Nachrichten Wirtschaft
Wenden, 31. Januar 2018

Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie

Ganztägige Warnstreiks der IG Metall in Wenden

Die Streikenden zündeten Pyrotechnik zum Auftakt der 24-stündigen Arbeitsniederlegung.
Die Streikenden zündeten Pyrotechnik zum Auftakt der 24-stündigen Arbeitsniederlegung.
Foto: privat
Wenden. Weil die Einigung in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie ausblieb, hatte die IG Metall am Samstag ganztägige Warnstreiks angekündigt. In Nordrhein-Westfalen haben die ersten Metaller in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch die Arbeit niedergelegt, mit der Frühschicht folgten die nächsten. Wie die Gewerkschaft mitteilt, soll am Mittwoch landesweit in insgesamt 30 Betrieben ganztägig gestreikt werden. Das ist auch in einer Firma in Wenden der Fall.
Mit Beginn der Frühschicht um 6 Uhr ist bei der EMG Automation GmbH wie angekündigt ein ganztägiger Warnstreik eingeläutet worden. Für den späten Nachmittag hat die Gewerkschaft in Person von André Arenz, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Olpe, eine Pressekonferenz einberufen, die auf dem Werksgelände stattfinden soll.

Die Stimmung unter den Streik-Teilnehmern, die Zufahrten und Werkstore versperrt hätten, sei gut und entschlossen zugleich, teilte Arenz am Mittwochmittag mit. „Wir können den Arbeitgebern nur empfehlen, dass sie sich bewegen und endlich eine vernünftige Tariflösung anbieten. Die Arbeitnehmer sind entschlossen, ihre Interessen durchzusetzen“, so der Bevollmächtigte. Für Donnerstag kündigte Arenz zudem einen weiteren Warnstreik im Raum Olpe an.
Andre Arenz (links) bei einer frühmorgendlichen Ansprache an die Streikenden.
„Reaktion auf unzureichendes Angebot“ In einer am Dienstag veröffentlichten Pressemitteilung der Gewerkschaft hatte Knut Giesler, IG Metall-Bezirksleiter für NRW, erklärt: „Diese ganztägigen Warnstreiks sind die Antwort auf das völlig unzureichende Angebot der Arbeitgeber. Im Gesamtvolumen lag es deutlich unter dem verteilungsneutralen Spielraum. Das ist keine Wertschätzung für den großen Einsatz der Beschäftigten in der Branche, sondern eine Provokation. Außerdem lässt das Verhalten der Arbeitgeber bei den arbeitszeitpolitischen Forderungen jeden Respekt für die persönlichen Bedürfnisse und Nöte der Beschäftigten vermissen.“ Die Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaft und dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall sind seit längerem festgefahren. Die IG Metall fordert unter anderem sechsprozentige Lohnerhöhungen und die Möglichkeit für Arbeitnehmer, die Arbeitszeit auf 28 Stunden pro Woche reduzieren zu können. Darauf will sich die Arbeitgeberseite jedoch nicht einlassen. Wie die „Tagesschau“ am Mittwochmorgen meldete, wollen sich die Arbeitgeber vor Gericht gegen den Warnstreik wehren. Die regionalen Verbände in Bayern, Berlin, Brandenburg und Sachsen hätten die IG Metall bereits auf Unterlassung der Warnstreiks und auf Schadensersatz verklagt; weitere Verbände könnten folgen.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

Bildergalerie: Ganztägige Warnstreiks der IG Metall in Wenden