Nachrichten Wirtschaft
Lennestadt, 24. Juni 2018

Dr. Uwe Silberberg, Geschäftsführer der Pontax GmbH, im Interview

Strahlenschutz aus Halberbracht wird in ganz Europa verwendet

Dr. Uwe Silberberg (2. von rechts) und sein Team.
Dr. Uwe Silberberg (2. von rechts) und sein Team.
Foto: FACT
Halberbracht. Aus Halberbracht in die weite Welt: Die Firma Pontax GmbH entwickelt Strahlenschutzkabinen, die in ganz Europa eingesetzt werden. Damit hat sich das Unternehmen zu einem Marktführer entwickelt. Welchen Strahlungen der Mensch ausgesetzt ist und welche Lösungen seine Firma anbietet, hat Geschäftsführer
Dr.-Ing. Uwe Silberberg im Gespräch mit LokalPlus-Mitarbeiterin Kerstin Sauer erklärt.
Seit wann gibt es die Firma „Pontax“?

Pontax wurde 1978 in Köln von Udo Plietzsch gegründet, zunächst als Vertriebsgesellschaft für Baryt /Schwerspat (BaSO4), der im Bergwerk Meggen der Sachtleben GmbH produziert wurde. Baryt wurde und wird unter anderem als Gesteinskörnung für schwere Betone eingesetzt. Dieser schwere Beton ist besonders prädestiniert für den Einsatz als Abschirmbeton gegen ionisierende Strahlung.

Die Firma „Pontax“ beschäftigt sich mit dem Bau von Strahlenschutzkabinen. In welchen Bereichen werden diese zum Beispiel eingesetzt?

Pontax ist seit 40 Jahren das Spezialunternehmen auf dem Gebiet des bautechnischen Strahlenschutzes in der Medizin, Forschung und Industrie. Wir erarbeiten komplette Strahlenschutzlösungen, basierend auf individuell abgestimmten Abschirmwertberechnungen, unter Auswahl der technisch und wirtschaftlich optimalen Abschirmmaterialien.

Unser Leistungsspektrum umfasst das Engineering, die Lieferung der Spezial-Baumaterialien und der Strahlenschutztore, die Ausführung von Abschirmarbeiten sowie die schlüsselfertige Erstellung von Strahlenschutzbunkern und –kabinen als Neubau oder als Ertüchtigungs-/ Umbaumassnahme.

Seit 2003 bauen wir Strahlenschutzbunker und -kabinen schlüsselfertig. Diese werden eingesetzt  

in der Medizin

  • als Therapieräume für die medizinische Strahlentherapie (Krebs-Tumor-Bestrahlung)
  • für Röntgenanlagen der diagnostischen Radiologie
in der Forschung
  • als Strahlenschutzkabinen für Versuche z.B. an Ringbeschleunigern (Hamburg, Bonn, Karlsruhe)
  • für Teststände der ‚Freie-Elektronen-Laser‘-Technologie (Hamburg, Berlin)
  • für Neutronenanlagen-Versuchsstände (Berlin)
  • für Roboter-CT- und herkömmliche CT-Prüfstände
in der Industrie
  • als Strahlenschutzkabinen für die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung mit Röntgenstrahlern, Linearbeschleunigern und radioaktiven Isotopen
  • Hochspannungsschaltanlagen
  • für die industrielle Tomographie (3-D-Darstellung)
„Pontax“ hat 2002 das erste bodenläufige Strahlenschutztor für einen labyrinthlosen LINAC-Therapieraum in Vechta gebaut. Für den Laien: Was hatte es damit auf sich?

Bis zur Jahrtausendwende wurden Therapieräume für die Krebsbehandlung (Medizinische Strahlentherapie, „Bestrahlung“, Radioonkologie) fast durchgängig als Bunker bezeichnet und auch als solche gebaut. Unter der Erde, ohne natürliches Licht, architektonisch nahezu ausschließlich unter technischen Gesichtspunkten konzipiert.

Erst danach wurden diese Räume auch unter dem Aspekt der ‚Menschlichkeit‘ und Patientenfreundlichkeit betrachtet. Gestaltung und Licht- sowie Farbatmosphäre wurden sorgfältiger betrachtet. Wesentlicher Punkt für eine patientenfreundliche Gestaltung der oft bewegungseingeschränkten Tumor-Patienten ist seitdem auch der kurze Zugangsweg zur Behandlung, der durch ein völlig neues Layout halbiert wurde.

Aufgrund dieser Umgestaltung wurde das bisher an einer Schiene aufgehängte Tor mit kompliziertem Ketten- bzw. Riemengetriebenen Antrieb abgelöst durch einen ‚Wandabschnitt auf Rädern‘, ein Tor aus dem gleichen Abschirmmaterial wie die Wände, das auf einer Bodenschien läuft. Der Durchgang zum Therapieraum ist bodengleich, ohne Stolperschwelle.
Dr. Uwe Silberberg.
2003 folgte der Bau des ersten schlüsselfertigen Strahlentherapieraums. Was kann man sich darunter vorstellen?

Seit 2003 stellt Pontax Therapieräume schlüsselfertig, also ‚aus einer Hand‘ her. Wir sind alleiniger Auftragnehmer des Bauherrn, also des Krankenhauses oder des behandelnden Arztes. Wir planen, konstruieren und bauen Strahlentherapierräume (wie auch alle übrigen Strahlenschutzräume, -bunker und -kabinen für die Medizin, Forschung und Industrie) komplett vom Erdaushub über die haustechnischen Gewerke und den finalisierenden Pinselstrich bis zur Video- und Audioanlage.

