Nachrichten Wirtschaft
Lennestadt, 01. Juni 2018

Leerstand droht

Altenhundem: „In den Höfen“ schließen zwei weitere Geschäfte

„In den Höfen“ schließen insgesamt drei Geschäfte.
„In den Höfen“ schließen insgesamt drei Geschäfte.
Fotos: Nils Dinkel
Altenhundem. Der Bereich „In den Höfen“ in Altenhundem sollte durch die Baumaßnahmen 2017/18 attraktiver für Einzelhändler und ihre Kunden werden. Nun schließen genau hier drei Einzelhändler. Nach „Hello Toys“ (LokalPlus berichtete) hissen auch die Geschäftsführerinnen von „Viel mit Stil“ und der Betreiber von „Kremer MultiExpress Schlüsseldienst und Schuhreparatur“ die rote Flagge. Ein viertes Lokal an der Helmut-Kumpf-Straße schließt Gerüchten zufolge ebenfalls.

Ende Juni ist Schicht. „Ausverkauf“ oder „Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ ist an den Schaufenstern aller drei Geschäfte angeschlagen. „Die Baustelle hat einiges kaputtgemacht“, sagt beispielsweise Peter Kremer, der innerhalb der „Höfe“ bereits vor einigen Jahren umgezogen war. Unter anderem habe er enormen Kundenwegfall verzeichnet. „Auch die Parksituation für die Kunden hat sich hier wesentlich verschlechtert. Es gibt ja keine Parkplätze mehr“, führt er fort.
Gabriele Richter (links) und Andrea Berghoff geben ihr Modegeschäft in Altenhundem auf.
Andrea Berghoff und Gabriele Richter, Geschäftsführerinnen von „Viel mit Stil“, sehen eine große Konkurrenz und den Sündenbock vor allem im World Wide Web. „Viele kaufen heutzutage eher im Internet ein. Das wird immer weiter zunehmen“, sind sich beide Geschäftsfrauen einig. Dort könne die Ware oft günstiger gekauft und bei Nichtgefallen portofrei zurückgesendet werden. Unschlagbare Konkurrenz für die beiden. „Selbst wenn wir unsere Ware online anbieten, können wir das nicht anbieten“, so Berghoff. Bauphase mit UmsatzeinbußenErst vor kurzem waren die Geschäftsfrauen mit ihrem Modegeschäft ins zehnte Jahr gegangen. Anfangs seien die Kunden sehr dankbar gewesen, mit „Viel mit Stil" hätten sie ein echtes Alleinstellungsmerkmal im Textilhandel gehabt. In den vergangenen Jahren sei dann eine Wende eingetreten. „Heute bekommst du die ganzen Kollektionen der Hersteller im Netz“, sagt Richter. „Und du bekommst Übergrößen an jeder Ecke.“ 

Doch das sei nicht das einzige Problem: „Die lange Bauphase ‚In den Höfen‘ hat uns sehr lange beschäftigt“, sagt Richter. „In dieser Zeit haben sich viele Kunden anderweitig umgesehen. Kunden, die sich einmal umorientiert haben, kommen nicht mehr wieder“, fährt Berghoff fort. Der erhoffte Effekt nach der Umbaumaßnahme sei ausgeblieben. „Wir hatten Umsatzeinbußen von 40 bis 50 Prozent. So schlimm war es noch nie“, sagt Berghoff. „Probleme hatten alle. Aber das kannst du irgendwann einfach nicht mehr auffangen“, knüpft Richter an. Außerdem würden die neugestalteten Außenflächen zu wenig von den anliegenden Unternehmern genutzt. Die Außenterrassen stünden leer. Der Bereich „In den Höfen“ sei bei Aktionen in den vergangenen Jahren, beispielsweise bei der Weihnachtsbeleuchtung, oft außen vor geblieben.„Ich denke, dass uns noch einige folgen werden“Auch für verkaufsoffene Sonntage gebe es immer mehr Hürden. So dürfe beispielsweise kein Außenverkauf stattfinden, wenn diese Tage überhaupt noch genehmigt würden. Die Lage für kleine Einzelhändler schätzen die langjährigen Geschäftsfrauen schlecht ein. „Ich denke, dass uns noch einige folgen werden. Das sieht man jetzt schon. Drei weitere Geschäfte schließen mit uns“, so Berghoff.

