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Olpe, Olpe, 23. November 2015

Mitarbeiterin der Werthmann-Werkstatt Olpe verarbeitet ihre Probleme über das Malen

Kunst als Therapie: Sabrina Halbe zeigt erstmals ihre Bilder

Sabrina Halbe, Hobbymalerin und Mitarbeiterin der Werthmann-Werkstatt Olpe, zeigt ihre erste eigene Bilderausstellung.
Sabrina Halbe, Hobbymalerin und Mitarbeiterin der Werthmann-Werkstatt Olpe, zeigt ihre erste eigene Bilderausstellung.
Foto: Werthmann-Werkstatt Olpe
Beim Malen kann man Gefühle ohne Worte ausdrücken, Ängste verarbeiten und innere Spannung ablassen. Deshalb ist Malen besonders bei psychisch erkrankten Menschen ein kreativer Prozess. So hat auch Sabrina Halbe das Malen als Hobby für sich entdeckt, um einen Weg zu finden, mit ihrer psychischen Erkrankung fertig zu werden und ihre Gedanken wieder in rechte Bahnen zu lenken.

Seit ihrem elften Lebensjahr ist die 33-Jährige aus Attendorn psychisch krank und arbeitet seit drei Jahren in der Werthmann-Werkstatt in der Abteilung Olpe. Dort sind jetzt acht ihrer zahlreichen Werke ausgestellt, die bei den Betreuern und Mitarbeitern auf begeisterte und anerkennende Resonanz stoßen. Darauf ist Sabrina Halbe mächtig stolz. Denn sie hat sich das Malen selbst beigebracht und noch nie einen Kurs besucht. Sie begann mit einem Bleistift und experimentierte dann mit Farben. Inspiration aus Träumen und Fotos Bei den ausgestellten Bildern handelt es sich um Acrylfarben in „Nass in Nass-Technik“ und Ölfarben. „Die Inspiration hole ich mir aus meinen Träumen oder von Fotos“, so Sabrina Halbe. „Auf einigen Bildern habe ich meine Begeisterung für Planeten und das Sonnensystem zum Ausdruck gebracht, auf anderen meine Träume von Stränden und vom Meer.“

Sabrina Halbe malt fast jeden Tag, weil sie herausgefunden hat: „Das Malen bietet mir eine Oase der Ruhe und Erholung. Neben der Arbeit in der Werthmann-Werkstatt Olpe ist das Malen für mich ein wichtiges Instrument zur Überwindung von gesundheitlichen Krisen.“ Schon als Jugendliche aktiv Dass Sabina Halbe eine große Neigung zur Kunst hat, bewies sie schon als Jugendliche. Nach Absolvierung des Berufsgrundschuljahres für Maler und Lackierer am Berufskolleg in Attendorn besuchte sie die Höhere Berufsfachschule für Gestaltung in Iserlohn, die sie jedoch aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht abschließen konnte.

Es folgte eine Ausbildung zur Kinderpflegerin. Trotz Abschluss machten es ihre psychischen Probleme nicht möglich, in dem erlernten Beruf zu arbeiten. Daher war sie froh,als sie im Juni 2012 einen Arbeitsplatz in der Werthmann-Werkstatt in Olpe erhielt. Dort ist sie im Bereich der Elektromontage tätig, wo exaktes und gewissenhaftes Arbeiten eine große Rolle spielen. Ablenkung durch ArbeitWie beim Malen werden dort ihre Feinmotorik, Konzentration und ihre ausgeprägte Hand-Auge-Koordination gefordert. „Die Arbeit bringt mir Ablenkung. Ich kann mich konzentrieren und meine negativen Gedanken ein bisschen zur Seite schieben“, sagte Sabrina Halbe. Das gelingt ihr auch abends, wenn sie bei klassischer Musik zu Pinsel und Farben greift.

Beim Betrachten ihrer ausgestellten Bilder fällt eines auf: Sabrina Halbe fängt mit den Farben die Harmonie des Lebens ein, die sie durch den künstlerischen Prozess auch auf sich selbst übertragen kann. Beeindruckend ist das Motiv der Rosenhand, das Frieden ausstrahlt. Die Rosen, die Blumen der Liebe, sollen die Hand schützen. Die „Eule bei Nacht“ vermittelt ebenfalls Ruhe und Gelassenheit. Beim Bild mit dem Titel „Sonnenuntergang im Tal“ ist es ihr gelungen, die Schönheit der Abenddämmerung festzuhalten. Für sich spricht auch das Bild vom Weltall mit Andromeda-Nebel und verwirbelnden Sternen.

Viele Bilder hat Sabrina Halbe bereits im Verwandten- und Bekanntenkreis verschenkt. Dass sie jetzt auch an ihrer Arbeitsstätte als Künstlerin geschätzt wird, macht sie stolz. „Die Kollegen und Vorgesetzten finden meine Bilder toll. Das gibt mir ein gutes Gefühl.“ Lob für ihren Mut Petra Müller vom Begleitenden Dienst der Abteilung Olpe lobte nicht nur ihre gute Konzentrationsfähigkeit, Genauigkeit und ihr großes Pflichtbewusstsein bei der Arbeit. Sie bewunderte vor allem den Mut von Sabrina Halbe: „Sie steht dazu, dass sie krank ist und zeigt, was ihr hilft und gut tut. Das ist toll und ein großer Schritt zur mehr Akzeptanz und weniger Diskriminierung. Ein Schritt zu mehr Zuversicht.“

Zu den Öffnungszeiten der Werthmann-Werkstätten, Abteilung Olpe, Günsestrasse 20, (montags 8 bis 15.30 Uhr und freitags 8 bis 14.15 Uhr) können sich auch interessierte Bürger Sabrina Halbes Bilder anzuschauen. Weitere Infos über die Werkstatt unter www.werthmann-werkstaetten.de . (LP)

Bildergalerie: Kunst als Therapie: Sabrina Halbe zeigt erstmals ihre Bilder