Nachrichten Wirtschaft
Kreis Olpe, 20. Juni 2017

Zweistufige Strategie für den Kreis Olpe

Unitymedia kündigt umfangreiche Modernisierung des Netzes an

Stellten im Rathaus die Unitymedia-Strategie zur Behebung der Störungen vor: (von links) Pressesprecherin Dr. Eva-Maria Ritter, Frank Schubert, Ulrich Hoffmann und Dietmar Koenzen.
Stellten im Rathaus die Unitymedia-Strategie zur Behebung der Störungen vor: (von links) Pressesprecherin Dr. Eva-Maria Ritter, Frank Schubert, Ulrich Hoffmann und Dietmar Koenzen.
Foto: Sven Prillwitz
Kreis Olpe. In zwei Schritten will Unitymedia auf die Störungen und Ausfälle von Telefon, Internet und Fernsehen im Kreis Olpe reagieren. Der großangelegte Einsatz von Technikern soll kurz- und mittelfristig dafür sorgen, Störquellen zu finden und nach Möglichkeit zu beseitigen. Außerdem sind in Olpe, Lennestadt und Wenden umfangreiche Maßnahmen zur Modernisierung des Kabelnetzes geplant. Diese zweiteilige Strategie hat eine vierköpfige Unitymedia-Delegation am Dienstagmorgen, 20. Juni, im Wendener Rathaus vorgestellt.

Das Kabelnetz im Kreis Olpe besteht überwiegend aus Koaxialkabeln mit Innenleitern aus Kupferdraht. Über diese Leiter werden die Haushalte mit Signalen für Telefon, Internet und Fernsehen versorgt. Zwar verfügen Koaxialkabel über eine Abschirmung. Dennoch kann es zu elektromagnetischen Störungen kommen, die beispielsweise von Sendeanlagen, Haushaltsgeräten, Starkstromleitungen und Verteileranlagen ausgestrahlt werden. Ist die Abschirmung dieser Kabel defekt oder veraltet, verstärkt sich die Einstrahlung auf das Kabelnetz.

Und zwar nicht nur im Bereich eines Hauses oder einer Straße. Sondern im gesamten „rückkanalfähigen“ Netzabschnitt, der von einem Verstärkerpunkt versorgt wird. „Stört einer das Netz, trifft das alle Kunden“, erklärte Ulrich Hoffmann, der bei Unitymedia für die Überwachung der Netzwerkqualität und –leistung zuständig ist. Zwischen 300 und 500 Haushalte könnten von einer Störung betroffen sein.
Unten ein Koaxial-, oben ein Glasfaserkabel.
Grundsätzlich sei die – in der Fachsprache als „Ingress“ bezeichnete – Einstrahlung ins Kabelnetz normal und das Netz dafür robust genug. Erst wenn die Summe der Störungen zunehme, komme es zu Instabilitäten, Unterbrechungen oder sogar Ausfällen der über das Kabelnetz gesendeten Signale, erklärte Frank Schubert, der bei Unitymedia kommunale Projekte betreut und auch für den Kreis Olpe zuständig ist. Unitymedia beobachte die Netzauslastung und schicke bei einem vermehrten Auftreten von Störungen auch „proaktiv“ Techniker los, also noch bevor sich Kunden melden. „Allerdings stehen wir häufig vor verschlossenen Türen“, so Schubert. „Wir brauchen Zugang zum Kunden“ Dann müssten Techniker häufig unverrichteter Dinge wieder abziehen. „In 80 Prozent der Fälle finden sich diese Störquellen in Gebäuden. Das bedeutet, wir brauchen Zugang zum Kunden, um in Häusern und Wohnungen nach der Ursache für Störungen suchen zu können. Darum dauert es auch so lange“, führte Ulrich Hoffmann weiter aus. Erschwerend komme hinzu, dass die Störungen nur dann auftreten, wenn die sie verursachenden Geräte auch in Betrieb sind. Seit Wochen seien zahlreiche Techniker im Kreis Olpe im Einsatz, um „das Niveau der Einstrahlungen sukzessive zu verringern“.

