Nachrichten Wirtschaft
Wenden, 02. Dezember 2018

Peter Quast setzt auf Bio-Anbau bei Weihnachtsbäumen

Ökozertifizierte Tannen aus Scheiderwald zieren deutsche Wohnzimmer

Landwirt Peter Quast baut in Scheiderwald biozertifizierte Tannen an, die deutschlandweit als Weihnachtsbäume die Wohnzimmer zieren.
Landwirt Peter Quast baut in Scheiderwald biozertifizierte Tannen an, die deutschlandweit als Weihnachtsbäume die Wohnzimmer zieren.
Foto: Ina Hoffmann
Scheiderwald. Mehrere Hundert Menschen besuchen an jedem Adventswochenende das Weihnachtsdorf der Familie Quast in Scheiderwald, um den perfekten Baum für das Fest auszusuchen. Hier wird beim Anbau der Tannen auf Bio gesetzt: keine Pestizide, keine Insektizide, nur organischer Dünger und ein waldähnliches Klima helfen dabei das Trinkwasser zu schützen und den Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu erhalten.

Der gelernte Landwirt Peter Quast leitet in fünfter Generation das Familienunternehmen in Scheiderwald. Sein Großvater baute seinerzeit Rotfichten an; sein Vater Nordmanntannen und Blaufichten. „Die Nordmanntannen sind immer noch sehr beliebt als Weihnachtsbäume. Die Nadeln stechen nicht und die Äste sind stabil genug für den schweren Baumschmuck. Die Blaufichten duften schön, und die Nobilistannen, die wir als Hochwald angelegt haben, nadeln wenig und eignen sich auch gut als Schnittgrün“, erklärt Peter Quast.
Wer glaubt, ein Weihnachtsbaumverkäufer habe nur in der Adventszeit zu tun, irrt sich: die Bio-Bäume bedeuten das ganze Jahr über Arbeit. Im Frühjahr werden neue Bäume gepflanzt, damit stets gleichbleibend viele Bäume in den Schonungen wachsen und der Bedarf an Tannenbäumen gesichert bleibt. „Die vierjährigen Setzlinge, die wir pflanzen, erhalten wir von einer Bio-Baumschule in Darmstadt. Diese Bio-Setzlinge sind etwa doppelt so teuer wie andere. Bei uns wachsen die Tannen noch acht Jahre lang bis sie groß genug sind, um ein Weihnachtsbaum zu werden“, so der Landwirt.

Nach dem Pflanzen der Setzlinge steht der Korrekturschnitt bei den älteren Tannen an, damit sie schön gerade wachsen. „Wenn ein Baum beispielsweise zwei Spitzen hat, kann man das noch regulieren, sodass er dann mit einer Spitze weiter wächst. Die Breite der Tanne wird bei den Arbeiten ebenfalls eingekürzt“, so Peter Quast. 250 Schafe halten das Gras kurzUnd auch das Gras in den Schonungen muss kurz gehalten werden, damit die Tannen genügend Licht zum Wachsen bekommen. Dabei helfen dem Landwirt seine Shropshire-Schafe. Die Tiere sind in 15 Herden aufgeteilt und können so in jeder Schonung eingesetzt werden. „Das ist die einzige Art, die die jungen Triebe der Tannen nicht anknabbert“, erklärt Peter Quast die Wahl der Schafrasse. Und die Tiere verteilen ganz nebenbei natürlichen Dünger, der den Bäumen beim Wachsen hilft.

Denn die Bäume aus Peter Quasts Schonungen sind seit 2013 nach EU-Verordnung Ökologischer Landbau und GlobalGap zertifiziert. Schon seit zwanzig Jahren verzichtet Peter Quast freiwillig auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und anderen chemischen Helfern -  aus Überzeugung. Alle Tannen stammen aus einer nachhaltigen, biologischen Bewirtschaftung. Die Bäume werden nicht mit Pestiziden, Herbiziden oder Kunstdünger behandelt.
Allein organischer Dünger in Pellettform aus Schweineborsten, Hühnerfedern oder Horn wird in den Schonungen eingesetzt. Auch die Tiere, von denen dieser Dünger gewonnen wird, müssen bio-zertifiziert sein. „Durch diese Maßnahmen herrscht in den Schonungen waldähnliches Klima. Zwischen den Tannen wachsen sogar Kräuter. All das schützt unser Grundwasser und somit auch unser Trinkwasser. Außerdem helfen wir so beim Erhalt des Lebensraums für Insekten und Vögel“, erklärt Peter Quast.

