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Olpe, 10. Dezember 2016

Anbieter und Besucher loben breites Informationsangebot in der Stadthalle

Windenergie-Messe – beispielhaftes Projekt

Windenergie-Messe – beispielhaftes Projekt
Foto: Rüdiger Kahlke
Olpe. Abstandregelungen und Infraschall. Planungsrecht und Wertschöpfung. Windkraftgegner von der Bürgerinitiative Rehringhauser Berge und die BBWind, die für bäuerliche Bürgerwindparks plädiert. Gegensätzlicher konnten die Positionen kaum sein. In dem Spannungsfeld zwischen pro und contra Windenergieanlagen bewegten sich die Informationsangebote bei der kommunalen Windenergie-Messe, zu der die Stadt Olpe eingeladen hatte.

Sechs Anbieter informierten rund ums Thema „Windkraft-Anlagen“. Das Angebot hatte die Energieagentur NRW zusammengestellt, um das Thema breit abzudecken. Die Messe sollte Bürgern die Möglichkeit bieten, sich im Vorfeld der Planung für einen „Teilflächennutzungsplan Windenergie“ selbst ein Bild zu machen. Und dafür gab es für die Stadt Olpe von allen Seiten. „Gut strukturiertes Angebot“ „Neutrale Information, Beratung und Vermittlung“, sei die Leitlinie bei der Messe-Planung gewesen, so Cathrin Campen von der Energieagentur NRW. Das Olper Angebot sei „etwas Besonderes“. Oft würde die Agentur erst zugezogen, „wenn es nötig ist“. Da Windenergie „oft ein großes konfliktpotenzial bietet“, lobte sie das transparente und gut strukturierte Angebot. Mit der Messe werde sichergestellt, „dass jeder zu seinem Recht kommt“. Interessiert zeigten am Stand der Energieagentur zeigten sich vor allem Kommunalpolitiker oder Verwaltungs-Mitarbeiter. „Die wollten was zum Konzept der Messe wissen, „um was abzugucken“, zog Cathrin Campen am Vormittag eine Zwischenbilanz für die beispielhafte Veranstaltung.  Die Berater der Ingenieurfirma Köttler Consulting  erklärten in einer Präsentation wie Lärmemissionen von Windrädern gemessen werden und wie sie wirken. Das Publikum sei teilweise gut vorinformiert, so Tobias Nienaber, der „die entspannte Atmosphäre“ in der Halle lobte – trotz gegensätzlicher Interessen bei den Besuchern.

Fragen zu konkreten Projekten, aber auch planerische Details, etwa was Genehmigungsverfahren angeht, standen bei den Vertretern des Landesbetriebs Wald und Holz NRW im Mittelpunkt fasste Björn Hohenstein, Teamleiter Produktentwicklung des Landesbetriebs die ersten Gespräche zusammen. Der Landesbetrieb  ist betroffen, weil auch landeseigene Flächen vermarktet werden. Konträre Positionen Das Büro WWK Umweltplanung erläuterte den Ablauf eines Planungsverfahrens und stellte Kriterien wie Optik und Schattenwurf vor, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen. „Artenschutz und Planung“, so Ingenieurin Hildegard Weil-Suntrup, seien die häufigsten Fragen der Besucher gewesen.

Als Dienstleister für Interessenten an Bürgerwind-Anlagen präsentierte sich die BBWind. Sie setzt sich dafür ein, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Der Verband mit Anbindung den Westfälische-Lippischen Bauernverband berate Interessenten, vor allem Landwirte, bei Planung und Errichtung von  bäuerlichen Bürgerwindparks, so Justine Seemann, Assistentin der Geschäftsführung. „Politisch, technisch und kostenmäßig unsinnig“ Konträr dazu, nicht nur was die Position der Stände in der Stadthalle angeht, steht die Bürgerinitiative Rehringhauser Berge. Windenergie sieht Vorsitzender Christof Gerhard als „subventionsgetragene Branche“ die mit teilweise mafiösen Elementen durchsetzt sei. Dabei, betonte der Windkraft-Skeptiker, sei man nicht generell gegen erneuerbare Energien, wohl aber gegen Verschwendung. Es mache keinen Sinn zu sechs Windrädern in Rehringhausen noch 18 dazu zu planen. Wenn kein Wind wehe, stünden nicht nur sechs, sondern alle Räder still. Der Subventionsbedarf (über das EEG, die Red.) sei allein im September etwa fünfmal so hoch gewesen, wie der Ertrag aus der Windenergie an der Strom-Börse in Leipzig, zeigt er auf Tabellen. Zudem kritisiert er, dass Planer und Politiker die Anlagen gerne „an den Rand schieben“, auf die Dörfer, wo sie weniger Widerstand erwarteten, um die Stadtbewohner so schonen. „Politisch, technisch und kostenmäßig unsinnig“, stuft Gerhard die Windkraftanlagen ein. Der BI-Vorsitzende räumt aber auch ein, dass mit passender Speichertechnologie die Defizite bei der Verfügbarkeit ausgeglichen werden könnten. Bis diese Technik zur Verfügung stehe, zeige der Verband der Windenergie die rote Karte.  Lob von Besuchern Unterschiedlich wie die Positionen der Aussteller waren auch die der Besucher. Vorwiegend Männer nutzten die Angebote am Samstag in der Stadthalle. Skeptisch, was weitere Windräder angeht, zeigte sich der Attendorner Meinolf Schmidt. Er sah die politischen Planungen bezüglich des Ausbaus der Windenergie als überzogen an. Positiv bewertete er, dass „Pro“ und „Contra“ vertreten seien.  Das „breite Spektrum“ lobte auch Martin Eckey, der sich als „Freund der Windenergie“ outete. Sein Augenmerk lag auf der Bürgerbeteiligung an Windkraftanlagen. Das, meinte auch Drolshagens Bürgermeister Uli Berghof, könne die Akzeptanz erhöhen. Er nutzte die Messe auch, um sich für den eigenen kommunalen Planungs- und Beteiligungsprozess Anregungen zu holen.
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

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