Die Geschäftsfrauen appellieren an die Stadt, dass ein Umdenken erforderlich sei, um das Einkaufen in Altenhundem wieder attraktiver zu machen. Es brauche Geschäfte, die den Ort lebendig hielten. Auch der Zuwachs von „Billigläden“ schade der Attraktivität von Altenhundem.

Auf Anfrage von LokalPlus erklärt Andreas Cordes, Gastronom und Vorsitzender des Aktionsrings Altenhundem: „Das Problem ist ja nicht neu und war etwas vorhersehbar. Wir haben uns diesem Thema schon länger angenommen. Wir werden ein Konzept ausarbeiten, um nach Lösungen zu suchen. Da müssen viele Instanzen mitspielen, aber es laufen bereits Gespräche.“ Schürheck: „Hier herrscht wieder reges Leben“Die Stadt Lennestadt weist Vorwürfe, der Bereich „In den Höfen“ habe an Attraktivität verloren, zurück. „Vor eineinhalb Jahren wollte sich hier niemand mehr hinsetzen. Jetzt herrscht hier wieder reges Leben“, so Karsten Schürheck, Beigeordneter der Stadt Lennestadt. „Es ist natürlich nicht gut, wenn Geschäfte zumachen. Gerade der Spielwarenladen ist der einzige vor Ort gewesen. Man sollte hinterfragen, warum das passiert ist.“

Der Bereich sei mit drei Rampen barrierefrei zugänglich, für die Anbringung von Geländern seien die Stadtwerke beauftragt worden. Klar sei, dass die Baustellenphase für die Einzelhändler schwierig gewesen sei, aber es seien alle auf die Situation vorbereitet gewesen, so der Beigeordnete. „Es hat Bürgerversammlungen und Gremien gegeben, woran auch Einzelhändler und Anlieger beteiligt waren. Es war gewünscht, die Situation ‚In den Höfen‘ zu entschärfen, die Lärmbelästigung und den Rundumverkehr zu reduzieren. Vielleicht sind acht bis neun Parkplätze verloren gegangen. Aber gerade im Innenstadtbereich gibt es unter anderem mit den Parkhäusern Gartenstraße und Marktgarage, dem neu gestalteten Parkplatz Schneiders Hof oder dem Wigey genügend Flächen“, so Schürheck.Auf Mietpreis keinen EinflussAuf eventuell zu hohe Mietpreise hat die Stadt laut Schürheck keinen Einfluss, da die Immobilien in privatem Eigentum liegen. Wenn zu hohe Mieten ein Schließungsgrund seien, sei die Stadt aber gerne bereit, zwischen Mietern und Vermietern zu vermitteln. Die Stadt sei in der Pflicht, dass die Aufenthaltsqualität stimmen müsse. „Die Stadt muss schön sein, und das machen wir“, so der Beigeordnete.

„Die Achse Bahnhof bis zur Lenne hin, der Marktplatz und die ,Höfe´: Wir machen gerade das, was die Einzelhändler wollen. Der Stadt den schwarzen Peter zuzuschieben, finde ich nicht richtig.“ Man müsse hinterfragen, woran die Schließungen liegen. Wenn Einzelhändler auf die Stadt zugingen und um Unterstützung bitten würden, wäre die Stadt sicherlich hilfsbereit, sagte Schürheck. „Aber wir können die Geschäfte nicht führen“, sagte Schürheck.
Ein Artikel von Nils Dinkel

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