„13 Minuten im Frühling – Stille“
Musikalische Erinnerung an Bombenangriff auf Olpe
- Olpe, 01.02.2022
- Kultur
- Von Sigrid Mynar
Olpe. Bereits der Titel weist jeden geschichtsbewussten Olper darauf hin, dass die Komposition von Alexander Reuber mehr ist als eine Filmmusik oder ein virtuoses Arrangement für Blasmusik. Das Werk für großes sinfonisches Blasorchester wurde anlässlich des 75. Jahrestags des Bombenangriffs auf Olpe in Auftrag gegeben. Die Komposition und die dazugehörige multimediale Begleitung werden als LEADER-Projekt und durch die Sparkasse Olpe gefördert.

Die Hintergründe, den Projektstand und die weiteren Planungen stellten Bürgermeister Peter Weber, Sebastian Römer (Musikzugführer der Freiwilligen Feuerwehr Olpe) und Andreas Reuber (Dirigent des Musikzugs) gemeinsam mit dem Komponisten Alexander Reuber am Montagnachmittag, 31. Januar, im Olper Rathaus vor.
Peter Weber schilderte, dass der 75. Jahrestag des Bombenangriffs eigentlich am 28. März 2020 in besonderer Weise begangen werden sollte. Die Corona-Pandemie bremste damals alle Planungen aus. Aber Sebastian Römer hatte, gemeinsam mit „seinen Reubern“, wie er sagte, die Idee, ein musikalisches Denkmal und zugleich Mahnmal zu schaffen für den Tag, als die Katastrophe über Olpe hereinbracht.

Der Komponist Alexander Reuber beschrieb seine anfänglichen Bedenken, wie ein junger Mensch, der diese Zeit nicht miterlebt habe, die Ereignisse künstlerisch umsetzen solle. Den geschichtlichen Kontext erwarb sich Reuber durch umfangreiche Recherchen und mit Unterstützung im Stadtarchiv Olpe.
Ihm sei schnell klar geworden, dass das Werk weit über eine bloße musikalische Beschreibung der Katastrophe hinausgehen müsse. Sein Anspruch sei gewesen, die Emotionen der Menschen damals in Töne und Klänge zu verwandeln. Bei einer Freitagabendprobe habe er zunächst den zumeist jungen Musikern seine Gedanken zur Entstehung des Musikwerks und die schrecklichen Geschehnisse des Tages nahe gebracht.

Und dann habe das Orchester erlebt, was mit moderner Computertechnik möglich sei: Zum ersten Mal hätten sie das Werk als sogenanntes MIDI Mockup mit Texten, die von Michael Ohm eingesprochen wurden, gehört. Dazu seien Bilder vom zerstörten Olpe gezeigt worden.

„Als die letzten Töne verklungen waren, war es totenstill im Probenraum. Einige der tief ergriffenen Musiker hatten Tränen in den Augen und es dauerte eine Weile, bis sie die Arbeit von Alexander Reuber mit langanhaltendem Applaus würdigten“, berichtet Sebastian Römer.




„Dass es sich bei Alexanders Werk um Höchststufenliteratur handelt, war zu erwarten“ bestätigt Dirigent Andreas Reuber. „Er kennt die Leistungsfähigkeit des Musikzuges sehr gut. Die Schwierigkeit des Werkes erwächst jedoch nicht allein aus der Technik oder den Harmonien. Es geht weit über den Charakter einer sinfonischen Dichtung beziehungsweise eines Tongemäldes hinaus.“
Das 30-minütige Werk gliedert sich in fünf Teile: Adagio, Leben, Katastrophe, Trauma und Abgesang. Neben der musikalischen Arbeit in den Orchesterproben werde nun an der multimedialen Aufbereitung gearbeitet, die vom renommierten Filmemacher Andreas Bachmann begleitet werde.
Peter Weber, selbst ehemals aktiver Musiker im Musikverein Neuenkleusheim, freute sich über ein Exemplar der Noten. Wann und wo die Uraufführung stattfinden wird, ist noch nicht klar. Vermutlich im Jahr 2023 und vielleicht in Verbindung mit dem Jahrestag, so hoffen die Mitwirkenden.
