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Kreis Olpe, 04. August 2018

Trockenperiode im Kreis Olpe

Landwirte kämpfen mit Futterknappheit und Ernteausfällen

Trockenperiode im Kreis Olpe
Symbolfoto: Unsplash/Stijn te Strake
Kreis Olpe. Die anhaltende Sommerhitze und Trockenheit machen den Landwirten im Kreis Olpe zu schaffen. Insbesondere die Futterknappheit und generell die Versorgung der Tiere erweisen sich als große Herausforderungen. LokalPlus hat sich umgehört.

Landwirt Christoph Gerlach vom Hof Siele in Olpe züchtet Milchvieh. Dass Landwirte immer mal mit trockenen Sommern zu kämpfen haben, sei nicht ungewöhnlich. Die aktuelle Hitze- und Trockenperiode allerdings sei „außergewöhnlich lang“. Hauptsächlich seien die trockenheitsbedingten Ausfälle im Grundfutter zu merken, so Gerlach.

In Zahlen: etwa fünf Prozent weniger Getreide, bis zu 20 Prozent weniger Gras. Die Ausfallquote bei der Maisernte hingegen muss der Landwirt noch abwarten. Bisher stehe die Pflanze gut, der Kolben sei angesetzt. Bleibt das Wasser nun allerdings aus, könnten auch keine Körner wachsen, erklärt Gerlach. Futterbörse sinnlos Auf dem Grünland hingegen sei nichts mehr zu ernten. Alles sei vertrocknet und verbrannt. Das Winterfutter fehle, neues lasse sich nicht anbauen. Eine Futterbörse einzurichten, macht für Gerlach wenig Sinn: „Keiner gibt sein Futter ab, da jeder zu wenig hat.“ Er selbst würde sonst immer 10 bis 15 Hektar Silage veräußern, dieses Jahr allerdings nicht. Auf finanzielle staatliche Unterstützung, wie kürzlich vom Deutschen Bauernverband gefordert, will Gerlach nicht setzen.

Notschlachtungen sind für ihn eine Ausnahme, zumal die Nachfrage nach Fleisch gedeckt sei. Und: Die Metzgereien seien in der Sommerpause, so würde also keine Wurst und Aufschnitt hergestellt werden. Daher sei auch die Nachfrage nach Rindfleisch gering und der Preis im Keller. „Alles verbrennt“
Landwirt Stefan Fischer aus Brachthausen argumentiert da ähnlich. Er betreibt Mutterkuhhaltung. „Alles verbrennt. Das Wasser wird knapp, die Quellen fangen, an zu versiegen, sagt Fischer. „Die Flächen werden brauner, und bis sich das erholt hat, dauert es Wochen“, glaubt der Landwirt. Das derzeit noch vorhandene Gras vertrockne jeden Tag mehr.
Mittlerweile bringe er den Kühen auf der Wiese Extrafutter und greife auf Wintervorräte zu. Fischer hat Verständnis für Notschlachtungen, sieht aber auch darin aber ebenso wie Christoph Gerlach aus Olpe zwei Seiten der problematischen Trockenheit: Je weniger Futter da ist, desto teurer wird das auch. Auf der Kehrseite wird das Schlachtvieh durch die größere Menge sehr billig. Wasserengpässe Laut Fischer ist es alle fünf Jahre mal trocken. Das bislang letzte Mal aber, dass den Tieren aus Brachthausen auf den Wiesen Wasser zugefahren werden musste, sei aber 1947 gewesen. Bundesweit hätten die Landwirte mit der aktuellen Hitze- und Trockenperiode zu kämpfen, aber für die Bauern im Sauerland sei die Lage besonders schwierig, weil man „hier von sechs Monaten Winter ausgeht“ sagt Fischer. „Es ist anstrengend für uns und für die Tiere.“ Milchbauer Michael Richard aus Lennestadt-Grevenbrück erläutert, dass der östliche Kreisteil noch gut „weggekommen“ sei. Bis Anfang Juli habe es dort noch ausreichend geregnet. Bis zu dieser Trockenperiode habe er seine Ernte im Grünland schon gut eingefahren. Auch der Mais stehe so gut wie selten. Aber: „Es ist anstrengend für uns und für die Tiere“, so Richard. Die Hitze sei nicht nur für die landwirtschaftliche Arbeit, sondern auch für die Kühe belastend. Hoffnung auf Regen Mittlerweile sei auf den Weiden allerdings nichts mehr zu ernten. Michael Richard hofft auf Regen, dann würden die bisher noch grünen Flächen auch noch Erträge bringen. Die Weideflächen, die jetzt schon gelb sind, bräuchten allerdings viel länger, um sich zu erholen.

Richard sorgt sich eher um die Waldgebiete. Die Buchen verlören ihre Blätter, und die Trockenheit biete gute Bedingungen für Borkenkäfer – für Schädlinge. Diese „Schäden“ könnten Richard zufolge „irgendwann zu Tage treten“ und die Landwirtschaft auch noch beschäftigen. „Elspe Festival“ hat vorgesorgt Harald Heufer, Technischer Leiter des „Elspe Festivals“, hat das Problem der drohenden Futterknappheit gelöst. Bereits im vergangenen Jahr habe er genug Heu für die Tiere gekauft, mit dem er die Pferde im Winter füttern kann. Die eigenen Weiden, auf denen die etwa 40 Show-Pferde derzeit grasen, seien zwar nahezu abgefressen. Wegen der Trockenheit wachse auch nichts mehr nach.

Weil das frisch geerntete Heu noch nicht verfüttert werden sollte, um Koliken zu vermeiden, musste aber Erstaz her. Daher  kaufte Heufer in Schmallenberg (Hochsauerlandkreis) noch 20 weitere Ballen. Damit sieht der Technische Leiter das „Elspe Festival“ für das Jahr gerüstet.
Ein Artikel von Madeleine Hellenthal

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