Nachrichten Wirtschaft
Lennestadt, 29. Dezember 2016

Der Einzelhandelsausschuss der IHK Siegen tagte in Lennestadt

„Händler brauchen einen digitalen Fußabdruck“

„Händler brauchen einen digitalen Fußabdruck“
Foto: © Kalim / Fotolia
Lennestadt. 32 Millionen Euro Kaufkraft schienen verloren. Doch die Stadt Lennestadt steuerte mit einem Marketingkonzept dagegen. Erfolgreich. Mit welchen Mitteln, das erfuhr jetzt der Einzelhandelsausschuss der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) in Lennestadt-Altenhundem.

„Die Zahlen des Einzelhandels sind heute stabil – mit Tendenz nach oben“, zeigte sich Bürgermeister Stefan Hundt zufrieden. Das liege auch an der „passenden Mischung aus Handel und Gewerbe beziehungsweise Industrie“. Lennestadt verfüge ausschließlich über inhabergeführte Betriebe. Mit den Inhabern sei die Stadt „im ständigen Dialog“. Und auch die drei Werbegemeinschaften in Grevenbrück/Elspe, Meggen und Altenhundem arbeiteten eng zusammen. Zudem kooperierten Ehrenamt und Hauptamt „konstruktiv“, „mit Disziplin und Ausdauer“ habe Lennestadt Kaufkraft zurückgewinnen können.

Es begann bereits 1998 mit dem Stadtmarketingprozess. Daraus entstand in Anlehnung an die Karl-May-Festspiele der Slogan „Der Schatz im Sauerland“, der später zur geschützten Marke wurde. In diesem Prozess wurden Schwerpunkte für die einzelnen Stadtteile gesetzt: bspw. Saalhausen als Schwerpunkt für den Tourismus. Steigerung der Kaufkraftbindung als Ziel Da mit dem Beginn des Stadtmarketingprozesses der Kaufkraftabfluss natürlich noch nicht gestoppt werden konnte, setzten die Lennestädter ein regionales Marketingkonzept darauf auf. Allein, ohne Beratungsunternehmen, mit Zielen wie der Steigerung der Kaufkraftbindung auf 100 Prozent, der Ankunfts- und Übernachtungszahlen, der Erhaltung beziehungsweise Steigerung der Gewerbesteuereinnahmen und dem Globalziel des Erhalts beziehungsweise der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Flankiert werden die Maßnahmen von verschiedenen Werbeartikeln und dem „Schatzmagazin“. „Wenn das Magazin erschien“, erklärte Georg Kaiser, Vorsitzender des Stadtmarketing Lennestadt, „hatten unsere Händler teils mehr Frequenz in ihren Geschäften.“

2007 führte das Stadtmarketing das Bonuskartensystem „Schatzkarte“ als Kernbestandteil einer Kundenbindungsstrategie ein. In diesem Jahr wurde die „Schatzkarte“ runderneuert und digitalisiert. Mehr als 10.000 der Plastikkarten sind heute im Umlauf, etwa 35 Prozent davon bei Kirchhundemer Kunden. „Eine Kostendiskussion mussten wir mit unseren Händlern nicht führen“, so Kaiser.  „Schließlich galt es, 32 Millionen Euro Kaufkraft zurückzuholen.“ Mit Erfolg. Damit geben sich die Lennestädter jedoch nicht zufrieden. Digitale Strategie wird entwickelt Derzeit wird eine digitale Strategie entwickelt. „Hinter ‚Digital‘ sollte immer eine Strategie stehen“, riet Kaiser. Man sei sich bewusst, dass man gegen Amazon & Co. nicht gewinnen könne. „Daher bedeutet ‚Digital‘ auch nicht Ersatz, sondern nur Ergänzung.“ Ausschussvorsitzender Wolfgang Keller lobte die Strategie der Lennestädter. „Ohne einen digitalen Fußabdruck, ein Fingerabdruck genügt hier schon nicht mehr, drohen Händler, Gastronomie etc. nicht mehr wahrgenommen zu werden.“

Und das könnte angesichts der zunehmenden Digitalisierung im Einzelhandel dramatisch enden, zeigte Marco Butz, Handelsreferent der IHK Siegen, auf. „Heute werden bereits im Nonfood-Bereich 44 Milliarden Euro online umgesetzt.“ Das sind etwa 8,5 Prozent des gesamten Handels in diesem Bereich. Mit zunehmender Tendenz und vor allem dank einer deutlich gestiegenen Einkaufshäufigkeit im Onlinehandel. Die Zahl der Onlinekäufe steige um 10,4 Prozent, während die der stationären Käufe um 0,9 Prozent sinke. „Möglichkeiten nahezu grenzenlos“ Zwar nähmen die Online-Ausgaben in den technischen Bereichen, die den Internethandel groß gemacht haben – Foto, Computer, Musik, Software – ab, verzeichneten aber starkes Wachstum in Branchen, die bisher nicht unbedingt für Onlinehandel standen: zum Beispiel Küchen/Möbel, Hobby, Garten. Den meisten Umsatz machten Händler, die auf mehreren, jedoch miteinander verknüpften Kanälen auf vergleichbarem Niveau ihre Waren anböten, so genannte Cross-Channel-Händler. Butz: „Die Cross-Channel-Käufer sind für den Handel die deutlich kaufintensiveren und damit wertvolleren Kunden.“  

Vor dem Hintergrund appellierte Marco Butz an die Händler, unbedingt online auf mehreren miteinander verknüpften Kanälen sichtbar zu werden. Das beginne mit einer eigenen, auffindbaren, zeitgemäßen Website – möglichst mit eigenem Onlineshop –, gehe über Serviceleistungen wie der Lieferung der Waren nach Hause oder digitalen Verkaufshilfen im Laden und ende noch lange nicht bei eigenen Apps, Kanälen in sozialen Medien etc. „Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos“, so Butz. „Das wichtigste aber ist, dass Sie im Internet gefunden werden. Auf gut Glück ins Geschäft fahren um zu sehen, ob ein bestimmter Artikel bei Ihnen verfügbar ist, das macht bald kein Mensch mehr.“ (LP)

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