Dabei helfen soll auch eine Modernisierung des Kabelnetzes in Olpe, Lennestadt und Wenden – den drei Kommunen im Kreis, in denen es die meisten Unitymedia-Kunden gibt. Hier soll das „Node Split“-Verfahren zur Anwendung kommen: An einem Verstärkerpunkt werden zwei oder mehr Signalverteiler eingerichtet, um die von einem Verstärker versorgten Netzabschnitte und die Zahl der zu versorgenden Haushalte zu verkleinern. Dadurch würden die Leitungen leistungsstärker und gleichzeitig weniger anfällig für Störungen, erklärte Dietmar Koenzen, der bei Unitymedia für kapazitätsgetriebenden Netzausbau zuständig ist. „Node Split“-Verfahren: Mehr Leistung, weniger StörungenWeil für die Erweiterung des Netzes jeweils Glasfaserkabel verlegt werden sollen, erhöhe sich damit auch die Datenübertragungsrate, so Koenzen. In Wenden und Olpe sollen die Baumaßnahmen, die zur Umsetzung des „Node Split“-Verfahrens nötig sind, im September bzw. Oktober abgeschlossen sein. In Lennestadt soll das Verfahren in gleich zwei Gebieten angewandt werden. Das Vorhaben gestalte sich hier schwieriger, weshalb die Fertigstellung für Ende des Jahres angepeilt ist.

„Es könnte aber auch bis ins erste Quartal 2018 dauern, da es viele Abhängigkeiten gibt“, sagte Ulrich Hoffmann. Unitymedia müsse zum Teil Kabel der Telekom nutzen und sich zudem mit der Deutschen Bahn und den Kommunen absprechen. Kostenpunkt der angekündigten Maßnahmen zur Netzerweiterung und Erhöhung der Bandbreite: rund 750.000 Euro. Abschaltung des analogen Fernsehens sorgt für Entlastung„Unser Ziel ist es, das Leider der Kunden schnellstmöglich zu beenden“, versprach Dr. Eva-Maria Ritter aus der Presseabteilung des Kabelnetzbetreibers. Dem Gespräch im Wendener Rathaus folgte am Dienstagnachmittag ein weiteres in Olpe. Vertreter der beiden Kommunalverwaltungen saßen jeweils mit der Unitymedia-Delegation am Tisch. „Uns ist es wichtig, zu erklären, wie komplex die physische Netzstruktur ist und warum es ein langwieriger Prozess ist, die Störungen zu beheben“, warben Ritter und Co. auch um Verständnis und Geduld der Kunden. Einige haben sich im Kreis Olpe aus Verärgerung über die Störungen mittlerweile zu einer Protestgruppe formiert (LokalPlus berichtete).

Immerhin: Die Abschaltung des analogen Fernsehens, die im Kreis Olpe am Dienstag beginne, soll sich bereits positiv bemerkbar machen. „Damit wird eine gewisse Signallast vom Netz genommen. Davon versprechen wir uns auch in den Hausverteileranlagen wieder mehr Puffer“, sagte Ulrich Hoffmann.
Unitymedia

  • Der Kabelnetzbetreiber mit Sitz in Köln versorgt 12,9 Millionen Haushalte in Nordrhein-Westfalen, Baden- Württemberg und Hessen. Im Kreis Olpe zählt das Unternehmen mittlerweile rund 27.800 Kunden und ist damit Marktführer.
  • Flächendeckend sollen auch im ländlichen Bereich seit 2016 überall Datenübertragungsraten von 400 Mbit/s möglich sein.
  • Bis 2022/23 will Unitymedia eine Datenrate von 1GBit/s ermöglichen.
  • Insgesamt wurde seit 2002 ein knapp zweistelliger Millionenbetrag in den Kreis Olpe investiert.
  • Unitymedia beschäftigt 2500 Mitarbeiter.
  • (Quelle: Unitymedia)
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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