Nachrichten Wirtschaft
Olpe, 22. November 2017

Lagerverkauf in der Schützenhalle

Schnelle Schnäppchenjagd mit Stressfaktor in Sondern

Schnelle Schnäppchenjagd mit Stressfaktor in Sondern
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Sondern. Der ein oder andere Verkehrsteilnehmer, der am Dienstag, 21. November in Sondern unterwegs waren, dürfte sich die Augen gerieben haben. Menschen aus pilgerten aus allen Himmelsrichtungen zur Schützenhalle. An den Straßenrändern parkten – Stoßstange an Stoßstange – Autos, den Nummernschildern zufolge nicht nur aus dem Kreis Olpe. Und dann war da noch die lange Schlange, die sich mittags direkt vor dem Eingangsbereich der Halle bildete. Der Auslöser? Der „Spazio“-Lagerverkauf.

Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben darauf spezialisiert, Top-Marken bei Lagerverkäufern zu besonders niedrigen Preisen zu verkaufen. Als aktuell besonders heiß sind die Klamotten des Essener Labels „naketano“, die auch bei den Schnäppchenjägern in Sondern besonders gefragt waren. Schon im Vorfeld des Verkaufs hatte sich über Facebook angedeutet, dass der Lagerverkauf in Sondern auf großes, sehr großes Interesse sogar stoßen würde. Immerhin waren bis zu 70 Prozent Preisnachlass angekündigt. Da waren die Schnäppchenjäger auch gerne bereit, im Regen auf den Einlass zu warten.

Und da wiederum zeigten sich die Sondener Schützen pfiffig. Sie hatten direkt neben dem Eingang ein Zelt mit Sitzplätzen aufgebaut. Bei warmen Getränken und frischen Waffeln nämlich fällt das Warten leichter. „Die erste Kundin war sogar schon um 9 Uhr hier“, sagte Hauptmann Mike Schmitt, der die erste Verpflegungsschicht übernommen hat. „Sie hatte sich schlichtweg in der Zeit vertan.“ Ansturm auf die Verkaufstische Geöffnet wurde erst um 12 Uhr. „Wir benötigen die Zeit vorher einfach für den Aufbau“, erklärte einer der Mitarbeiter. Pünktlich öffneten sich die Hallentüren dann auch – und der Ansturm ging los. Für das ungeschulte Auge ein mächtiger Ansturm, für die Mitarbeiter dagegen Routine. „Manchmal können wir die Kunden nur in Etappen in die Halle lassen“, sagte ein Mitarbeiter.
Auf langen Tischreihen waren Pullover und Jacken für „sie“ und „ihn“ ordentlich sortiert. Diese Ordnung allerdings hielt keine Minute. Es wurde gesucht, gewühlt und gesichert. „Ich nehme erst mal mit, was infrage kommt, und dann wähle ich aus“. Diese Antwort gab jeder Schnäppchenjäger, er mit mindestens fünf bis zehn Oberteilen durch die Tischreihen streifte.

Für die meisten scheint es nicht das erste Mal bei einem Lagerverkauf zu sein. Sie wissen, wie es funktioniert. Nach dem Ansturm auf die Tische folgte dann auch recht schnell der Ansturm auf die Umkleidekabinen. Die reichten natürlich bei weitem nicht aus bei der Menge an Schnäppchenjägern.  Das störte allerdings die wenigsten, denn einen Pulli oder eine Jacke kann man auch schnell mal eben überziehen, um zu sehen, ob das Kleidungsstück passt. Vom Eingang zur Kasse in 15 Minuten Es dauerte kaum eine Viertelstunde, da waren die ersten Schnäppchenjäger auch schon an der Kasse. Sie hatten gezielt gekauft. Und mit Blick auf den Preis haben sich das Anstehen vor der Halle und die Vorbereitung auf den Lagerverkauf gelohnt angesichts des Rabattes. Und ein Klischee bewahrheitete sich auch an diesem Dienstag: Hauptsächlich sind es Frauen, die in ihrem Element sind. Vereinzelt waren auch Männer mit dabei. Ihre Aufgabe: die schon mal gesicherte Ware halten und weitere ausgewählte Kleidung tragen. „Ist ja auch was für ihn dabei“, sagte eine Schnäppchenjägerin. Die meisten wirkten glücklich und zufrieden, wenn sie nach dem erfolgreichen Einkauf von Pullis und Jacken in allen Farben, Formen und Größen wieder vor der Schützenhalle auftauchen. Manche wirkten auch ein wenig erschöpft, kamen mit geröteten Gesichtern wieder ins Freie. Schnäppchenjagd mit Stressfaktor. „Es hat sich gelohnt“, erzählte eine freudestrahlende Kundin.Hartnäckige Mehrfach-Schnäppchenjäger Der ein oder andere genehmigte sich noch einen Kaffee und eine Waffel am Stand der Schützenbrüder, denn Shopping kann schließlich anstrengend sein – vor allem im Lagerverkauf. Das blieb am Dienstag so und dürfte auch am Mittwoch und Donnerstag genau so weitergehen. Und der ein oder andere dürfte sich erneut anstellen und durch die Tische wühlen. „Manche“, erzählt eine Kassiererin, die schnell und routiniert die Geldscheine zählt – hier wird nämlich ausschließlich bar bezahlt –, „kommen an allen drei Tagen, wenn wir im Ort sind, und kaufen ein.“
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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