Nachrichten Wirtschaft
Attendorn, 25. November 2017

Unverständnis beim Ehepaar Kampschulte

Geschäfte am Kölner Tor von Attendorner Innenstadt abgeschnitten

Geschäfte am Kölner Tor von Attendorner Innenstadt abgeschnitten
Foto: Barbara Sander-Graetz
Attendorn. Dass die Jeans- und Hosenfiliale „Denim“ am „Kölner Tor“ in Attendorn schließen wird, gibt auch dem Nachbarn Theo Kampschulte zu denken: „Wir werden hier abgeschnitten von der Stadt. Das kann nur zum Untergang der wenigen Geschäfte hier am Kölner Tor führen.“

Auch Marc Sickerling, Inhaber des Geschäfts „Denim,“ prangerte die mangelnde Unterstützung durch die Stadt Attendorn an. Theo Kampschulte sieht das ähnlich. Seine Frau ist Inhaberin des Malerfachbetriebs & Kunstgewerbes Schulte an der Kölner Straße 47, direkt am Kreisel Kölner Tor.  

Das Fass zum Überlaufen brachte der Martinimarkt Anfang des Monats. „Der hörte unten an der Apotheke auf. Da wurden die Betonklötze zum Schutz gegen Terrorangriffe aufgestellt und damit war der Markt dort zu Ende. Hier oben hat sich dann auch kein Besucher mehr hin verirrt“, so Kampschult. Dabei seien die Einnahmen aus solchen Märkten fast überlebenswichtig für sein Spezialgeschäft. Eigene AußenbeleuchtungEr kann nicht verstehen, warum die Stadt diesen Bereich in seinen Augen sträflich vernachlässigt. „Auch bei der Weihnachtsbeleuchtung sind wir nicht existent. Hier funkelt kein Licht oder ein Stern. Dabei ist das hier der direkte Weg zum Rathaus und zur Innenstadt.“ Er selber setzt ein Lichterzeichen durch seine eigens angebrachte Außenbeleuchtung in der Vorweihnachtszeit.

Unverständnis herrscht beim Ehepaar Kampschulte auch über die Verlegung der Bushaltestelle von der Hansastraße direkt vor ihre Haustür. „Das waren bis dato Parkplätze direkt vor unserer Tür, die unsere Kunden sehr zu schätzen wussten.“ Im Rahmen der Baustelle in der Innenstadt wurden aber die Haltestellen von der Hansastraße an die Kölnerstraße verlegt, genau auf die Parkplätze vor dem Geschäft. „Es gab laut Stadt keine andere Möglichkeit“, zweifeln beide diese Variante an. Anschließend schlängelt sich der Bus über die enge Straße entlang der evangelischen Kirche, um dann wieder auf die Hansastraße zu kommen.
Das Innenstadtentwicklungskonzept steht ebenfalls in seiner Kritik. „Am Anfang der Planungen hieß es, 2016/17 soll dieses Stück der Kölner Straße fertig gestellt werden. Das war im Jahr 2008. Jetzt ist die Fertigstellung auf 2020 verschoben worden und es wird sicher noch später werden - wenn überhaupt.“

Doch damit des Ärgers nicht genug. Im gegenüber liegenden Haus Kölner Straße 20 war früher eine Aldi Filiale. „Da haben auch wir von profitiert. Die Laufkundschaft kam auch zu uns und unser Geschäft wurde wahrgenommen.“ Der Aldi zog um.

Neben einer Bäckereifiliale kamen zwei Geschäfte in die Räume. Doch die zurzeit ansässige Firma Elektro Hippauf schließt ebenfalls. Auch die Firma Schedler Haustechnik wird die Räume verlassen. Damit ist hier ein weiterer Leerstand. Die Stadt wollte in diesem Bereich einen großen Tedi Discounter ansiedeln. „Aber es gab zwei Mit-Eigentümerinnen aus der Hausgemeinschaft, die für die baulichen Veränderungen ihre Zustimmung verweigert haben“, weiß Theo Kampschulte. „Was jetzt dort geschieht, wenn was geschieht, steht in den Sternen. Die beiden Frauen wissen gar nicht, wie sehr sie uns damit geschadet haben.“
Auch die Stadt betont, wie schwer es sei, gerade für dieses Objekt an der Kölner Straße 20 einen attraktiven Ankermieter zu bekommen. „Wir haben seit längerer Zeit nach einem geeigneten Mieter gesucht“, so Ludger Gabriel vom Gebäudemanagement der Stadt. „Aber man bekommt von den großen Ketten zu hören: Man kann Attendorn machen, muss es aber nicht.“
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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