Jedes Jahr wird genau kontrolliert, ob die Bio-Landwirte auch wirklich keine verbotenen Mittel einsetzen. „Da gibt es strenge Kontrollen, manchmal sogar zusätzliche unangemeldete. Ich muss zum Beispiel dokumentieren was geerntet und nachgepflanzt wird. Allein für die GlobalGap-Zertifizierung müssen Jahr für Jahr 500 Fragen beantwortet werden“, so der Landwirt. Bio-Anbau aus Überzeugung„Manche wundern sich, wenn sie sehen, dass wir Bio-Bäume verkaufen, und sagen, sie wollen die Tannen ja nicht essen. Viele machen sich leider keine Gedanken darüber, was es für die Umwelt bedeutet, wenn die Bäume gespritzt werden.“ Darüber kann der Bio-Anbauer nur den Kopf schütteln.

Umso mehr freut er sich, dass sich viele junge Leute Gedanken um den Umweltschutz machen und Bio-Bäume kaufen. „Wir haben jedes Jahr Neukunden, die teilweise eine weite Anreise in Kauf nehmen, um einen Weihnachtsbaum bei uns zu kaufen. Im vergangenen Jahr kam sogar ein Paar aus Schleswig-Holstein zu uns“, verrät der Landwirt. Seit Mitte November sind der gelernte Landwirt und seine Helfer mit der Ernte der Tannen beschäftigt. Täglich acht Stunden sind die Männer in den Schonungen bei der Arbeit. „Ich habe nicht nur Schonungen mit 20 Hektar Weihnachtsbäumen, sondern auch noch Land- und Forstwirtschaft und eine Milchviehhaltung. Bis alles erledigt ist, kann mein Arbeitstag auch schon mal 17 Stunden dauern“, verrät der Landwirt. Und das bei jedem Wetter.

Einige der geernteten Bäume werden in angelieferte Container verpackt und abgeholt. Denn die Bio-Weihnachtsbäume aus Scheiderwald sind nicht nur vor Ort auf dem Hof zu bekommen, sondern sind deutschlandweit in Baumärkten erhältlich. Am ersten Adventswochenende startete in Scheiderwald der Weihnachtsbaumverkauf. Mehrere Hundert Besucher kommen an jedem Wochenende auf den festlich geschmückten Hof, um hier ihren Weihnachtsbaum zu finden. Einen bereits geernteten Baum kaufen, eine Tanne mit Wurzeln im Topf oder selbst einen Baum in der Schonung über der Tiroler Hütte schlagen, was besonders Familien mit Kindern gerne nutzen – hier ist für jeden Weihnachtsliebhaber eine passende Tanne dabei. Im kommenden Jahr integriertes KrippenmuseumUm das Erlebnis „Weihnachtsbaumkauf“ abzurunden und sich nach dem Ausflug in den Wald wieder aufzuwärmen, werden in der Scheune und der Tiroler Hütte am Wochenende Glühwein, Kakao, Waffeln, Bratwürste und vieles mehr angeboten.

Erstmals zeigt Martin Butzkamm, seit 40 Jahren passionierter Krippenbauer, einige Stücke aus seiner Sammlung im Scheiderwalder Weihnachtsdorf. Im kommenden Jahr wird er auf 100 qm ein Krippenmuseum ausstellen. Dann können die Besucher seine handgemachten Krippen und Weihnachtsdörfer aus Holz bewundern, die mit Licht und Landschaftsmalereien im Hintergrund in Szene gesetzt werden.

Auch wenn Weihnachten nie überraschend kommt, stehen manchmal sogar am Heiligabend noch Kurzentschlossene vor Peter Quasts Tür, um noch einen Tannenbaum zu bekommen. „Aber auch denen kann noch geholfen werden“, schmunzelt Peter Quast.
Ein Artikel von Ina Hoffmann

Bildergalerie: Ökozertifizierte Tannen aus Scheiderwald zieren deutsche Wohnzimmer