Nachrichten Wirtschaft
Attendorn, Attendorn, 1. September 2016

Portugiesisches Unternehmen spricht von „wichtiger Rolle in langfristiger Strategie“

Sodecia kauft Kemmerich-Gruppe

Über die Zukunft der beiden Geschäftsführer Josef Kemmerich und Thomas Bergen soll in den kommenden Wochen entschieden werden.
Über die Zukunft der beiden Geschäftsführer Josef Kemmerich und Thomas Bergen soll in den kommenden Wochen entschieden werden.
Foto: kemmerich.de
Die weltweit tätige Sodecia-Gruppe aus Portugal kauft die Firma Kemmerich und alle dazugehörigen Tochtergesellschaften. Das hat die Düsseldorfer Kanzlei „White & Case Insolvenz GbR“ am Donnerstag, 1. September, in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Der eingesetzte Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Dr. Jan-Phillip Hoos, spricht darin von einer erfolgreichen Sanierung und einer guten Lösung.

„Hinter uns liegen drei sehr arbeitsintensive Monate. Ich bin sehr froh, in so kurzer Zeit einen finanzstarken strategischen Investor für Kemmerich gefunden zu haben, der auch die Zustimmung aller Kunden des Unternehmens findet“, wird Hoos in der Pressemitteilung zitiert. „Sodecia denkt und handelt langfristig. Die Kemmerich-Gruppe weiß ich in guten Händen.“

Was der Verkauf für die Belegschaft bedeutet, geht aus der Pressemitteilung indes nicht her-vor. Wie LokalPlus aus gut unterrichteter Quelle erfahren hat, sei ein Abbau von Arbeitsplätzen aber nicht vorgesehen. Das habe Hoos der Belegschaft am Donnerstag mitgeteilt. Offen sei dagegen die Zukunft der beiden Geschäftsführer Josef Kemmerich und Thomas Bergen, die sich in den kommenden Wochen klären soll. Die Geschäftsleitung war auf Anfrage von LokalPlus zunächst nicht zu erreichen. Sodecia-Chef: „Strategischer Meilenstein“ Bei der Sodecia-Gruppe handelt es sich nach Angaben der Kanzlei „um ein im Jahr 1980 gegründetes familiengeführtes Unternehmen. Die Gruppe ist einer der weltweiten Marktführer im Bereich Strukturteile und Getriebe für die Automobilindustrie.“ Mit dem Kauf der Kemmerich-Gruppe wollten die Portugiesen ihre „Präsenz in Europa und den USA vergrößern sowie ihre Wettbewerbsposition und Technologien in allen Kernmärkten stärken“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Darin kommt auch Rui Monteiro zu Wort. Der Geschäftsführer von Sodecia, bezeichnet den Kauf der Kemmerich-Gruppe als „strategischen Meilenstein“ und spricht dieser eine „wichtige Rolle in unserer langfristigen Strategie“ zu.

Das seit dem Jahr 1897 bestehende Traditionsunternehmen Kemmerich entwickelt und fertigt qualitativ hochwertige Stanz-, Zieh- und Biegeteile aus unterschiedlichen Materialien für namhafte Automobilhersteller. Im Attendorner Stammhaus sind rund 650 Mitarbeiter beschäftigt. In den vier Werken in Niederau-Gröbern (bei Dresden) sowie in Spanien, Tschechien und den USA arbeiten rund 350 weitere Angestellte.

Anfang Juni hatte der Automobilzulieferer und Metallverarbeiter in einer Pressemitteilung erklärt, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt zu haben (LokalPlus berichtete). „Der Verkauf der Kemmerich-Gruppe wurde auf Seiten des Insolvenzverwalters von der Kanzlei McDermott Will & Emery Rechtsanwälte Steuerberater LLP unter Federführung von Dr. Matthias Kampshoff begleitet. Unterstützt wurde Dr. Hoos weiterhin von Martin Schwarzer und Wilfried Böckmann von der M&A-Beratungssparte der Pricewaterhouse-Coopers Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft“, heißt es in der Pressemitteilung abschließend.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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