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Olpe, Olpe, 10. März 2016

Stadt verabschiedet Schiedsmänner Peter Kühn und Wolfgang Exner

Vermittler im Dienste des sozialen Friedens

Peter Kühn (Mitte) und Wolfgang Exner (2. von links) sind am Donnerstag als Schiedsleute der Stadt Olpe verabschiedet worden. Bürgermeister Peter Weber (links), Peter Krumm (Direktor des Amtsgerichts, 2. von rechts) und Peter Püttermann vom Ordnungsamt bedankten sich bei den Streitschlichtern.
Peter Kühn (Mitte) und Wolfgang Exner (2. von links) sind am Donnerstag als Schiedsleute der Stadt Olpe verabschiedet worden. Bürgermeister Peter Weber (links), Peter Krumm (Direktor des Amtsgerichts, 2. von rechts) und Peter Püttermann vom Ordnungsamt bedankten sich bei den Streitschlichtern.
Foto: Sven Prillwitz
Die Quote spricht für sich: In knapp zwei Drittel aller Fälle, in denen sie als Schiedsleute eingeschaltet wurden, führten Peter Kühn und Wolfgang Exner eine außergerichtliche Einigung zwischen zerstrittenen Bürgern herbei. Am Donnerstagmittag, 10. März, verabschiedete Olpes Bürgermeister Peter Weber die beiden bei einer kleinen Feierstunde im Rathaus aus ihren Ämtern.

Im Namen des Rates und der Verwaltung bedankte sich Weber bei dem Duo für besondere Verdienste um das Wohl und den „sozialen Frieden“ der Stadt. Mit ihrer Rolle als Vermittler hätten Exner und Kühn dafür gesorgt, dass Streitparteien ihre Differenzen außergerichtlich klären. „Damit haben Sie geholfen, teure und langwierige Auseinandersetzungen zu vermeiden, und stattdessen unbürokratische und kostensparende Einigungen herbeigeführt“, sagte der Bürgermeister. Weber überreichte beiden als Dankeschön je einen Blumenstrauß und Eintrittskarten für den Olper Jazz-Frühschoppen.

15 Jahre lang war Wolfgang Exner als Schiedsmann in der Kreisstadt tätig, zehn davon mit Peter Kühn an seiner Seite. „Auch wenn es schade ist, muss irgendwann Schluss sein“, so Exner. Sie hätten sich als Team verstanden und auch aufgrund ihrer unterschiedlichen Berufe gut ergänzt, sagte der 59-Jährige: „Ich bin Unternehmer und daher eher der Pragmatiker. Peter ist Kriminalbeamter, der merkt, wenn einer die Unwahrheit sagt.“ Im Jahr 2010 tauschten sie die Rangfolge, Exner wurde vom 1. zum stellvertretenden Schiedsmann. Damit auch sein Partner die Ausbildung zum Mediator, zum außergerichtlichen Vermittler, absolvieren konnte. Das sei in jeder Kommune pro fünfjähriger Amtszeit nur für einen Schiedsmann möglich, sagte der 59-Jährige. Kommunikation wichtiger als Formalitäten Formalitäten wie das Schreiben von Protokollen und Anträgen gehörten zwar zu den Aufgaben des Schiedsmannes. Wichtiger sei es allerdings, überhaupt mit den Menschen ins Gespräch zu kommen – und so den wahren Grund für den Streit herauszufinden, erklärte Peter Kühn. „Meistens liegt es an fehlender Gesprächsbereitschaft. Wenn man nachhakt, stellt man fest, dass sich die Leute lange gut verstanden haben. Dann gab es ein Problem, aber keiner hat je darüber gesprochen. Das staut sich und explodiert dann irgendwann bei der nächsten Kleinigkeit“, so der 71-Jährige.

Und genau in diesen Momenten kamen die Schiedsleute ins Spiel. Bei Zivil- oder kleineren strafrechtlichen Angelegenheiten wie Beleidigungen, Sachbeschädigungen oder leichter Körperverletzung, sogenannten „Privatklagedelikten“. Vor allem bei Nachbarschaftsstreits – wegen eines zu hohen Zauns, eines störenden Baumes oder sonstigem. Entscheidet die Staatsanwaltschaft, dass an solchen Fällen kein öffentliches Interesse besteht, wird das Strafverfahren eingestellt. Weiter geht es mit dem Privatklageweg und damit zu den Schiedsleuten, die dann eine Einigung herbeizuführen versuchen. Erst wenn dieser „Sühneversuch“ scheitert, dürfen Streitparteien vor dem Amtsgericht Klage einreichen. Inoffizielle Zahlen verbessern Quote noch So weit kam es bei Exner und Kühn nur in knapp einem Drittel der Fälle. „Wenn man mit den Leuten spricht, sie dann zusammenbringt und versucht, dass beide einen Vergleich zustande bringen, stehen die auch dahinter und wollen nicht mehr vor Gericht“, sagte Kühn. Für ihn eine logische Folge eines Kommunikations- und Annäherungsprozesses, der lediglich bei „echten Querulanten“ scheitere.

Er und Wolfgang Exner seien im Schnitt in jeweils zehn bis 15 Fällen pro Jahr als Schiedsleute eingeschaltet worden – also in den schlussendlich offiziellen Angelegenheiten. Es gebe aber auch die „Tür- und Angelfälle“, wie Exner sie nennt: Die Auseinandersetzungen, die sich ohne Formalitäten erledigen lassen, mit einem einfachen Telefonanruf oder einem persönlichen Gespräch. Inoffizielle Zahlen, die nicht in der Statistik auftauchen.

Und die ohnehin beachtliche Quote der beiden sogar noch besser aussehen lassen, fügte Peter Krumm hinzu. Der Direktor des Amtsgerichts würdigte die Leistungen des Duos als Schiedsleute ebenfalls und sprach von einer „Vergleichsquote, von der ich als Richter nur träumen kann“. Damit hätten beide das Motto des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen – „Schlichten statt richten“ – in die Tat umgesetzt. Krumm überreichte Exner und Kühn im Auftrag der Präsidentin des Landgerichts Urkunden.
Neue Schiedsleute gesucht
•Die Stadt Olpe sucht zwei neue Schiedsleute. Interessenten können sich beim Ordnungsamt (Tel. 02761/81 421) melden.

•Eine juristische Vorbildung ist nicht erforderlich; Schiedsleute müssen allerdings an diversen Lehrgängen teilnehmen, ein einwandfreies Führungszeugnis vorweisen können und sollten über ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten verfügen.

•Die Amtszeit beträgt in der Regel fünf Jahre. Die Kommune zahlt für jeden abgeschlossenen Fall eine Aufwandspauschale. Das Büro der Schiedsleute befindet sich im Rathaus.

•Der Rat ernennt Schiedsmänner und –frauen offiziell.
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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