreingenommene Prüfung des Vorhabens und wünschte sich eine Machbarkeitsstudie. Reichel hatte auch die Finanzen im Blick: „Uns laufen die Kosten davon auf inzwischen über 30 Millionen Euro. Wir sparen durch die Idee viel Geld. Das ist eine Chance für den städtischen Haushalt.

Aus den Reihen der CDU-Mehrheit kamen dagegen andere Töne. Die Idee komme angesichts des fortgeschrittenen Stadiums des Innenstadtumbaus zu spät, fand Thomas Primavesi. „Irgendwann müssen wir Entscheidungen treffen und die Sache nicht weiter vor uns herschieben.“ Primavesi warnte auch vor den Risiken bei einem wirtschaftlichen Scheitern von Strackes Projekt: „Dann haben wir im schlimmsten Fall eine Insolvenzruine hier stehen.“

Rathaus steht Ideen im Weg

„Die städtebauliche Verbindung zwischen Marktplatz und dem neuen Quartier ist uns wichtig“, so Uwe Schmidt (UCW). Das Rathaus stehe der Stadtentwicklung im Weg. Neue Wohnungen könne man auch in direkter Nachbarschaft bauen - nach dem Abriss von Parkhaus und Realschule. Schmidt: „Seit zehn Jahren hat niemand den Erhalt des Rathauses gefordert. Diese Idee kommt zur Unzeit.“ Martin Moseler (FDP) fand ebenfalls, der Erhalt sei keine Option.

Rüdiger Schnüttgen (CDU) verwies auf das städtebauliche Entwicklungskonzept. Wichtig sei das „magische Dreieck“ zwischen Marktplatz, Bigge und neuen Quartieren. Schnüttgen redete Tacheles: „Das Rathaus steht diesen Ideen im Weg.“

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