Nachrichten Wirtschaft
Attendorn, 07. September 2018

Neue Stromtrasse

Bundesverband Kompaktleitung kritisiert Amprion-Pläne für Attendorn

Bundesverband Kompaktleitung kritisiert Amprion-Pläne für Attendorn
Foto: privat
Attendorn. Die IG Osterschlah hat in der vergangenen Woche ein Banner am Kreisel im Schwalbenohl angebracht. Darauf wirbt die Interessengemeinschaft dafür, sogenannte Kompaktmasten für den Ausbau der 380-Kilovolt (KV)- Leitungen zu verwenden. Netzbetrieber Amprion aber setzt weiterhin auf die herkömmlichen Stahlgittermasten. Begründung: Diese Technik sei sicher und erprobt, während es für Kompaktmasten mit 380-kv-Leitungen in Deutschland noch keine ausreichenden technischen Erfahrungswerte gebe (LokalPlus berichtete). Das wiederum kann Hans Jochen Hilsberg aus Wrestedt (Niedersachen), Mitglied im „Bundesverband Kompaktleitung“, überhaupt nicht nachvollziehen.

Hilsberg ist Mitglied im „Bundesverband Kompaktleitung“. Im Dezember 2017 nämlich hat Amprion genau diese Kompaktmasten bei Millingen an der holländischen Grenze errichtet. Ein entsprechender Zeitungsartikel des „Bocholter Borkener Volksblatts“ berichtet über die erste Aufstellung der Masten.

„Die Aussagen, die Herr Preuß, der Pressesprecher von Amprion, jüngst zu den Wünschen der Attendorner Bürgerschaft nach emissionsärmeren und ansprechender gestalteten Kompaktmasten traf, sind damit nicht mehr nachvollziehbar,“ so Hans-Jochen Hilsberg. „Das immer wieder vorgetragene Argument, es handele sich bei ihnen um eine völlig neue Technik, für die erst noch Erfahrungen gesammelt werden müssten, ist vor diesem Hintergrund widerlegt.“ Amprion: Erkenntnisse reichen nicht aus „Insgesamt baut Amprion zwischen dem Punkt Millingen und der niederländischen Grenze auf etwa sieben Kilometer Länge 22 der neuen Masten“, heißt es in dem Artikel. „Der Rest der 380-KV-Masten bis nach Wesel besteht aus dem bekannten Stahlgittermasten.“ Dass dieses Projekt läuft, hatte Claas Hammes, bei Amprion für Projektkommunikation zuständig, im Februar 2018 im Gespräch mit LokalPlus auch bestätigt. Damals reichten die Erkenntnisse daraus aber nicht aus, um den Einsatz von Kompakt- bzw. Vollwandmasten schon zu planen, so Hammes. Hans-Jochen Hilsberg geht noch weiter: „Ebenso wenig treffen die übrigen Einwände von Herrn Preuß zu. Selbstverständlich kann ein Vollwand-Strommast mehr als zwei Stromkreise aufnehmen und sie lassen sich einzeln abschalten, sofern nur bestimmte Sicherheitsabstände eingehalten werden. Und da seine unteren Leiterseile dieselbe Höhe wie bei einem konventionellen Gittermast haben, sind folglich auch die Abstände zwischen den Masten und ihre Standpunkte identisch.“ „Kein vernünftiger Grund gegen Kompaktmasten“ Es gibt für Hilsberg „keinen vernünftigen, sachlichen Grund mehr gegen den Einsatz eines Kompaktmastes in Form eines raumoptimierten und strahlungsärmeren Vollwandmasts mit Gittertraversen, wie er nun für Attendorn vorgesehen ist“. 

Am 17. September treffen sich in Attendorn am Vereinshaus des SC SW Attendorn Politiker von Bund, Land, Kreis und der Stadt sowie alle interessierten und betroffenen Bürger. Auch Netzbetreiber Amprion ist eingeladen. Die Veranstaltung wird im Anschluss im Ratssaal weitergeführt. „Leider hat Amprion seine Anwesenheit davon abhängig gemacht, dass der Bundesverband Kompaktleitungen keinen Vertreter schicken darf“, bedauern die Sprecherinnen der IG Osterschlah. Das Treffen beginnt um 15 Uhr.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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