Nachrichten Wirtschaft
Kreis Olpe, 21. Oktober 2016

Agentur für Arbeit: Modellprojekt für junge Flüchtlinge

Gezielte Vorbereitung auf eine Ausbildung

Die Projektpartner trafen sich gemeinsam mit der Projektklasse im BiZ in Siegen.
Die Projektpartner trafen sich gemeinsam mit der Projektklasse im BiZ in Siegen.
Foto: Agentur für Arbeit
Siegen/Kreis Olpe. „Ich finde es sehr gut hier. Ich habe viele Informationen über die Bewerbung, den Lebenslauf und die Alten- und Krankenpflege bekommen“, freut sich Alpha Boubacar Bah. Gemeinsam mit zwölf weiteren jungen Geflüchteten hat der 21-jährige Guineer das Berufsinformationszentrum (BiZ) in Siegen besucht. Bah nimmt am Modellprojekt „Förderzentrum für Flüchtlinge mit Ausbildungsvorbereitung in Teilzeit“ der Agentur für Arbeit Siegen teil. Gemeinsam mit seinen Klassenkameraden, den beiden Lehrern sowie den Sozialpädagogen der Deutschen Angestellten Akademie (DAA) war er vier Stunden lang im BiZ, um sich dem Thema Berufsorientierung zu widmen.

Im Modellprojekt-Förderzentrum für Flüchtlinge können junge Geflüchtete einen Hauptschulabschluss nachholen und sich auf die Ausbildung vorbereiten. Teilnehmer sind junge Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, weshalb es die Beteiligten kurz „Projekt 18/25“ nennen. Das Modellprojekt ist am ersten Schultag nach den Sommerferien mit zwei Schulklassen á 18 Teilnehmern gestartet und wird zwölf Monate dauern. Daran nehmen Flüchtlinge teil, die in Siegen-Wittgenstein und Olpe untergebracht sind.

„Mit dem Modellprojekt können wir gezielt junge Geflüchtete auf eine Ausbildung vorbereiten, die nicht mehr schulpflichtig sind, jedoch aufgrund ihres Aufenthaltsstatus oder ihrer Herkunft nicht an unseren klassischen Fördermaßnahmen teilnehmen können“, erklärt Dr. Bettina Wolf, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Siegen. Die Teilnehmer sind Geflüchtete mit dem Status der Duldung und Asylbewerber, die aufgrund ihrer Herkunft keinen Zugang zu einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) der Agentur für Arbeit haben. Teilnehmer kommen aus neun Nationen „Es ist erklärtes Ziel der Landesregierung und der Bundesagentur für Arbeit, auch diesen jungen Menschen eine schulische und berufliche Perspektive zu bieten.“, betont Bettina Wolf. So kommen die Teilnehmer aus neun verschiedenen Ländern. Asylbewerber aus Syrien, Irak, Iran, Eritrea und Somalia können nach ihrer Anerkennung an der etablierten Maßnahme „BvB“ teilnehmen und sind daher nicht Teilnehmer im Projekt 18/25.

Die Geflüchteten gehen an drei Tagen pro Woche zur DAA in Siegen, wo der praktische Teil des Modellprojekts stattfindet. Die restlichen zwei Tage in der Woche gehen sie zum Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung und werden dort auf den Hauptschulabschluss vorbereitet. Von der DAA werden die Geflüchteten an den deutschen Ausbildungsmarkt herangeführt. Dazu gehören eine Eingangsphase mit Kompetenzfeststellung und eine Handlungsphase mit Projektarbeiten, berufsbezogenem Deutschunterricht und sozialintegrativen Aktionen. Das Berufskolleg ergänzt diesen Praxisteil durch Unterricht im Bildungsgang „Ausbildungsvorbereitung“ in Teilzeit, der den Erwerb des Hauptschulabschlusses ermöglicht. Projektwochen „Leben und Arbeiten“ Der Besuch im BiZ ist Teil der Projektwochen „Leben und Arbeiten“, die die DAA während der Herbstferien anbot. „Die Teilnehmer sollen in den beiden Wochen einen umfassenden Eindruck vom Leben in Deutschland bekommen. Darum haben wir die Projektwochen in die beiden Bereiche Arbeiten und Leben gegliedert“, erläutert Susanne Heun, Leiterin der DAA Siegen. Der Bereich Arbeit deckt die Schwerpunkte Arbeitsalltag und Bewerbung ab. Neben dem Besuch im BiZ gehören zwei Betriebsbesichtigungen dazu. Zudem werden die Teilnehmer Vorstellungsgespräche üben und Bewerbungsmappen erstellen.

Der Bereich Leben beinhaltet kulturelle, religiöse, historische und sportliche Bildung. So besichtigen die Geflüchteten eine Kirche, führen einen interreligiösen Dialog und besuchen das Haus der Geschichte in Bonn. Die nächste Projektphase ist für April angesetzt, in der die Teilnehmer ein Betriebspraktikum machen sollen.
Alpha Boubacar Bah möchte Altenpfleger werden. Beim Besuch im BiZ bekam er viele Informationen über den Beruf.
 Nach dem Modellprojekt im kommenden Sommer will die Agentur für Arbeit die erfolgreichen Teilnehmer in Ausbildung oder eine Einstiegsqualifizierung vermitteln. „Engagierte und motivierte junge Menschen haben in unserer Region sehr gute Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden, denn in einigen Branchen fehlen Bewerber“, zeigt Bettina Wolf die beruflichen Perspektiven für die Teilnehmer auf.

Gute Aussichten auf einen Ausbildungsplatz hat auch Alpha Boubacar Bah. Er möchte Altenpfleger werden und hat bereits zwei Praktika über zusammen fünf Monate in der Altenpflege gemacht. „Ich möchte anderen Menschen helfen, und alte Menschen brauchen immer Hilfe“, ist er von seinem Wunschberuf überzeugt. Nun hofft er darauf, nach dem Abschluss im Sommer einen Ausbildungsplatz zu finden. Dank seiner Praktika hat er auch schon erste gute Kontakte.
Hintergrund
Das Modellprojekt Förderzentrum für Flüchtlinge mit Ausbildungsvorbereitung in Teilzeit ist gemeinsam von der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit und dem Landesministerium für Schule und Weiterbildung entwickelt worden. Das Modellprojekt wird in 15 von 40 Bezirken der Agentur für Arbeit umgesetzt. Die Klassengröße beträgt jeweils 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Landesweit nehmen rund 500 junge Geflüchtete am Modellprojekt teil.
(LP)

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