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Olpe, 27. September 2018

Professor ermuntert Schüler zur Suche nach Geheimnissen

Vortrag in der Sekundarschule: Die Verzauberung der Welt

Prof. Ernst Peter Fischer hielt seinen Vortrag
Prof. Ernst Peter Fischer hielt seinen Vortrag "Die Verzauberung der Welt" an der Sekundarschule in Olpe.
Foto: Rüdiger Kahlke
Olpe. „Plopp!“. Prof. Ernst Peter Fischer lässt ein Buch zu Boden fallen. Warum fällt es ? Woher kennt das Handy die Telefonnummer? Der diplomierte Physiker, promovierte Biologe und habilitierte Wissenschaftshistoriker versetzt die Besucher im Forum der Sekundarschule mit einfachen Fragen ins Staunen. Sein Thema: Die Verzauberung der Welt. Seine These: Je mehr wir wissen, desto mehr Fragen stellen sich.

Das macht für den außerordentlichen Professor und Autor von mehr als 60 Büchern den Zauber der Wissenschaft aus. Mit Beispielen aus dem Alltag der Schüler, mit ein bisschen Lehrer-Bashing (kommt bei überwiegend jungen Zuhörern gut an) und kleinen Seitenhieben gegen elitären Wissenschaftsbetrieb und Politik („Je mehr man forscht, desto weniger Ahnung hat man. - Wie bei den Politikern, die viel reden aber nichts sagen“), gewinnt er Aufmerksamkeit.

Mit der Einladung des Wuppertaler Wissenschaftlers setzt die Sekundarschule ihre Vortragsreihe fort, mit der sie Interesse für die MINT-Fächer (Mathematik, Naturwissenschaften, Informatik, Technik) wecken will. Immer wieder neue Fragen Im 19. Jahrhundert begann der Aufschwung der Naturwissenschaften. Alles wurde berechenbarer. Der Sozialwissenschaftler Max Weber sprach von rund 100 Jahren von der „Entzauberung der Welt“ durch Wissenschaft und Forschung. „Nein“, sagt der Referent im Forum der Sekundarschule. „Jede Erklärung der Naturwissenschaften produziert neue Fragen.“ Warum fällt das Buch? Klar, die pfiffigen Schüler im Forum wissen die Antwort: Schwerkraft. Aber was ist die Schwerkraft? Die Gravitationskraft der Erde. Aber was steckt dahinter?

Prof. Dr. Ernst Peter Fischer macht an einfachen Beispielen deutlich, wie jede Erklärung neue Fragen zur Folge hat, deren Antworten wiederum geheimnisvoller sind als die Frage selbst. Und wissen heißt nicht, auf dem Handy zu googlen. „Wissen muss man sich erarbeiten“, ermuntert der Referent die Schüler Fragen zu stellen, sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden zu geben.
Unterhaltsam, verblüffend, nachdenklich machend, spannt Prof. Fischer mit Verweisen auf Sokrates und Aristoteles bis zu jüngsten Erkenntnissen einen Bogen über rund 2500 Jahre Wissenschaftsgeschichte und gibt dem gewöhnlichen einen geheimnisvollen Anstrich. Was als Tatsache, als Wirklichkeit erscheint, ist dabei nur eine von vielleicht unüberschaubar vielen Möglichkeiten.

Der Wissenschaftshistoriker verknüpft Forschung und Philosophie. Beide Richtungen gehen der Frage nach: Was suchen die Menschen wirklich? „Sie suchen das Geheimnis“, sagt Prof. Fischer. Wenn sie angekommen sind, haben sie etwas gefunden: sich selbst.
Für die in der Mehrzahl jüngeren Zuhörer eine Ermutigung, nicht ehrfurchtsvoll vor Wissenschaft zu kapitulieren, sondern weiter Fragen zu stellen. „Wer sich nicht wundert und staunt ist tot“, ziterte er den Welt-Erklärer Albert Einstein. Den Zuhörern wünscht er, dass sie bei der Suche Antwort auch Zufriedenheit finden.
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

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