Natürlich liefern wir nicht ausschließlich schlüsselfertig, sondern sind oft Partner für Teilleistungen von der Planung über die Abschirmberechnung, Lieferung von Spezialzuschlägen, Ausführung von Strahlenschutztoren, Konzeption von elektrotechnischen Leistungen bis zur Begleitung der Abnahme auf Strahlendichtigkeit.

Wie kommen die Entwürfe bei den Kunden an? Wie hoch ist die Nachfrage?

In einem so spezialisierten Markt ist naturgemäß die Anzahl der leistungsfähigen Marktteilnehmer begrenzt. Pontax ist Marktführer, so liefern wir etwa ca. 80 Prozent der Tore (aus 4) in Deutschland und der Schweiz.

Oft sind wir aufgrund unserer Spezialisierung der einzige Anbieter, speziell in komplexen Projekten.

Finden Sie und Ihr Team für jedes Problem eine Lösung?  

In aller Regel gibt es keine Probleme mit der Ausführung, sondern die Herausforderung, den sehr generellen Kundenwunsch zu definieren und zu konkretisieren. „Bauen Sie mir einen Strahlenschutzraum, der 5 Meter lang, 4 Meter breit und 3 Meter hoch ist. Für alles Übrige sind Sie doch der Spezialist“ – dies ist in aller Regel die erste Ansprache.

Als Höhepunkt in der Geschichte von „Pontax“ wird der weltweit erste seetaugliche Strahlenschutz-Container bezeichnet. Was ist das Besondere daran?

Der Container wurde vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig beauftragt und dient weltweit der Untersuchung von Artefakten von Frühmenschen (z.B. Peking-Mensch). Er ist autark. Außer einem Stromanschluss gibt es On-Site, also am Einsatzort, keine weiteren Anforderungen. Dabei kann sich ein Wissenschaftler ganze Tage dort aufhalten, egal, ob dies im Neandertal, in Peking oder Äthiopien, also in aller Regel an Fundorten von Frühmenschen, notwendig ist.

Der Container ist hälftig geteilt. Eine Seite ist als Strahlenschutzbereich, einschließlich des großen Containertors und einer Zugangstür mit 15 Millimeter Blei (ca. das zehnfache eines Zahnarztröntgenplatzes), abgeschirmt. Die andere Seite ist Büro- und Auswertebereich, komplett klimatisiert und mit Mess- und Auswertegeräten ausgerüstet. Der Container ist CSC-zertifiziert. Damit kann er, als einziger bekannter Röntgencontainer, weltweit, auf Containerschiffen, -zügen oder -Lkw, ohne weitere Einschränkungen, an jeden Ort transportiert werden.
Strahlungen
Pontax beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Abschirmung von ionisierender Strahlung aus zivilisatorischen Strahlungsquellen. Dazu heißt es bei Wikipedia: „Die Jahresdosis aus zivilisatorischen Strahlenquellen liegt im Durchschnitt in der gleichen Größenordnung wie die natürliche. Sie stammt aus
  • medizinischen Strahlenanwendungen wie Röntgengeräten oder Behandlungen bei Krebs (Linearbeschleuniger, radioaktive Isotope)
  • industrielle Strahlenanwendungen (i.d.R. Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung mit Röntgenröhren, Linearbeschleunigern und Isotopen)
  • radioaktivem Material, das bei früheren Kernwaffentests oder Nuklearunfällen, wie in Tschernobyl, freigesetzt wurde
  • Kernreaktionen in Kernreaktoren und Teilchenbeschleunigern.
Die Strahlenbelastung durch ionisierende Strahlung aus natürlichen Quellen führt für Bewohner von Deutschland je nach Lebenssituation (Wohnort usw.) zu einer Äquivalentdosis zwischen 1 und 10 Millisievert pro Jahr. Es handelt sich dabei hauptsächlich um kosmische Strahlung und Strahlung von radioaktiven Stoffen, die natürlich in Erdkruste, Baustoffen und in der Atmosphäre vorkommen, z. B. den radioaktiven Isotopen der lebenswichtigen Elemente Kohlenstoff und Kalium. Auch der menschliche Körper selbst enthält eine geringe, durch den Stoffwechsel konstant gehaltene Menge dieser radioaktiven Stoffe.

Natürlich vorkommende Radioaktivität:
  • Radon (kann sich insbesondere in Kellerräumen ansammeln
  • Kalium40 und andere Radionuklide in Steinen und Baumaterialien
  • in Nahrungsmitteln eingelagerte radioaktive Partikel
  • natürlicher Kohlenstoff14 Anteil in Nahrungsmitteln und Atemluft
Kosmische Strahlung: hauptsächlich schnelle geladene Teilchen, Sekundärstrahlung durch Wechselwirkung mit der Atmosphäre gelangt bis zur Erdoberfläche; verantwortlich z. B. für die Strahlungsbelastung beim Flugverkehr. Die Belastung steigt mit der Höhe über Meer.

Strahlung der Sonne: Ultraviolett (UV-B wird fast vollständig absorbiert, führt aber trotzdem unter anderem zu Sonnenbrand; UV-C wird vollständig in der Atmosphäre absorbiert und führt durch Auftrennen des molekularen Sauerstoffs zur Ozonschicht), Teilchenstrahlung (Sonnenwind) führt zu Polarlichtern.
Ein Artikel von Kerstin Sauer

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