Nachrichten Wirtschaft
Kreis Olpe, Kreis Olpe, 24. Juli 2016

Andre Völker arbeitet im Rahmen eines Außenarbeitsplatzes der Werthmann-Werkstätten

Inklusion im Arbeitsleben

Von links: Michael Lütticke, Reiner Hesmert, Andre Völker (sitzend) und Günter Rotthoff.
Von links: Michael Lütticke, Reiner Hesmert, Andre Völker (sitzend) und Günter Rotthoff.
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Er fährt gerne mit dem Stapler und seit neustem arbeitet er auch am PC. Für Andre Völker ist seine Arbeit bei der Firma Gewiss in Ottfingen ein echter Glücksgriff. Die Firma Gewiss gehört zur internationalen Gewiss-Group mit Sitz in Italien. Sie entwickelt, fertigt und vertreibt Komponenten der Elektroinstallation für Handwerk und Industrie. Der 24-Jährige arbeitet hier im Rahmen eines Außenarbeitsplatzes der Werthmann-Werkstätten, Abteilung eXtern.

„Ich habe zuvor ein sechswöchiges Praktikum bei einem Lebensmittelhandel gemacht“, erzählt er. „Das hat allerdings nicht gepasst“, ergänzt Günter Rotthoff, sein Integrationsassistent von den Werthmann-Werkstätten.

Seit März 2011 ist er nun bei Gewiss und fühlt sich hier wohl. Auch seine Kollegen sind begeistert. „Er macht seine Arbeit richtig gut“, beurteilt Betriebsleiter Reiner Hesmert seinen Einsatz. Alle kennen Andre Völker und auch seine Stärken und Schwächen. „Dadurch ist der Druck gering und das macht ihn sicherer“, weiß Günter Rotthoff. Andre Völker wohnt im benachbarten Rothemühle und ein Kollege nimmt ihn mit zur Arbeit. „Hier stimmt einfach alles“, freut sich daher auch sein Integrationsassistent. Zeit zum Anlernen Schon zuvor gab die Firma Gewiss Aufträge an die Werthmann-Werkstatt. „Dadurch gab es erste Kontakte zur Einrichtung“, so Reiner Hesmert. „Schließlich benötigten wir im Lager Unterstützung und starteten den Versuch, hier einen Außenarbeitsplatz als Lagerhelfer zu errichten.“ Dank der fachlichen Anleitung und kollegialen Begleitung durch den „Paten“ Michael Lütticke im Betrieb gelang die Inklusion im Arbeitsleben vorbildlich. Michael Lütticke ist für Andre Völker erster Ansprechpartner, wenn es Fragen oder Probleme gibt.

„Natürlich erforderte es zunächst Zeit um Andre anzulernen, aber man kann sich auf ihn verlassen. Dabei wird er immer selbstständiger, so dass er jetzt auch erste Arbeiten am PC erledigen kann“, freut sich Reiner Hesmert über den Erfolg. Derzeit 30 Außenarbeitsplätze „Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Zahlen und die einzelnen Artikel, die hier verpackt werden, haben eine Artikelnummer, die ich mir gut merken kann. So kann ich als Lagerhelfer die Aufträge zusammenstellen und verpacken“, erklärt er sein Aufgabengebiet.

Andre Völker hat damit einen der derzeit 30 Außenarbeitsplätze der Werthmann-Werkstätten, Abteilung eXtern. Sie sind in unterschiedlichsten Bereichen wie Industriebetrieben, öffentlichen Verwaltungen und sozialen Einrichtungen angesiedelt-Tendenz steigend. Weiter Beschäftigte der Werkstatt Finanziell sind Außenarbeitsplätze für den Arbeitgeber kein Risiko. Die Menschen mit Behinderungen arbeiten zwar im Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarkts, sie bleiben aber weiterhin Beschäftigte der Werkstatt. Der Arbeitgeber zahlt der Werkstatt für die erbrachte Dienstleistung des Beschäftigten ein vertraglich vereinbartes Entgelt. Den betroffenen Menschen mit Behinderung bietet diese Beschäftigungsform die Möglichkeit, bei einem Arbeitgeber die berufspraktischen Fähigkeiten und sozialen Kompetenzen zu erweitern. Diese sind erforderlich, um zu einem späteren Zeitpunkt aus der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen auszuscheiden und ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis mit einem Arbeitgeber des allgemeinen Arbeitsmarktes eingehen zu können.
Michael Lütticke (rechts) und Andre Völker.
Sofern auch langfristig ein Wechsel in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarktbehinderungsbedingt nicht realistisch erscheint, bieten Außenarbeitsplätze ein hohes Maß an Inklusion. Außenarbeitsplätze sind sowohl unbefristet als auch befristet möglich. „Für unsere Beschäftigten, die trotz ihrer Einschränkungen einen Außenarbeitsplatz haben, ist das eine enorme Steigerung des Selbstwertgefühls. Allein dafür lohnt sich die Mühe und der Aufwand“, so Günter Rotthoff.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

Bildergalerie: Inklusion im Arbeitsleben