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Olpe, 05. März 2017

Initiative gegen Wegwerf-Mentalität verzeichnet steigende Resonanz

Repair Café: Alten Dingen wird neues Leben eingehaucht

Im Repair Café Olpe können gegen eine Spende elektronische Geräte repariert werden. Geöffnet ist die Einrichtung jeweils am ersten Freitag im Monat von 15 bis 17 Uhr.
Im Repair Café Olpe können gegen eine Spende elektronische Geräte repariert werden. Geöffnet ist die Einrichtung jeweils am ersten Freitag im Monat von 15 bis 17 Uhr.
Foto: Rüdiger Kahlke
Olpe. Der Techniker wackelt mit der Spitzzange an einer Platine, stellt die Küchenmaschine auf. Ein Knopfdruck und der Motor heult auf. Andreas Stemmer grinst. Der Kölner, der durch eine bekannte aus Olpe auf das Repair Café aufmerksam wurde, sitzt schon zum zweiten Mal im Mehrgenerationenhaus – mit der gleichen Maschine, sagt er und assistiert dem Techniker, der das Gehäuse auseinandernimmt. „Ein Wackelkontakt“, ist seine Diagnose. Er setzt einen kleinen Lötpunkt – Problem gelöst.

Andreas Stemmer, der das Gerät nicht einfach wegwerfen wollte, freut sich. Auch der zweite Besuch war erfolgreich. Statt ein neues Gerät zu kaufen eine kleines Spende und alle sind zufrieden. Wie die meisten Kunden, die jeweils am ersten Freitag im Monat mit Geräten anrücken, die ihre Mucken haben. Elektrische Kleingeräte machen das Gros zu reparierenden Sachen aus, weiß Heinrich Maiworm, der das Repair Café leitet und sich für die Atmosphäre verantwortlich fühlt. Besucher sollen selbst Hand anlegen„Sie wollen was reparieren lassen?“, fragt Maiworm freundlich einen neuen Besucher. „Ja, diese Uhr hier.“ Maiworm blickt in die Runde. Alle Arbeitsplätze sind belegt. Den Besucher bittet er Platz zu nehmen, sich schon mal mit der Hausordnung vertraut zu machen. Da steht zum Beispiel drin, dass für eventuelle Schäden keine Haftung übernommen wird. Es werden auch keine Garantien gegeben. Vor allem wird aber auch darauf hingewiesen, dass die Besucher soweit wie möglich selbst Hand anlegen sollen, um unter Anleitung der Reparaturexperten Fehler zu suchen und zu beheben. Das ist Maiworm, der zu den Gründern des Angebotes gehört, ganz wichtig. Neben der technischen Seite betont er den sozialen Aspekt. Man komme miteinander ins Gespräch, helfe sich untereinander. Mit glänzenden Augen erzählt Maiworm, wie ein Techniker ein Gerät reparieren wollte und dem Kunden, einem älteren Herrn, sagte, das Ersatzteil müsse er im Internet besorgen. Internet? – Für den Senior eine fremde Welt. Die junge Dame nebenan zückte ihr Smartphone und bestellte das Teil. „Besser geht es nicht“, freut sich Maiworm über die Interaktionen zwischen den Generationen. Arbeit an der KapazitätsgrenzeDie Besucherschar ist bunt gemischt. Neben Stammkunden „kommen erstaunlich viele Mütter mit Töchtern“ hat Maiworm beobachtet. Warum? Achselzucken. Fest steht: die Nachfrage steigt. Mit 40 Besuchern vor Weihnachten habe man schon die Kapazitätsgrenze erreicht. Mehr sei mit dem Stamm von neun Technikern, die alle ehrenamtlich tätig sind, nicht zu schaffen.

Besucher kommen auch aus Nachbarkommunen. Stefanie Kotyrda bringt eine Nähmaschine mit – ein Hochzeitsgeschenk. Nach mehr als 37 Jahren „sticht sie von unten nicht mehr richtig“, beschreibt sie das Manko. Die Drolshagenerin hatte von dem Repair Café gehört, aber „nie die richtige Zeit erwischt“. Jetzt muss sie erstmal warten. Alle Techniker sind beschäftigt. Hilfe zur SelbsthilfeEin Problem, vor allem bei Billigprodukten, ist es, überhaupt das Gehäuse zu öffnen, um ans Innenleben zu gelangen. Da hilft oft der „gesunde Menschenverstand“, meint Frank Schäfers, der regelmäßig im Repair Café mitmacht und sein eigenes Werkzeug dabei hat. Er findet es „schlimm, dass Sachen so schnell weggeworfen werden, wenn sie noch repariert werden könnten.“

Gerade hat er seinem Kunden geholfen, den Fehler im Radio-Recorder zu finden. Der junge Mann hängt an dem alten Gerät. Das Radio dudelte noch, aber Kassetten abspielen: Fehlanzeige. Die Lösung war einfach. Der Antriebsriemen hatte sich im Laufe der Zeit aufgelöst. Jetzt sucht der Kunde im Fachhandel einen neuen Riemen. Wie es dann weitergeht, weiß er selbst – dank der technischen Betreuung im Repair Café. Große ZufriedenheitWenn die Kunden gehen, klingeln die Münzen im Sparschwein. Die Erfolgsquote ist hoch, die Zufriedenheit offenbar auch. Vom Erlös geht das Team einmal im Jahr essen und kauft spezielles Werkzeug. Das Repair Café läuft wie ein gut geölter Motor. Es habe schon Abwerbeversuche gegeben, in Nachbarkommunen zu ziehen, sagt Heinrich Maiworm. Aber die Zusammenarbeit zwischen dem Mehrgenerationenhaus, dem DRK und dem Arbeitskreis Olper Senioren läuft ebenfalls wie geschmiert. Kein Grund also, etwas zu verändern.

Und die Atmosphäre, das lockere, freundliche, hilfsbereite Miteinander, das möchte niemand missen. Nur, wenn der Andrang noch stärker wird, dann müsse man sich Gedanken machen. Gedanken über zusätzliche Techniker und einen zweiten Termin. Aber daran mag Maiworm lieber noch nicht denken. In welchem Laden kann man schon bei Kaffee und Kuchen warten und dabei noch lernen, alte Dinge zu neuem Leben zu erwecken?
Über das Konzept des Repair Cafés

· Initiatorin der Bewegung war eine Niederländerin. Sie organisierte 2009 in Amsterdam das erste Repair Café.

· Mit dem Angebot soll der Wegwerf-Mentalität entgegen gewirkt werden.

· In den Repair Cafés findet zudem ein Wissensaustausch statt. Erfahrung wird weitergegeben, die sonst vielleicht verloren ginge.

· Die Initiatoren wollen zudem zeigen, dass reparieren auch Spaß machen kann und oft relativ einfach möglich ist.

· Das Repair Café im Mehrgenerationenhaus in Olpe gibt es seit drei Jahren.

· Geöffnet ist die Einrichtung jeweils am ersten Freitag im Monat von 15 bis 17 Uhr.

· Mehr unter: repaircafe.org/de
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

Bildergalerie: Repair Café: Alten Dingen wird neues Leben eingehaucht