Nachrichten Wirtschaft
Kreis Olpe, 13. Februar 2020

IHK gibt aber noch keine Entwarnung

Mit dem Konjunkturklima geht es nach zwei Jahren wieder aufwärts

Vor allem im Einzelhandel wurden gute Geschäfte gemacht.
Vor allem im Einzelhandel wurden gute Geschäfte gemacht.
Symbolfoto: IHK Siegen
Kreis Olpe/Siegen. „Erstmals seit zwei Jahren verbessert sich das Konjunkturklima der regionalen Wirtschaft wieder. Das ist erfreulich. Dennoch ist Entwarnung nicht angesagt. Auch 2020 wird für die Wirtschaft herausfordernd. Die außenwirtschaftlichen Belastungen bleiben für unsere exportorientierten Unternehmen weiterhin hoch.“

So kommentierte IHK-Präsident Felix G. Hensel (Lennestadt) am Donnerstag, 13. Februar, die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage, an der sich 547 Unternehmen mit mehr als 42.000 Beschäftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligt haben.

Der IHK-Konjunkturklimaindex – er ergibt sich aus der Beurteilung der Geschäftslage und der Geschäftserwartungen – steigt um sieben Punkte auf einen Wert von 106. Das entspricht dem langjährigen Mittel.
Das Konjunkturklima hat sich gegenüber Herbst 2019 deutlich verbessert.
Der Anstieg ist vorrangig durch die besseren Geschäftserwartungen der Unternehmen zu begründen. Die Lagebeurteilung hat sich ebenfalls leicht verbessert: Mehr als ein Drittel der hiesigen Unternehmen bewertet ihre Geschäftslage als gut, etwa die Hälfte als befriedigend.

Der Anteil negativer Lagemeldungen stagniert bei 16 Prozent. IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener: „Wir sind optimistisch, aber immer noch vorsichtig. Die Konjunkturrisiken bleiben weiterhin beachtlich.“ Hinzu kämen neue Risiken, die bei Abschluss der IHK-Umfrage Mitte Januar noch gar nicht bekannt gewesen seien.
Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener.
„Dass das Corona-Virus das Zeug hat, die weltweiten Produktionsströme und Lieferketten kräftig durchzuschütteln, bestätigen immer mehr Fachleute. Wir schätzen, dass heimische Firmen allein 2018 Waren im Wert über 550 Mio. Euro nach China exportierten, das Importvolumen dürfte bei rund einer Milliarde Euro gelegen haben. Man kann sich bei solchen Werten an drei Fingern ausrechnen, welches Verletzungspotenzial dieses Virus für die heimische Wirtschaft besitzt“, betont Klaus Gräbener.

Nach zwei Jahren des Rückganges steigen in der heimischen Industrie wieder die Umfrageergebnissen zur aktuellen Geschäftslage und zu den Geschäftserwartungen. Klaus Gräbener: „Auch wenn sich die Stimmung aufgehellt hat, bleibt für die Industrie die Situation weiterhin angespannt.“
Im Kreis Olpe sind die Erwartungen der Industrie etwas höher als in Siegen-Wittgenstein.
Die Lage im Baugewerbe ist weiterhin sehr gut. 71 Prozent der befragten Baubetriebe geben eine gute Lage an, kein Unternehmen eine schlechte. Stephan Häger, Leiter des IHK-Referats Konjunktur, Arbeitsmarkt und Statistik: „Der Boom am Bau setzt sich weiter fort. Neun von zehn Unternehmen melden uns steigende bzw. gleichbleibend hohe Auftragseingänge.“

Dank des guten Konsumklimas ist die Lagebeurteilung im Einzelhandel weiterhin auf einem hohen guten Niveau. 94 Prozent der Einzelhändler beurteilen ihre Lage als gut oder befriedigend, nur sechs Prozent als schlecht.
Schwache Inlandsnachfrage, unsichere Wirtschaftspolitik und Fachkräftemangel werden als größte Risikofaktoren gesehen.

Fast die Hälfte der Einzelhändler konnte die Umsätze erhöhen. Nach vorläufigen Berechnungen stieg der Umsatz 2019 um fast drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Dienstleistungsbranche ist die Lagebeurteilung weiterhin gut. Auch im Gastgewerbe fällt die Lagebeurteilung positiv aus.

Der Arbeitsmarkt präsentierte sich 2019 äußerst robust. Etwa 179.000 Menschen waren im IHK-Bezirk sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Felix G. Hensel: „Auch wenn zuletzt die Anzeigen zu Kurzarbeit gestiegen sind und die Zahl der offenen Stellen zurückgegangen ist, blicken wir auf ein insgesamt erfolgreiches Jahr am Arbeitsmarkt zurück. Noch nie gingen in unserer Region mehr Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach als im Jahresdurchschnitt 2019.“
(LP)

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